www.steine-und-erden.net > 1998 > Ausgabe 6/98 > 1. Innovationsbörse Arbeit • Sicherheit • Gesundheit

[Die Industrie der Steine + Erden]




1. Innovationsbörse Arbeit • Sicherheit • Gesundheit

-- Ein neuer Dialog erfolgreich gestartet --

Dipl.-Ing. W. Pichl


Innovationsbörse



Am 24. und 25. September 1998 führte die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft gemeinsam mit der STEINAKADEMIE der Geoplan GmbH die Innovationsbörse Arbeit • Sicherheit • Gesundheit in Leipzig durch. Rund 100 Teilnehmer nahmen an dieser erstmals ausgerichteten Veranstaltung teil und waren sich in ihrer Einschätzung einig: Die Innovationsbörse bietet eine hervorragende Plattform, Neuerungen aus dem Bereich Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz zu präsentieren, deren Anwendungsmöglichkeiten zu diskutieren und Erfahrungen auszutauschen.

Dabei ist diese Veranstaltung quasi ein "Nebenprodukt" des von der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft ausgelobten Förderpreises. Bei der Bewertung der zum Förderpreis 1997 eingereichten Beiträge durch die Jury wurde nämlich sehr schnell deutlich, daß aufgrund der Qualität und des Innovationsgehaltes der eingereichten Arbeiten nicht nur die Beiträge der Preisträger sondern auch die einer Reihe weiterer Teilnehmer einem interessierten Fachpublikum präsentiert werden müssen.

Dr. Jösch

Dr. Jösch von der STEINAKADEMIE des Stein-Verlages
- Mitglied der Jury - erklärte sich spontan bereit,
eine Fachtagung zu konzipierieren, bei der den Beteiligten
des Förderpreises eine Plattform geboten werden sollte,
ihre Beiträge zu präsentieren und mit einem aufge-
schlossenen Fachpublikum zu diskutieren. So wurde unter
fachlicher Leitung der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft von der
Steinakademie der Geoplan GmbH die Innovationsbörse
Arbeit • Sicherheit • Gesundheit ins Leben gerufen und am
24./25. September 1998 in Leipzig durchgeführt.

In seiner Begrüßung rief der Vorstandsvorsitzende der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft, Gerd Allers, den Anlaß für diese Innovationsbörse in Erinnerung. Um Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz zu einem festen Bestandteil in der betrieblichen und öffentlichen Diskussion zu machen, um die Menschen für diese wichtigen Themen zu sensibilisieren und um Innovationen zu fördern, habe die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft den Förderpreis Arbeit · Sicherheit · Gesundheit ins Leben gerufen. Mit Bekanntgabe der Preisträger sei allerdings nur die erste Etappe bei der Realisierung des Gesamtkonzeptes zurückgelegt. Jetzt komme es darauf an, die vielen guten Ideen und Vorschläge einem breiten Publikum zugänglich zu machen und in einen dauerhaften Dialog mit allen im Arbeits- und Gesundheitsschutz Beteiligten einzutreten. Gerd Allers schloß seine Begrüßung mit dem Wunsch, daß die 1. Innovationsbörse in Leipzig von den Beteiligten als "Marktplatz der Möglichkeiten" verstanden werden möge, auf dem sich Ideen und Lösungen präsentieren.

Auch Dr. W. Jösch legte in seinem Grußwort mit der Aussage "Kommunikation wird bei dieser Tagung großgeschrieben" einen deutlichen Akzent auf einen intensiven Dialog aller im Arbeits- und Gesundheitsschutz Beteiligten. Auch ging er auf seine Erfahrungen bei Mitarbeit in der Förderpreisjury ein. Die dort geführten Diskussionen bis hin zur Auswahl der Preisträger seien außerordentlich spannend und interessant verlaufen. Der Innovationsgehalt der eingereichten Arbeiten habe alle Jurymitglieder überrascht. Dr. Jösch wünschte der 1. Innovationsbörse ebenso interessante wie spannende Vorträge sowie einen intensiven Meinungsaustausch.

Helmut Ehnes

Im Anschluß an die Begrüßung erläuterte der Leiter des Geschäftsbereiches Prävention, Helmut Ehnes, in seinem Grundsatzreferat "Neues Denken - Neue Wege" die Leitgedanken einer in die Zukunft ausgerichteten Präventionsarbeit. Dabei stellte Ehnes den Dienstleistungscharakter der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft in den Vordergrund seiner Ausführungen. Die Berufsgenossenschaft - so Ehnes - könne nicht die Verantwortung für sichere Arbeitsplätze übernehmen, denn dies sei die Aufgabe aller Menschen in den Betrieben. Die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft will vielmehr Motor und Initiator für Aktivitäten sein. Sie will die Menschen informieren und sensibilisieren und das Thema Arbeitssicherheit in die Familien tragen. Sowohl der Förderpreis als auch die Innovationsbörse sollen daher eine Plattform für den fruchtbaren Austausch aller Betroffenen bieten.

Bei der Auswahl der zu präsentierenden Beiträge hatten die Organisatoren die Qual der Wahl. Schließlich wurden aus den 125 eingereichten Förderpreisbeiträgen 17 Arbeiten herausgesucht, bei der die Veranstalter der Auffassung waren, daß diese auf ein breites Interesse bei dem Fachpublikum stoßen. Thematisch gegliedert ergaben sich so die Themenblöcke:


Auditorium

In jeden Themenblock wurde durch ein am Beginn vorgetragenes Grundsatzreferat eingeführt.



Themenblock 1: Sicherheitstechnik - aktuelle Entwicklungen

In seinem Grundsatzreferat ging Arthur Binkowski, Sicherheitsingenieur bei den Rheinischen Kalksteinwerken GmbH & Co. KG in Wülfrath, auf die Bedeutung der Sicherheitstechnik für eine erfolgreiche Unfallverhütung ein. Dabei machte er in seinen Ausführungen eindrucksvoll deutlich, daß erfolgreich praktizierter Arbeits- und Gesundheitsschutz einen wichtigen Beitrag zum wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens leistet. Binkowski untermauerte seine Aussagen mit einer Reihe von eindrucksvollen Zahlen und schloß seine Ausführungen mit dem Hinweis, daß konsequent betriebener Arbeits- und Gesundheitsschutz die Unternehmen nicht belastet, sondern ein Gebot der Stunde sei.

In den sich anschließenden Fachvorträgen zum Themenbereich Sicherheitstechnik wurde das ganze in der Steine und Erden-Industrie vorhandene Innovationspotential deutlich. So reichte die Themenpalette von Ladungssicherung in PKW und Kombi-Fahrzeugen über die Konstruktion sicherer Aufstiege zu Radladerkabinen, die sichere Beseitigung von Materialstauungen in Silos bis hin zur Sortierung von Baumischabfällen mittels Sortierroboter.


Diskussion

In der abschließenden sehr lebhaft geführten Diskussion wurde deutlich, daß eine wichtige Zielgruppe ihren Weg noch nicht zur Innovationsbörse nach Leipzig gefunden hat. Die Hersteller von Anlagen und Maschinen für die Steine und Erden-Industrie suchte man auf der Anmeldeliste leider vergeblich. Denn wiederholt wurde von den Teilnehmern die Fragen gestellt: "Wo kann ich die hier vorgestellte Neuentwicklung kaufen?", "Besteht von seiten der Hersteller Interesse an der Übernahme der Ideen in ihre Angebotspalette?". Die Diskussion war also geprägt durch einen ausführlichen Meinungsaustausch auf Anwenderseite. Dabei wurde allerdings mit Kritik an die Hersteller nicht gespart. Hatten doch einige in der Vergangenheit überhaupt nicht oder nur sehr verhalten auf Verbesserungsvorschläge der Anwender reagiert.



Themenblock 2: Gesundheitsschutz - Ansätze, Lösungen, Ergebnisse

Im Themenblock 2 "Gesundheitsschutz - Ansätze, Lösungen, Ergebnisse" wurden schwerpunktmäßig Beiträge zu den Bereichen "Lärmminderung" und "Staubbekämpfung" präsentiert. Das Thema wurde wiederum mit einem Grundsatzreferat eingeleitet. Wolfgang Pichl von der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft beleuchtete dabei die positiven Effekte, die ein aktiv betriebener Gesundheitsschutz Unternehmern und Berufsgenossenschaft bietet. In den Unternehmen seien es insbesondere die krankheitsbedingten Ausfalltage, die durch eine konsequent betriebene Verhaltens- und Verhältnisprävention ein großes Einsparpotential beinhalten. Die Berufsgenossenschaften wiederum können durch das Instrumentarium der arbeitsmedizinischen Vorsorge gemeinsam mit den Unternehmen das Berufskrankheitengeschehen günstig beeinflussen und zu Kosteneinsparungen gelangen.

In den sich daran anschließenden Vorträgen drehte sich zunächst alles um die Lärmminderung bei der Herstellung von Betonfertigteilen. Dabei standen Maßnahmen des primären Schallschutzes im Vordergrund der Betrachtung. Die Referenten konnten hier auf beeindruckende Erfolge verweisen. So wurden in zwei Fällen bei der Verdichtung von großflächigen Betonfertigteilen die Lärmpegel auf deutlich unter 85 dB(A) gesenkt.

Auch die Erfolge von akribisch ausgeführten sekundären Schallschutzmaßnahmen können sich sehen lassen. In ebenfalls zwei Vorträgen war das Objekt der Optimierung ein Bodenfertiger. Dabei wurden durch eine entsprechende Gestaltung der Hallenwände und Installation einer mobilen Schalldämmhaube deutliche Pegelreduzierungen erreicht.

Schließlich berichtete ein Hersteller über erfolgreich ausgeführte Lärmminderungsmaßnahmen an einer mobilen Bauschuttrecyclinganlage. Dabei wurden niedrige Lärmwerte sowohl durch konstruktive Maßnahmen als auch durch das Anbringen von Schalldämmaterial erzielt.

Der zweite Teil des Themenblockes "Gesundheitsschutz" war der Präsentation von Maßnahmen zur Reduzierung der Staubbelastung bei der Verarbeitung von Steine und Erden-Produkten vorbehalten.

In zwei Beiträgen wurde über die Durchführung von technischen Maßnahmen berichtet, bei denen die Quarzfeinstaubbelastung bei der Produktion von Quarzsand, sowie die Feinstaubbelastung bei der Herstellung von Kalk deutlich gesenkt wurden.

Schließlich wurde in einem weiteren Beitrag auf die aktuelle Diskussion bzgl. der zukünftigen Einstufung von Quarz und die damit einhergehende Absenkung der Feinstaubgrenzwerte eingegangen. In der sich daran anschließenden Diskussion nahm insbesondere dieser Themenbereich einen breiten Raum ein. Dies ist auch nicht verwunderlich, stellt die mögliche Einstufung von Quarzfeinstaub und die Reduzierung der Staubgrenzwerte alle Beteiligten vor große Herausforderungen.



Themenblock 3: Unternehmensziel - Sicherheitsmanagement

Erfolgreich praktizierter Arbeits- und Gesundheitsschutz definiert sich nicht nur über Maßnahmen der Sicherheitstechnik. Hier spielen auch organisatorische und bewußtseinsbildende Maßnahmen eine sehr große Rolle. Die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft war daher positiv überrascht, daß sich eine stattliche Anzahl der zum Förderpreis 1997 Arbeit · Sicherheit · Gesundheit eingereichten Beiträgen mit organisatorischen und bewußtseinsbildenden Maßnahmen bis hin zur Einführung von Managementsystemen beschäftigte.

In seinem Grundsatzreferat ging Dr. Gardeik von der Dyckerhoff Zement GmbH, Wiesbaden, auf die Bedeutung solcher Managementsysteme ein. Durch die Formulierung und Vereinbarung von entsprechenden Leitlinien zum Arbeits- und Gesundheitsschutz unter gleichzeitiger Einbeziehung aller Mitarbeiter wird es gelingen, Arbeits- und Gesundheitsschutz als integralen Bestandteil des täglichen Handelns zu begreifen, was schließlich mittelfristig zu einer deutlichen Reduzierung der unfall- und krankheitsbedingten Ausfalltage führt.

In dem sich daran anschließenden Beitrag wurde ein integriertes Arbeits- und Gesundheitsschutzsystem eines Großunternehmens vorgestellt. Durch konzeptionell aufeinander abgestimmte Maßnahmen wurde eine Reduzierung von Arbeitsunfällen, arbeitsbedingten Erkrankungen, arbeitsbedingten sowie persönlich bedingten Gesundheitsgefährdungen erreicht. Dabei wurde deutlich, daß eine umfassende interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Betriebskrankenkasse wesentlich zum Erfolg der Aktion beigetragen hat. Auf die Bedeutung von konsequent durchgeführten Unterweisungen wurde in einem anderen Beitrag hingewiesen. In einem Unternehmen mit einer großen Anzahl von dezentralen Betriebsstellen wurde eine Unterweisungssystematik entwickelt und in die Praxis umgesetzt, die die verantwortlichen Personen vor Ort in die Lage versetzt, ihren gesetzlichen Vorschriften in vollem Umfang gerecht zu werden. In einem aus Großbritannien stammenden Beitrag wurde ein Managementsystem "Arbeitssicherheit und Gesundheit" vorgestellt. Dieses Managementsystem wurde von einem großen Unternehmen aus der Steine und Erden-Industrie entwickelt. Die Notwendigkeit für die Einführung eines solchen Systems wurde von der Geschäftsleitung darin gesehen, für alle Unternehmenszweige und Tochterunternehmen ein einheitliches Verfahren bei der Durchführung und Bewertung der innerbetrieblichen Sicherheitsarbeit zu erhalten.

Dr. Rother

In seinem Schlußwort dankte Dr. Rother von der Generaldirektion V der Europäischen Kommission - Beschäftigung, Arbeitsbeziehung und soziale Angelegenheiten, Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz -, allen Referenten für ihre engagiert vorgetragenen Beiträge. Mit dieser Veranstaltung sei das Konzept des Förderpreises der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft erneut aufgegangen. In der Praxis entwickelte Innovationen wurden mit einem Fachpublikum diskutiert und auf ihre Übertragbarkeit in andere Bereiche analysiert. Darüber hinaus wurde ein weiterer Schritt in die Richtung getan, die Themen Arbeit, Sicherheit und Gesundheit zu einem integralen Bestandteil des Arbeitslebens werden zu lassen. Abschließend dankte er der STEINAKADEMIE der Geoplan GmbH und der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft, für diese gelungene Veranstaltung und gab seiner Hoffnung Ausdruck, daß auch 1999 eine Innovationsbörse durchgeführt werden möge, die dann aus einem ebenfalls reichlichen Fundus von Beiträgen des Förderpreises 1998 Arbeit · Sicherheit · Gesundheit ihre Themen schöpft.

In der Zwischenzeit hat die Selbstverwaltung der StBG die Durchführung einer zweiten Innovationsbörse für 1999 beschlossen. Dabei wurden auch Überlegungen angestellt, die Teilnahmemöglichkeiten für Unternehmer, Beschäftigte und Hersteller noch zu verbessern.


Meinungsaustausch

Anschrift des Verfassers:

Steinbruchs-Berufsgenossenschaft, Theodor-Heuss-Str. 160, 30853 Langenhagen





Inhaltsverzeichnis Ausgabe 6/98 | Zurück zu unserer Homepage