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[Die Industrie der Steine + Erden]






Schwimmender Eimerkettenbagger KS 160



Abb. 1: Schwimmend verlegte Bandstraße
Abb. 1: Schwimmend verlegte Bandstraße


Am 4. August 1999 stellte die Rohr & PS GmbH den neuen Eimerkettenbagger mit frequenzgeregeltem Turas-Antrieb und Sandaufbereitungsanlage (Abb. 2) im jetzt erschlossenen Abbaugebiet des Werkes Pfullendorf der Kies- und Schotterwerk Müller GmbH & Co., 88356 Ostrach, in einer besonderen Aktion für "Die Industrie der Steine und Erden" vor.

Abb. 2: Eimerkettenbagger KS 160
Abb. 2: Eimerkettenbagger KS 160


Dabei erklärte der Marketing-Verantwortliche von Rohr & PS, Herr Dziejak, dass von den Konstrukteuren des Baggerherstellers neben der optimalen Ausrüstung des Baggers für die Gewinnung von Kies und Sand, die Probleme der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes einen außerordentlich hohen Stellenwert besessen haben.

Das Mitgliedsunternehmen der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft zählt zu den ältesten Unternehmen der Kies- und Sandindustrie im südlichen Baden-Württemberg. Es wurde Anfang der dreißiger Jahre gegründet und ist nun seit mehr als sechs Jahrzehnten ein Familienbetrieb. In den Werken Ostrach und Pfullendorf wird im Naß- und Trockenabbau unter Einsatz modernster Technik ein breites Sortiment von Zuschlägen und Edelsplitten für alle Anwendungsbereiche in der Bauindustrie hergestellt. Das Werk Rosna ergänzt im Trockenabbau die Angebotspalette durch die Gewinnung quarzhaltiger Sande für die Zementindustrie.

Im Werk Pfullendorf war bis 1999 über einen Zeitraum von 29 Jahren hinweg ein "Preßair"-Druckluftbagger eingesetzt. Wie der Betriebsleiter der Müller GmbH, Herr Pietzsch, erklärte, war der Ersatz dieses Baggers unbedingt erforderlich, weil dessen Einrichtungen und Geräte nicht mehr für so geringe Kiesabbauhöhen geeignet sind, wie sie in dem neuen Abbaugebiet vorliegen. Der Auftrag für einen neuen Bagger war aber abhängig von einer erweiterten Abbaugenehmigung für das vorhandene Vorkommen. Nach zähen Verhandlungen wurde schließlich im Herbst 1998 von den zuständigen Behörden die Genehmigung für den Abbau einer Fläche von 18,5 ha erteilt, und unmittelbar danach wurde die Rohr & PS GmbH mit dem Bau des neuen schwimmenden Eimerkettenbaggers beauftragt. Im Sommer 1999 konnte dann der neue Bagger in Betrieb genommen werden.

Eimerkettenbagger sind für die Baggerung von Kies und Sand aus Flußläufen, Baggerseen oder Stauseen konzipiert. Üblicherweise wird mit dieser Gewinnungsmaschine eine Lagerstätte in Block- oder Einschnittbaggerung abgebaut. Hierzu wird die Eimerleiter mit der Förderkette auf die gewünschte oder maximale Baggersohle abgesenkt (Abb. 5) und mit der Vorauswinde in das Material gezogen.

Abb. 5: Abgesenkte Eimerkettenleiter
Abb. 5: Abgesenkte Eimerkettenleiter


So wird ein Einschnitt in Bugrichtung erzielt; die Einschnittlänge und Tiefe ist abhängig von der Materialbeschaffenheit und der Baggertiefe. Diese liegt im Kieswerk Pfullendorf derzeit bei ca. 20 m und kann bei Bedarf nachträglich auf 24 m erhöht werden.Für das Verholen des Baggers sind auf dem Deck vier elektrisch betriebene Verholwinden installiert, deren Gefahrstellen (die Auflaufstelle des Seiles auf die Winde) durch Schutzkästen abgesichert sind (Abb 4).



Abb. 4: Verholwinde mit Schutzeinrichtung
Abb. 4: Verholwinde mit Schutzeinrichtung


Die Seile dieser Winden sollten in einem Winkel von 45° zur Baggerlängsseite in Richtung des Ankers verlaufen, weil damit die optimale Verankerungsposition erreicht wird. Die optimale Schwimmlage des Gerätes wird mit dem Schwimmstabilitätsnachweis nach der geltenden Unfallverhütungsvorschrift der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft, VBG 40 a "Schwimmende Geräte in Baggerseen", dokumentiert.Der KS 160 ist bei einer Dichte des zu gewinnenden Materials von ca. 1,8 t/m3 für eine Nennleistung von 350 t/h ausgelegt. Für den Elektroantrieb des Eimerkettenbaggers ist eine Leistung von 110 kW installiert, von denen als Wellenleistung jedoch nur 55 kW benötigt werden.

Der Turas der Traktorkette wird von einem frequenzgeregelten Kurzschlußläufermotor angetrieben. Die Kette ist mit Bechern von 160 l Inhalt (Abb.3) bestückt. Der kardanische Antrieb des Oberturas und die Bremse sind vollständig gekapselt (Abb. 6), so dass niemand die hier vorhandenen Einzugstellen erreichen kann.

Abb. 6: Gekapselter Oberturas
Abb. 6: Gekapselter Oberturas


Der Eimerkettenbagger in Pfullendorf ist mit einer kompletten Kiesaufbereitungsanlage mit einer neu konzipierten Feinsandrückgewinnung ausgestattet. Das von der Eimerkette geförderte Material wird über eine Rutsche der Entwässerungs-Siebmaschine 5000 x 1800, die mit einem Polyurethan-Siebbelag versehen ist, aufgegeben (Abb. 7).

Abb. 6: Gekapselter Oberturas
Abb. 7: Entwässerungs-Siebmaschine,
Aquamotorband und Baggeraustragsband


Alle Antriebe und Wartungsstellen sind über gut begehbare Treppen und Wartungsbühnen problemlos zu erreichen. Gefahrstellen sind durch Abdeckungen entsprechend den Forderungen des Arbeitsschutzes gesichert.Der Siebdurchgang wird auf einem neuartigen Aquamotorband gesammelt. Von dieser Maschine werden die löslichen Bestandteile des Materials ausgetragen und in den See zurückgeleitet. Der verwertbare Sand erreicht über eine weitere Entwässerungs-Siebmaschine 2000 x 650 das Baggeraustragsband und wird dem von der ersten Siebmaschine kommenden Gut hinzugefügt. Somit werden alle nutzbaren Anteile der Lagerstätte dem See entnommen. Dieser patentierten Erfindung der Fa. Rohr & PS GmbH lag die Aufgabenstellung zugrunde, ein Verfahren zu entwickeln, welches gegenüber herkömmlichen Methoden einen geringeren Energiebedarf, geringere Verschleißkosten sowie ein geringeres Gewicht der Vorrichtung aufweist. Die Anlage arbeitet nach Aussage des Betreibers sehr effizient und störungsfrei.Der entwässerte Kies gelangt über das seitlich vollständig verkleidete Baggeraustragsband auf die Schwimmbandstraße (Abb. 1) und wird damit an Land gefördert. Vorbildlich sind hier die überhöhten Laufstege und Übergänge an den Föderbändern, die auch bei ungünstigen Witterungsbedingungen das sichere Begehen gewährleisten. Zum Schutz von Personen, die sich in der Anlage aufhalten, wurde eine laut tönende Anlaufwarneinrichtung installiert.



Abb. 8: Führerhaus des Eimerkettenbaggers
Abb. 8: Führerhaus des Eimerkettenbaggers


Aus dem vollklimatisiertem Führerhaus (Abb. 8) hat der Baggerfahrer einen guten Überblick über den gesamten Arbeitsbereich. Durch geräuscharme Elektroantriebe am Bagger und den in der Kabine integrierten Schallschutz ist der Schalldruckpegel im Inneren der Kabine so gering, dass auf persönliche Gehörschutzmittel verzichtet werden kann. Die Ausstattung mit einem komfortablen gefederten Drehstuhl und einer sehr übersichtlichen Tastatur gewährleistet ein ermüdungsfreies Arbeiten. Die massiven Blendläden aus Stahlblech bewirken zum einen den wirksamen Schutz vor Vandalismus und zum anderen dienen sie gleichzeitig als Sonnen- bzw. Regenschutz.Das Baggerpersonal wurde während der Inbetriebnahme mehrere Tage durch einen Inbetriebnahmeingenieur geschult und in die Abbauführung eingewiesen. Die vom Hersteller ausgearbeiteten Empfehlungen zur Beseitigung von Störungen und zur Arbeitssicherheit liegen auf dem Bagger aus, um jederzeit vorschriftsmäßig reagieren zu können.





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