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[Die Industrie der Steine + Erden]






Vom Sand verschüttet

Dipl.-Ing. Cl. Schütte

Die Gefahren, die von gelagerten Schüttgütern ausgehen, werden häufig unterschätzt. Dabei reichen - so auch im vorliegenden Fall - nur ein paar Kubikmeter Sand, um Kinder oder auch Erwachsene zu verschütten und den Erstickungstod herbeizuführen.

In einem Transportbetonwerk in Norddeutschland musste zum Unfallzeitpunkt ein Großauftrag bearbeitet werden. Bei diesem Transportbetonwerk werden die Zuschlagstoffe in einer sogenannten Sternanlage gelagert und per handbedientem Schrapper in Vorratstaschen gefördert. Von hier gelangen die Zuschlagsstoffe in einen Schrägkübelaufzug, mit dem sie in den Betonmischer gehoben werden. Die Anlage wird normalerweise von zwei Beschäftigten bedient. Um aber den Großauftrag bearbeiten zu können, wurde für die Spätschicht zur Bedienung des Handschrappers eine Aushilfskraft, Herr B., angestellt. Herr B. befand sich den ersten Tag im Ruhestand, vorher war er Betriebsleiter in einem anderen Transportbetonwerk gewesen. Am Unfalltag nahm er um 18 Uhr die Tätigkeit auf. Gegen 19 Uhr bemerkte der Anlagenführer, dass der Schrapper nicht mehr bedient wurde. Herr B. wurde auch nicht im Führerhaus des Schrappgerätes vorgefunden.

Abb. 1: Schrappanlage Führerhausstellung wie zum Unfallzeitpunkt Aufgrund der Stellung des Führerhauses, die Führerhaustür zeigte zur Sandbox (Abb. 1), hatten die beiden Beschäftigten sofort die Vermutung, dass Herr B. im Sand verschüttet sein könnte. Sie stocherten mit einer Stange im Sand, stießen dabei auf ein Hindernis und leiteten sofort Rettungsmaßnahmen ein, die allerdings ohne Erfolg blieben. Herr B. konnte nur noch tot geborgen werden. Die Obduktion ergab als Ergebnis "Tod durch Ersticken".
Für den eigentlichen Unfallhergang gibt es keine Augenzeugen und es können daher nur Vermutungen angestellt werden. Bei der Unfalluntersuchung wurde festgestellt, dass der Schrapperkübel beschädigt war und frische Beschädigungsspuren an einer Boxenwand vorhanden waren. Wahrscheinlich hatte Herr B. den Schrapperkübel während des Schrappvorganges beschädigt und wollte nachsehen, wie groß der Schaden war. Hierzu stieg er in der in Abb. 1 gezeigten Stellung des Schrapperführerhauses aus diesem aus und sprang in den angehäuften Sandhaufen. Da die Anlage weiterlief, wurde er wahrscheinlich vom abfließenden Sand erfasst und konnte sich nicht mehr selbst befreien. Er wurde bei jedem Mischvorgang weiter eingezogen und schließlich verschüttet.Als Unfallursache muss das leichtsinnige Verhalten von Herrn B. angenommen werden. Ob er für seine Tätigkeit ausreichend eingewiesen war, konnte nicht eindeutig ermittelt werden. Allerdings muss man davon ausgehen, dass ein Mann, der zwanzig Jahre im Transportbetonwerk gearbeitet hat, über derartige Gefahren informiert ist. Um solche Unfälle in Zukunft zu vermeiden, ist es unerlässlich, dass Beschäftigte in regelmäßigen Abständen auf die Gefahren gelagerter Schüttgüter hingewiesen werden. Des Weiteren müssen Hinweisschilder für Betriebsfremde und Kinder angebracht werden.



Abb. 2: Verschüttungsstelle nach Durchführung der Rettungsmaßnahmen
Abb. 2:
Verschüttungsstelle nach Durchführung
der Rettungsmaßnahmen


Anschrift des Verfassers:
Steinbruchs-Berufsgenossenschaft, Theodor-Heuss-Str. 160, 30853 Langenhagen





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