Technik

Serviceeinsatz im Zementwerk Burglengenfeld

Millimeterarbeit: Großradtausch in nur acht Stunden

Mit einem Durchmesser von 3,8 m und einer Länge von 14,1 m nimmt die rund 50 Jahre alte Krupp-Zweikammer-Rohrmühle im Zementwerk Burglengenfeld einen beachtlichen Teil der Mühlenhalle ein. Die Halle hat sich im Laufe der Jahre baulich stark verändert – eine Herausforderung für das mit den Reparatur- und Wartungsarbeiten an der Zementmühle beauftragte Unternehmen Keller.

Der Platzmangel erforderte eine millimetergenaue Positionierung von Mobil-Montagekränen.

Da allerdings die Tragkraft des Hallenbodens dem Kraneinsatz nicht gewachsen war, musste der Hallenkeller zudem mit Streben aus 20 t Stahl verstärkt werden. Das Fehlen detaillierter Zeichnungsunterlagen zum Getriebe erschwerte die Servicearbeiten zusätzlich. Dank eines genau erarbeiteten Ablaufplans und der langjährigen, konstruktiven Erfahrungen des Experten konnten die Reparaturen dennoch innerhalb eines Zeitfensters von drei Wochen erfolgreich durchgeführt werden. Laut Zementwerk Burglengenfeld sollten alle alten Mühlenzentralantriebe aus den 60er Jahren baugleich sein: einstufige Summen-Stirnradgetriebe mit zwei Planeten-Vorschaltgetrieben nach dem Stoeckicht-Prinzip mit einem Leistungsbedarf P = 2 x 1.250kW. Detaillierte Unterlagen zum Getriebe lagen jedoch in der Projektphase nicht vor, lediglich Zeichnungen eines ähnlichen Getriebes aus einem anderen Zementwerk des Verbundnetzwerks. Ein Vergleich der vorhandenen Zeichnungen mit einer aktuellen Vermessung des zu revidierenden Summengetriebes zeigte, dass über die Jahre an den Summengetrieben im Firmenverbund kleinere und größere Modifikationen vom Ursprungshersteller eingebracht wurden, die jedoch nicht dokumentiert worden waren. Problematisch war auch, dass die Platz- und Hebemöglichkeiten eingeschränkt und die Statik der Hallenböden für einen Kraneinsatz zu unsicher waren. Der Hallenkeller wurde deshalb noch vor Beginn der eigentlichen Arbeiten wie beschrieben mit Stahlstreben verstärkt und die millimetergenaue Positionierung der Mobil-Montagekräne geplant.

Krupp-Zweikammer-Rohrmühle
Die Krupp-Zweikammer-Rohrmühle mit einem Leistungsbedarf von PMühle = 2.400 kW und einem Blaine-Wert von 4.100 – 5.100 cm²/g ist seit über 50 Jahren im Einsatz.

Demontage, Überarbeitung und Montage in lediglich drei Wochen

Die konstruktive Lösung, für die man sich bei Keller entschied, sollte einen einfachen Ringtausch in den Werken ermöglichen. Dazu wurden Großrad und Flanschwelle, welche ursprünglich als ein Bauteil ausgeführt waren, voneinander getrennt, was den Vorteil hatte, dass das Schweißrad (dk=3.200 mm) und die Flanschwelle bis zu den letzten Fertigungsprozessen separat bearbeitet und erst im letzten Schritt über eine Schrumpfmontage miteinander gefügt wurden. In Zukunft lässt sich das Großrad über einen ölhydraulischen Pressverband jederzeit wieder von der Flanschwelle lösen. Das Verzahnungsprofil und die -geometrie wurden dabei nach dem neuesten Stand der Technik auf eine Qualität von 5 nach DIN verbessert, was eine größere Verzahnungssicherheit und damit eine erhöhte Laufruhe zur Folge hatte. Eine große Bedeutung kam auch der Logistik rund um die beiden Pfeilritzelwellen zu, die nach den alten Bohrbildern gefertigt und anschließend mit den alten Stoeckicht-Planetenstufen verbolzt werden mussten. Das dynamische Wuchten der montierten Baugruppe konnte dabei entfallen. Das Summengetriebe und die Planetenstufen wurden vor Ort demontiert, zeitgleich wurde die Abtriebskupplung überprüft. Die Kupplungshülse diente, wie zuvor die alten Pfeilritzelwellen, als Schablone für die Flanschverbindung der Abtriebswelle. Die neuen Passbohrungen in der Abtriebswelle wurden exakt mit den gleichen Schränkungen der alten Bohrungen eingebracht. Die Teilmontage wurde bereits im Stammwerk durch Fachleute durchgeführt.

Test bestanden

Die genaue Vorplanung ermöglichte es, das alte gegen das neue Großrad in der engen Montagehalle in nur acht Stunden auszutauschen. Bei der Endmontage der vormontierten Pfeilritzelwellen mit Gleitlagern und Planetenstufen sowie der Abtriebskupplung mit einem neuen Dichtungssystem übernahm der Richtmeister von Keller das Ausrichten der beiden Antriebsstränge mit Mittelspannungsmotoren. Die sechsstündige Volllastprüfung der Mühle unter Regelbedingungen ergab keine Beanstandungen. Das Schwingungsverhalten sowie die Laufruhe des Summengetriebes wurden durch die von Keller durchgeführten Maßnahmen bedeutend verbessert und übertrafen sogar die Vorgaben des Zementwerks.

Mobil-Montagekräne
Wegen des engen Raums über dem Getriebe mussten die Mobil-Montagekräne auf den Millimeter genau positioniert werden. // Fotos: Keller GmbH
 
Weitere Informationen