www.steine-und-erden.net > 1999 > Ausgabe 6/99 > StBG-Aktivitäten - europaweit gefragt

[Die Industrie der Steine + Erden]







Finnische und europäische Flagge

StBG-Aktivitäten - europaweit gefragt

Dipl.-Ing. W. Pichl

In unregelmäßigen Abständen lädt die Generaldirektion V der Europäischen Kommission Arbeitsschutz- und Gesundheitsschutzexperten aus der gesamten Europäischen Union zu einem jeweils unter einem anderen Motto stehenden Workshop ein. Im Rahmen dieser Veranstaltung werden länderspezifische Präventionsaktivitäten vorgestellt und diskutiert. Darüber hinaus bietet der Workshop den Teilnehmern ausreichend Gelegenheit, länderübergreifend Erfahrungen auszutauschen.Der diesjährige Workshop, der unter dem Motto "Menschliche Faktoren und Anwendungen neuer Technologien im Bergbau" stand, fand vom 22. bis 24. September 1999 in Tornio, Finnland, statt. Traditionell ist immer das Land Gastgeber der Veranstaltung, welches zum Zeitpunkt der Ausrichtung die Ratspräsidentschaft innehat. Rund 200 Teilnehmer aus allen Ländern der Europäischen Union nahmen an diesem Workshop auf der Höhe des Polarkreises teil - bisher der nördlichste Veranstaltungsort.

Nach der Begrüßung durch den Gouverneur der Provinzverwaltung Lappland stimmte Herr Dr. Rother von der Kommission der europäischen Gemeinschaften die Teilnehmer auf das dichtgedrängte Workshop-Programm ein.Neben einer Bewertung von Sicherheit und Gesundheitsschutz-Managementsystemen für Großunternehmen sowohl aus englischer als auch aus italienischer Sicht, wurde die Arbeitssicherheits- und Gesundheitsschutzsituation in kleineren und mittleren Unternehmen diskutiert.

Abb. 1: Dipl.-Ing. H. Ehnes referierte auf dem Kongress in Finnland
Abb. 1: Dipl.-Ing. H. Ehnes referierte
auf dem Kongress in Finnland


Dipl.-Ing. H. Ehnes, Leiter des Geschäftsbereiches Prävention bei der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft, berichtete über die Erfahrungen zu diesem Thema. Zum einen ging er auf die Hintergründe sowie die Umsetzung der sicherheitstechnischen und arbeitsmedizinischen Betreuung von Klein- und Mittelunternehmen in der Bundesrepublik Deutschland ein. Einen Hauptakzent setzte er dabei auf die Erfahrungen, die bei den im Rahmen des Unternehmermodells angebotenen Informations- und Motivationsseminare gesammelt wurden. Auf besondere Resonanz der Teilnehmer stieß das große Interesse der Unternehmer an diesen Seminaren: an den rund 550 Informations- und Motivationsseminaren hatten immerhin 8.000 Personen teilgenommen. Ehnes stellte die von der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft insbesondere auf die Bedürfnisse von Klein- und Mittelunternehmen zugeschnittene Handlungshilfe "Sicher mit System" (SmS) vor. Ausgangspunkt für die Entwicklung dieses Systems war, dass heute unbestritten der Schwerpunkt der Unfallursachen auf Verhaltens- und Organisationsdefiziten liegt, gleichzeitig aber gegensteuernde Instrumentarien wie z. B. Arbeitsschutzmanagementsysteme ausschließlich auf die Bedürfnisse von Großunternehmen zugeschnitten sind. Mit der Handlungshilfe "Sicher mit System" soll insbesondere Klein- und Mittelunternehmen die Möglichkeit gegeben werden, den Arbeitsschutz in ihren Unternehmen systematisch zu organisieren und zu betreiben. Insbesondere die Vorstellung dieses Systems stieß bei den Workshop-Teilnehmern auf eine breite Resonanz, stellt doch die Umsetzung eines organisierten und systematischen Arbeitsschutzes in Klein- und Mittelbetrieben in allen Ländern der europäischen Union eine besondere Herausforderung dar.

Wie eine zeitgemäße und erwachsenengerechte Ausbildung einer Zielgruppe aussieht, die in einem sicherheitstechnisch sensiblen Bereich tätig wird, machte Dipl.-Ing. W. Pichl mit der Vorstellung des computerunterstützten Lernprogramms "Sicher und wirtschaftlich sprengen" deutlich. Dieses von der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft entwickelte Lernprogramm wird bei der Ausbildung der Sprengberechtigten eingesetzt. Durch die hervorragenden Visualisierungsmöglichkeiten und durch einen an der Praxis orientierten lebendigen Handlungsablauf ist ein Ausbildungsmedium entstanden, welches den angehenden Sprengberechtigten in die Lage versetzt, seiner verantwortungsvollen Aufgabe noch stärker als bisher gerecht zu werden.

Zahlreiche Anfragen aus dem Kreis der Teilnehmer machten deutlich, dass diese bei der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft entwickelten Präventionsaktivitäten auch in vielen anderen Ländern der Europäischen Union von großem Interesse sind. Es ist gute Tradition, dass nach Abschluss des Workshops eine Exkursion in ein branchentypisches Unternehmen des Gastgeberlandes durchgeführt wird. Das diesjährige Ziel war der in Nordost-Schweden gelegene Aitik-Tagebau des weltweit tätigen kanadischen Metallproduzenten Boliden. In diesem für deutsche Verhältnisse riesigen Tagebau - die Abbautiefe beträgt zur Zeit 450 m bei einer Grubenausdehnung von rund sechs Kilometer - werden Kupfer und Gold abgebaut. Obwohl der Kupfergehalt nur circa 0,5 Prozent beträgt, kann durch eine ausgeklügelte Abbautechnik und eine High-Tech-Aufbereitung wirtschaftlich produziert werden. Der Aitik-Tagebau gehört zu den größten seiner Art in Europa; jährlich werden bis zu 17 Millionen Tonnen Material abgebaut und aufbereitet. Insbesondere die Dimension der Grube, aber auch der Einsatz der riesigen Erdbaumaschinen hinterließen bei allen Teilnehmern einen nachhaltigen Eindruck.



Abb. 2:  Einer der größten Bagger, die in europäischen Steinbrüchen eingesetzt werden
Abb. 2: Einer der größten Bagger,
die in europäischen Steinbrüchen
eingesetzt werden



Abb. 3: Außergewöhnlicher Fototermin in der Baggerschaufel - mehrfach abgesichert!
Abb. 3: Außergewöhnlicher Fototermin
in der Baggerschaufel - mehrfach abgesichert!



Abb. 4:  In bis zu 450 Meter Tiefe  werden beim Aitik-Tagebau Kupfer und Gold gewonnen
Abb. 4: In bis zu 450 Meter Tiefe werden beim
Aitik-Tagebau Kupfer und Gold gewonnen



Abb. 5:  Die Teilnehmer bei der Besichtigung  der Aitik-Anlagen bei der Fa. Boliden in Nordost-Schweden
Abb. 5: Die Teilnehmer bei der Besichtigung der
Aitik-Anlagen bei der Fa. Boliden in Nordost-Schweden





Anschrift des Verfassers:
Steinbruchs-Berufsgenossenschaft, Theodor-Heuss-Str. 160, 30853 Langenhagen





Inhaltsverzeichnis Ausgabe 6/99 | Zurück zu unserer Homepage