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[Die Industrie der Steine + Erden]






An der Schwelle zum neuen Jahrtausend ...

Willi Lange

... ist es an der Zeit, zu fragen, wo die Prävention heute steht, und ob wir in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten die richtigen Schritte eingeleitet haben. Vor allem aber ist der Jahrtausendwechsel der Zeitpunkt, nach vorne zu blicken! Wie kommen wir weiter voran? Wo können wir ansetzen, um auch künftig erfolgreich zu sein?Ein Blick auf die Unfallbilanz zeigt, dass die gemeinsamen Anstrengungen von Arbeitgebern, versicherten Arbeitnehmern und Berufsgenossenschaft Früchte tragen. Niemals zuvor gab es in der Steine und Erden-Industrie so wenig schwere Unfälle, die Rentenzahlungen ausgelöst haben. 1998 konnte bei den Rentenfällen, wie auch schon im vorausgegangenen Jahr, mit 355 neuen Unfallrenten erneut ein historischer Tiefststand erreicht werden! Auch bei den Unfällen ist die Entwicklung positiv. Insgesamt ergab sich ein Rückgang der Unfälle um gut ein Prozent.
Hätten wir heute noch das Unfallgeschehen, wie wir es 1970 im Bereich der Steine und Erden-Industrie zu vermelden hatten, so müssten die Unternehmen nicht 336 Millionen, sondern 772 Millionen für die Umlage an die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft (StBG) aufbringen. Insgesamt also eine positive Bilanz, die sich nach bisher vorliegenden Erkenntnissen offenbar auch 1999 fortsetzen wird.Die Verantwortung für sichere und gesunde Arbeitsplätze liegt bei den Unternehmern - deren Handeln entscheidet letztlich über den Sicherheitsstandard in den Betrieben. Die StBG ist jedoch auf der Grundlage ihres gesetzlichen Auftrages primär verpflichtet, Unternehmer dabei zu unterstützen, ihrer Verantwortung für die Gesundheit der ihnen anvertrauten Arbeitnehmer gerecht zu werden. War das Mittel vergangener Jahre "Kontrolle", so sind heute praxisnahe Beratung und kundenorientierte Dienstleistung gefragt! Neue Aktivitäten und Handlungsfelder ergeben sich aus einer sorgfältigen Analyse der Unfälle und Berufskrankheiten. Die Technischen Aufsichtsbeamten sind dabei heute vorrangig Berater der Betriebe. Klar ist allerdings auch: Ein Mindestmaß an Kontrolle bleibt dennoch erforderlich. Belege für dieses neue Denken Ihrer StBG sind u. a. unser erfolgreiches "Unternehmermodell", das praxisorientierte Angebot zur Früherkennung von Berufskrankheiten durch Röntgen- und Audiomobile und nicht zuletzt unser Förderpreis Arbeit Sicherheit Gesundheit. Gerade vor kurzem, am 4. und 5. November, konnten wir auf der Fachmesse "A+A 99" in Düsseldorf mit mehr als 200 Teilnehmern aus den Betrieben feststellen, auf welch fruchtbare Resonanz solche neuen Wege treffen.Wohin aber soll die Reise im neuen Jahrtausend gehen? Trotz aller Erfolge bleibt festzuhalten: Noch immer erleiden zwölf von 100 Versicherten der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft in jedem Jahr einen Unfall am Arbeitsplatz. Obwohl dies glücklicherweise zumeist Bagatellunfälle sind, kann ein solches Ergebnis keinesfalls befriedigen. Die Unfallanalyse ergibt dabei folgendes Bild: Nur in den seltensten Fällen wird technisches Versagen als alleinige Unfallursache ermittelt. Meist spielt menschliches Versagen, also Defizite in der Organisation des Arbeitsschutzes im Betrieb oder falsches Verhalten, die entscheidende Rolle. Die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft hat deshalb auf der "A+A 99" das Projekt "Sicher mit System" vorgestellt und beschreitet damit wiederum Neuland. "Sicher mit System" ist speziell auf die Bedürfnisse kleiner und mittlerer Unternehmen zugeschnitten. Das Ziel ist, Arbeitssicherheit praxisnah zu organisieren. Wir sehen in diesem neuen Weg, Sicherheit systematisch in die Unternehmensführung einzu-binden, den entscheidenden Schritt für eine wei-tere Senkung der Unfallzahlen. "Sicher mit System"stellt im Verbund mit dem "Unternehmermodell", den Meisterseminaren und praxisorientierter Beratung das Schlüsselelement dar, welches Einzelmaßnahmen aufeinander abgestimmt sinnvoll zusammenfasst. "Sicher mit System" wird in Kürze in allen Unternehmerseminaren und in den Seminaren für Sicherheitsfachkräfte bzw. Meister sowie Führungskräfte vorgestellt.Schon heute aber appelliere ich an Sie: Gehen Sie diesen neuen systematischen Weg gemeinsam mit Ihrer Steinbruchs-Berufsgenossenschaft - wir werden nicht nur eine Erhöhung der Arbeitssicherheit und eine Verbesserung im Gesundheitsschutz erzielen, auch Wirtschaftlichkeit, Produktqualität und das Image der Steine und Erden-Industrie insgesamt werden davon profitieren.

Ihr Willi Lange





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