Arbeitssicherheit

Ergebnisse der ersten BG-RCI-Mitgliederbefragung liegen vor

Stark gewünscht: Noch mehr Qualifizierungsangebote im Arbeitsschutz

Alle Tabellen und Abbildungen finden Sie in der PDF-Version dieses Artikels.

Insgesamt haben sich 1.593 Personen an der Befragung beteiligt. Die Betriebe, die teilgenommen haben, verteilen sich zu 76 Prozent auf die BG RCI-Präventionssparte „Chemie – Papier – Zucker“, zu 17 Prozent auf den Bereich „Rohstoffe – Baustoffe“ und zu 7 Prozent auf die Sparte „Handwerk“. Die Beteiligung war unter den Betrieben mit höheren Beschäftigtenzahlen größer als bei kleineren Unternehmen (Tab. 1).

Hinsichtlich ihrer Funktion im Betrieb verteilen sich die Antwortenden auf die Geschäftsführung/Unternehmensleitung (16 %), auf Fachkräfte für Arbeitssicherheit (26 %), auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (35 %) und auf Sicherheitsbeauftragte (29 %). Andere Funktionsebenen sind zu deutlich geringeren Anteilen vertreten.

Mann und Frau; beide lächeln und strecken den Daumen hoch
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BG RCI-Präventionsangebote sind vielfach bekannt

In einem umfangreichen Abschnitt des Fragebogens ging es um die Bekanntheit und die Nutzung der Präventionsangebote der Berufsgenossenschaft. Dabei zeigt sich, dass alle Produkte bei mehr als der Hälfte der Befragten bekannt sind (Abb. 1). Am bekanntesten sind die Qualifizierungsangebote, die Printmedien und die elektronischen Medien. Weniger bekannt sind das Aktionsmedienangebot sowie die Verkehrssicherheitstrainings. Etwa drei Viertel der Befragten geben an, die Messeauftritte der BG RCI zu kennen sowie die Angebote zum Arbeitsschutzmanagement.

Auch bei der Nutzung der Angebote stehen die Printmedien, die Qualifizierungsangebote sowie die elektronischen Medien mit Häufigkeiten von über 70 Prozent oben an. Andere Präventionsangebote werden von weniger als 50 Prozent der Befragten genutzt (Abb. 2). Die niedrigste Nutzungshäufigkeit wurde für die Verkehrssicherheitstrainings und den Förderpreis ermittelt, mit dem allerdings auch besondere Anforderungen hinsichtlich der Teilnahme verbunden sind.

Das Beratungsangebot für kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) ist, je nach Betriebsgröße, in unterschiedlichem Ausmaß bekannt und wird auch unterschiedlich häufig genutzt. Bis zu einer Betriebsgröße von 250 Beschäftigten sind, wie zu erwarten, Bekanntheit wie auch die Nutzung stärker ausgeprägt (Abb. 3).

Bedarfsgerecht, praxistauglich und aktuell

In einem weiteren Abschnitt der Befragung wurden die Präventionsangebote für KMU auf einer Skala von „1 – trifft völlig zu“ bis „5 – trifft überhaupt nicht zu“ danach bewertet, inwieweit sie bei der Arbeitsschutzpraxis im Betrieb bereits weitergeholfen haben. Eine deutlich positive Bewertung erhalten auch hier die Qualifizierungsangebote mit einer Zustimmung von 84 Prozent, die Printmedien mit 77 Prozent und die elektronischen Medien mit 73 Prozent.

Die differenzierte Betrachtung nach Betriebsgröße bestätigt, dass die Befragten aus Kleinbetrieben das Beratungsangebot für KMU deutlich positiver bewerten als die größeren Betriebe (Abb. 4).

Die allgemeine Bewertung der Präventionsangebote der BG RCI hinsichtlich verschiedener Faktoren wie „bedarfsgerecht“ oder „für KMU umsetzbar“ zeigt Abb. 5>. Danach ist die Einschätzung durch die Befragten sehr positiv. So wurden die Angebote von bis zu 90 Prozent der Befragten als bedarfsgerecht, praxistauglich, zeitgemäß und aktuell eingeschätzt. Etwas geringer wird die Umsetzbarkeit für kleine und mittlere Unternehmen bewertet. Hier liegt die Zustimmung bei etwas über 70 Prozent.

Die Präventionsarbeit der BG RCI insgesamt erhält – nach Schulnoten bewertet – von den Befragten die Note 2,3. Befragte aus unterschiedlichen Betriebsgrößen unterscheiden sich dabei kaum (Abb. 6).

„Psychische Belastungen“ sind ein stark nachgefragtes Thema

Was die Bedeutung bestimmter Themen betrifft, bezeichnen etwa zwei Drittel der Befragten „Psychische Belastungen“ als „ziemlich bis sehr bedeutend“. Rund drei Viertel schätzen die Bedeutung des Themas „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ als hoch ein, und 84 Prozent finden das Thema „Arbeitsschutzmanagement“ ziemlich bis sehr bedeutend. Das Interesse an diesen drei Themen ist in allen Betriebsgrößenklassen hoch, allerdings steigt die Bedeutsamkeit jeweils mit der Betriebsgröße.

Nach qualitativer Datenanalyse und Clusterung der Aussagen auf die Frage, zu welchen Themen sich die Befragten mehr Information und Beratung wünschen, ergibt sich ein differenziertes Bild (Abb. 7). Am häufigsten wurde auch hier das Thema „Psychische Belastung“ genannt, gefolgt von „Gesundheit im Betrieb“ und „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ sowie „Gefahrstoffe/Biologische Arbeitsstoffe“.

Kompetenz des BG RCI-Aufsichtsdiensts erfährt überaus positive Bewertung

Die Fragen zum Aufsichtsdienst der BG RCI ergaben, dass zwei Dritteln der Befragten die für den Betrieb jeweils zuständige BG RCI-Aufsichtsperson bekannt ist. Dabei zeigen sich Unterschiede in den BG RCI-Präventionssparten, wobei für den Bereich „Rohstoffe – Baustoffe“ mit 85 Prozent eine besonders hohe Bekanntheit angegeben wird. In den Sparten „Chemie – Papier – Zucker“ und „Handwerk“ geben jeweils mehr als die Hälfte an, die zuständigen Aufsichtspersonen zu kennen (Abb. 8).

Wie Abb. 9 zeigt, wird der Aufsichtsdienst von etwas mehr als der Hälfte der Befragten „eher als Kontrolle“ empfunden.6 Prozent empfinden ihn als „eher beratend“ und 11 Prozent als „sowohl beratend als auch kontrollierend“. 29 Prozent geben an, diese Frage nicht beurteilen zu können.

Was die Einschätzung der Servicequalität der BG RCI betrifft, stimmen 78 Prozent der Befragten der Aussage zu, Anliegen würden zügig bearbeitet. 73 Prozent bestätigen eine schnelle Erreichbarkeit. Sehr viele der Befragten schätzen die Kompetenz (94 %) und Freundlichkeit der Ansprechpersonen (96 %) als positiv ein (Abb. 10).

„Vision Zero“ schon gut bekannt

Die neue BG RCI-Präventionsstrategie „Vision Zero“ ist zwei Dritteln der Befragten bekannt. Knapp 20 Prozent glauben, davon gehört zu haben, sind sich aber nicht sicher. 15 Prozent sagen, dass ihnen die Präventionsstrategie bisher nicht bekannt war.

Bekanntheit hat „Vision Zero“ vor allem durch das BG RCI.magazin erlangt, wie 62 Prozent der Befragten angeben. Etwa ein Viertel gibt an, „Vision Zero“ durch die jeweilige Fachkraft für Arbeitssicherheit zu kennen. 21 Prozent sind über die BG RCI- oder „Vision Zero“-Webseiten aufmerksam geworden oder durch andere Medien. Antworten zu einer offenen Frage ergaben, dass „Vision Zero“ auch über Seminare, die Veranstaltung „protecT“ sowie über Aufsichtspersonen Bekanntheit erlangt hat.

Starker Wunsch nach noch mehr Qualifizierungsangeboten im Arbeitsschutz

Mit zwei offenen Fragen wurde nach Wünschen, Verbesserungsvorschlägen und Unterstützungsbedarf gefragt. Hier wurden zahlreiche Nennungen ermittelt, die qualitativ ausgewertet und zu großen Themenblöcken zusammengefasst wurden. Zu welchen Themen Wünsche und Verbesserungsvorschläge geäußert wurden, zeigt Abb. 11.

Die meisten Nennungen liegen ebenfalls im Bereich der Qualifizierung. Konkrete Aussagen hierzu sind beispielsweise:

Bei der Frage nach weiteren Unterstützungsangeboten wurde ebenfalls häufig die Qualifizierung angesprochen. Aber es gab auch Aussagen zum Themenkomplex „Medien“ und zur „Präsenz im Betrieb“. Auch hier deuten zahlreiche Aussagen auf eine allgemeine Zufriedenheit (Stichwort „alles gut“; Abb. 12).

BG RCI soll ihr Angebot noch stärker bekannt machen

Die BG RCI ist mit unterschiedlichen Präventionsangeboten und -leistungen in den Betrieben bekannt. Am besten bekannt und auch von den Betrieben genutzt sind die Qualifizierungsangebote sowie die Print- und digitalen Medien. Weitere Angebote wie Messen, Veranstaltungen und Arbeitsschutzmanagement liegen im mittleren Bereich der Bekanntheit. Darüber hinaus gibt es Angebote, die zwar bekannt sind, aber wenig genutzt werden, daneben solche, die insgesamt wenig bekannt sind und auch wenig genutzt werden, wie das Verkehrssicherheitstraining. Ansatzpunkte zur Weiterentwicklung liegen in der Bekanntmachung der Angebotspalette über das Qualifizierungsangebot und die Medien. Wenig genutzte Angebote, die mittelmäßig bewertet werden, sind auf ihr Entwicklungspotenzial zu überprüfen.

Die allgemeine Bewertung der Präventionsangebote mit „bedarfsgerecht“, „zeitgemäß“ ist mit der Gesamtnote „gut“ deutlich positiv.

Hinsichtlich der bedeutenden und interessierenden Themen zeigt sich ein Schwerpunkt bei den Themen „Psychische Belastungen“ und „Gesundheit im Betrieb/Gesundheitsmanagement“. Die Nachfrage geht damit deutlich über die „klassischen“ Themen des Arbeitsschutzes hinaus und zeigt ein modernes Verständnis von Sicherheit und Gesundheit im Betrieb.

Zwei Dritteln der befragten Betriebe ist ihre zuständige Aufsichtsperson bekannt. Antworten auf die offene Frage hierzu zeigen den Wunsch nach mehr Präsenz der Berufsgenossenschaft im Betrieb. Die Wahrnehmung des Aufsichtsdienstes als kontrollierend überwiegt allerdings noch an verschiedenen Stellen.

„Vision Zero“ scheint bei vielen Betrieben bereits recht gut bekannt, was auch durch weitere Befragungen weiter gestärkt werden kann. Befragungen geben eine Rückmeldung über das Handeln als Berufsgenossenschaft und ermöglichen es, die Zielrichtung der Arbeit zu überprüfen und, wo nötig, zu verbessern. Der BG RCI ermöglichen sie einen Abgleich von Selbst- und Fremdbild und schaffen somit eine Grundlage für die Strategie der nächsten Jahre. Die Befragungen tragen auch dazu bei, die Kundenorientierung bei den BG RCI-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weiterzuentwickeln und sie nach außen sichtbar zu machen.

Dr. Annekatrin Wetzstein

IAG, Dresden

Hintergrund

Befragungen der Mitgliedsunternehmen sind ein wichtiger Baustein auch der neuen BG RCI-Präventionsstrategie „Vision Zero. Null Unfälle – gesund arbeiten!“ Die Berufsgenossenschaft möchte ihren Mitgliedsunternehmen gerade mit Blick auf die Präventionsarbeit auch künftig nützliche, praxisorientierte und qualitativ hochwertige Leistungen anbieten und zudem das Angebotsspektrum weiter verbessern. Dazu ist es erforderlich, das Angebot konsequent an den Wünschen und Bedürfnissen der Unternehmen und Betriebe auszurichten.

Eine „Kundenbefragung“ hilft, die Wünsche und Erwartungen systematisch und wiederholt zu erfassen. Die Befragungsergebnisse lassen eine Einschätzung der Zufriedenheit mit dem Präventionsangebot zu und ermöglichen das Aufspüren von Optimierungsmöglichkeiten und entwicklungsfähigen Themen und Produkten.

Mit der Durchführung der Befragung hat die BG RCI das Institut für Arbeit und Gesundheit (IAG) der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung beauftragt.


Methodisches Vorgehen

Die Befragung erfolgte in Form eines Fragebogens, der über das BG RCI.magazin sowie die Bildungszentren der Berufsgenossenschaft verteilt wurde. Zudem bestand die Möglichkeit, auch online teilzunehmen. Die Befragung erfolgte zwischen Februar und April 2016.

Der Fragebogen bestand aus acht Abschnitten. Im ersten Teil wurden allgemeine Fragen zum antwortenden Betrieb gestellt. Der zweite Teil beschäftigte sich mit der Bekanntheit und Nutzung der Präventionsangebote und -leistungen der BG RCI, der dritte mit deren Bewertung. In den weiteren Teilen ging es um spezifische Themen im Arbeitsschutz, um den Aufsichtsdienst der BG RCI, um die Präventionsstrategie „Vision Zero“, um den Service, den die BG RCI bietet, sowie abschließend um Wünsche und Verbesserungen, die sich an die BG RCI richten.


 
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