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[Die Industrie der Steine + Erden]







die StBG-Mobile - mit retroreflektierenden Folien

"Porsche oder Brummi - dranbleiben oder bremsen?"
Wem hat sich diese Frage noch nicht gestellt?

Wer hat es nicht schon erlebt, dass sich ein paar rote Lichtpunkte auf der nächtlichen Autobahn zeigen und rasend schnell in das Heck eines langsamen Lastkraftwagen verwandeln oder dass sich hinter den gelben Tupfern im Dunkeln keine fröhliche Radlergruppe, sondern ein abbiegender Sattelzug verbirgt?
Jeder weiß, dass insbesondere nachts die Erkennbarkeit von Konturen und Größe und damit das intuitive Erfassen der Geschwindigkeit und des verbleibenden Bremsweges zu vorausfahrenden oder kreuzenden Fahrzeugen nur eingeschränkt möglich ist.Unfallanalysen zeigen, dass 37 Prozent aller seitlichen Zusammenstöße und 46 Prozent aller Heckkollisionen von Pkw mit Lkw bei Dämmerung oder Dunkelheit auf die verminderte Erkennbarkeit der Brummis zurückzuführen sind.
In Schicksalen ausgedrückt: Pro Jahr könnten rund 600 Unfälle mit etwa 1000 Verletzten und ca. 60 Toten vermieden werden, wenn die Pkw-Fahrer die Lastwagen und Lastzüge rechtzeitig und sicher erkennen könnten.In einer im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr durchgeführten Studie der Technischen Hochschule Darmstadt konnte nachgewiesen werden, dass durch die Markierung der Konturen von Nutzfahrzeugen mit retroreflektierenden Folien aus weit mehr als 100 m Entfernung ein "großer Kasten" signalisiert wird und als potentielles Hindernis identifiziert werden kann. Entscheidende Sekunden für ein rechtzeitiges Reagieren sind damit gewonnen.Die Ergebnisse eines ersten Feldversuches mit retroreflektierenden Konturmarkierungen waren beeindruckend. Die entsprechende Unfallrate konnte um 95 Prozent gesenkt werden.Dieser Feldversuch wurde jetzt erweitert. Bis Ende 1999 werden bundesweit ca. 3500 Nutzfahrzeuge mit retroreflektierenden Folien ausgestattet und eventuelle Unfälle analysiert.Vorgegeben ist, dass die Seitenflächen über die gesamte Länge und über die Höhe, das Heck über Breite und Höhe und auch das Führerhaus an beiden Seitenflächen mit einem 50 mm breiten Konturstreifen gekennzeichnet wird. Innerhalb der Konturmarkierung sind nunmehr dezente retroreflektierende Werbeaussagen gestattet. Rollende Litfaßsäulen sind dabei weder gewollt noch genehmigungsfähig.Für die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft eröffnet sich hier eine optimale Möglichkeit, ihrem gesetzlichen Auftrag zur Verhütung von Wegeunfällen auf innovative Weise gerecht zu werden und gleichzeitig auch nachts ihr Erscheinungsbild zu prägen. Die deutschlandweit eingesetzten arbeitsmedizinischen Untersuchungsfahrzeuge der Berufsgenossenschaft - Röntgenmobil und Audiomobile - nehmen seit August 1999 an diesem Feldversuch teil. Alle drei Fahrzeuge wurden mit retroreflektierenden Konturmarkierungen sowie mit reflektierenden Logos und reflektierenden Schriftzügen "Mobile Arbeitsmedizin - das kompetente Team für Ihre Gesundheit" versehen. Neben einem aktiven Beitrag zur Erhöhung der nächtlichen Verkehrssicherheit vor allem für Pkw-Insassen sichert die geringe Zahl der bisher in Deutschland mit retroreflektierenden Folien zugelassenen Nutzfahrzeuge (weniger als 0,1 Prozent) eine nahezu einmalige Auffälligkeit bei Dunkelheit. Nicht zuletzt möchte die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft durch beispielhaftes Handeln zur Verbreitung dieser offensichtlich erfolgreichen Maßnahme der Unfallverhütung beitragen.Bleibt zu hoffen, dass die existierende EU-Norm bald Berücksichtigung im 49 der StVZO findet, damit ein freiwilliges Ausrüsten der deutschen Lastkraftwagen mit retroreflektierenden Konturmarkierungen und Werbung ohne die bisher zwingend notwendige Ausnahmegenehmigung möglich wird.





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