Technik

Trucks mit Schutzbelüftung in der Untertageverwertung

550 Meter unter Null

Atemluftversorgungssysteme des Krefelder Unternehmens Hauser Umwelt-Service versehen seit mehr als 20 Jahren ihren Dienst in Fahrzeugen und Baumaschinen. Sie sind dabei oft in extremen Arbeitsbereichen im Einsatz - immer aber in Situationen, in denen die Fahrer von Fahrzeugen sicher vor schadstoffbelasteter Luft geschützt werden müssen. Außergewöhnliche Arbeitsorte, wie das esco-Steinsalzbergwerk in Bernburg, stellen hohe Ansprüche an die Schutzbelüftung.

Salzgewinnung mit einem Großfahrlader
Salzgewinnung mit einem Großfahrlader (Foto: K+ S AG / esco Gmbh & Co. KG)

Unzählige und zum Teil niedrige Strecken, wenige Tore und vereinzelte Tankstationen für den Fahrbetrieb prägen das Gesicht der Untertagewelt. Ein Orientierungssystem fehlt: „Wer hier unten arbeitet, kennt seinen Weg, wer neu ist, lernt ihn in kurzer Zeit“, so kommentiert Volker Grzeschuchna, Leiter der Maschinen- und Elektrotechnik unter Tage. Das eigentliche Salzabbaugebiet ist von der Untertage-Verwertung durch Tore getrennt. „Diese Abschottung ist für die hohe Reinheit des Rohsalzes wichtig“, so Grzeschuchna. Die Wege hinter den Toren sind zugleich die Arbeitsstraßen der Untertage-Verwertung – und die Luft geprägt vom Ammoniak, der von den Bergbauversatzstoffen verursacht wird. Die Fahrzeuge befördern aber nicht nur Minerale, sondern auch Kraftstoff, Ersatzteile bis hin zum Sprengstoff. Sie sind das einzige Bindeglied der unterirdischen Versorgungskette. Zwei komplett ausgerüstete Reparatur- und Servicewerkstätten versorgen als Home-Base alles Fahrbare. Hier werden auch alle Fahrzeuge geprüft und für den täglichen Einsatz fit gemacht. Mit Hauser-Schutzbelüftung ausgestattete Trucks sind das Herzstück dieser Untertageverwertung: Dabei werden die abgebauten, kathedralartigen Kammern mit Reststoffen, wie Aushub, Bauschutt und anderen mineralischen Stoffen verfüllt. Die Befüllung der nicht mehr genutzten Kammern schafft, neben den bestehenden Salzpfeilern, eine zusätzliche Sicherheit vor größeren Absenkungen.

Giganten über 150 Kilometer Streckennetz

Die Trucks von MAN sind die neuen Herrscher im unterirdischen Tunnelsystem, das extra für ihre Bedürfnisse stellenweise spiegelglatt abgetragen worden ist. Nie zuvor sind Lkw mit einem Tempo von 50 Stundenkilometern so tief unter der Erde unterwegs gewesen. 360 Pferdestärken stecken allein in jedem Euro-6-Truck. Für den 550 Meter tiefen Abstieg mussten sämtliche Fahrzeuge zunächst einen Rückbau über sich ergehen lassen. Der Auf- und Abbau der Trucks lag in den Händen von Gress + Zapp. Mehr als eine Woche dauerte allein der Abbau und das Verpacken. Acht Fahrzeuge hatte esco bei diesem Unternehmen bestellt, fünf davon sind schon seit 2014 unter Tage im Einsatz. Neben dem einen EURO-5-Truck und den vier EURO-6-Trucks von MAN mit Fliegl-Abschiebekippaufbau gehören zum Auftrag auch zwei MAN-TGS Dreiachser mit Absetzrollen (Containertransport) und ein 18 Tonnen-Lader mit einer Skylift-Hebearbeitsbühne.

Montage unter extremen Bedingungen

Was Uwe Müller, Betriebsleiter bei Gress + Zapp, und seine Kollegen nach unten schickten, musste zuerst oben auf den Prüfstand, wurde umgebaut und dann wieder demontiert. „Die Teile der Trucks sind mit dem Lastenaufzug in der 550 Meter tiefen Schachtröhre nach unten befördert worden. Ein Tieflader nahm die Truckteile in Empfang, transportierte sie in die Werkstatt unter Tage, wo Fahrgestell, Fahrerkabine, Aufbauten und Antriebssysteme wieder montiert wurden. Da unten, das ist schon eine faszinierende, aber herausfordernde Parallelwelt“, fasst Müller zusammen. „Das Schutzbelüftungssystem für die Fahrerkabinen ist von den Hauser-Leuten schon über Tage integriert worden. Wir haben abschließend die Verbindung mit dem elektrischen System des Fahrzeugs hergestellt. Das alles und die ersten Praxistests verliefen völlig problemlos“, so Uwe Müller.

Die Arbeitswege der MAN-Trucks führen durch niedrige Strecken und extreme Staubbelastungsbereiche, wie z.B. in der Nähe der Abbaustellen und der Untertage-Verwertung. Die Filtertechnologie muss den wechselnden Arbeitsbedingungen in 550 Meter Tiefe jederzeit gewachsen sein.

Das Streckenlabyrinth unter Tage.
Das Streckenlabyrinth unter Tage.

Staubschutz für den Fahrzeugführer

In den MAN-Fahrzeugen steckt ein für den Einsatzort optimiertes CoRRect air ALVA Schutzbelüftungssystem des Unternehmens Hauser Umwelt-Service. Es ist langlebig und bietet einen zuverlässigen Schutz gegen Staub und gasförmige Schadstoffe, welche die Gesundheit gefährden. Die Fahrzeuge und Transportwege unter Tage machen eine leistungsstarke Atemluftversorgung mit wirksamem Partikelschutz erforderlich. Carsten Plänker, Betriebsleiter bei Hauser Umwelt Service: „Die Produkte sind seit mehr als 20 Jahren in extremen Arbeitsbereichen, wie stark staubhaltige Luft oder kontaminierte Böden, im Einsatz. Der zuverlässige Schutz gegen gesundheitsgefährdenden Staub und Ammoniak ist deshalb für die 4-stufige Filterung der CoRRect air kein Problem: Die Filterstufen von Zyklon über G4 bis zu H13 und nachgeschalteten HLAS Hochleistungsgasfilter schützen wirksam vor diesen gesundheitsbelastenden Stoffen. Grobe Feststoffe werden über den Zyklon ausgeschieden. Der nachfolgende Grobstaubfilter filtert den Staub aus der Luft. Durch den HEPA-Feinststaubfilter H13 mit einem mittleren Fraktionsabscheidegrad von 99,97% werden auch kleinste, schädliche Restpartikel, so genannte lungengängige Stäube, aus der Umgebungsluft entfernt.“ Diese Schutzstufe basiert auf qualitativ anspruchsvollen, nassgelegten Glasfasermedien. Ein 4-stufiges Gebläse garantiert die kontinuierliche Leistung der Anlage, die für eine Luftmenge von 20 bis 100 Kubikmetern pro Stunde ausgelegt ist. Die Schutzbelüftung CoRRect air ist nahezu wartungsfrei und entspricht vollumfänglich den in den esco-Arbeitsbereichen geltenden, hohen Anforderungen.

Eine Steuerung für den optimalen Kabinendruck

Die CoRRect air C84 Basis-Steuerung ist im Lieferumfang enthalten. Sie reguliert die Luftfördermenge in der Fahrer-

kabine. Die C84 Basis-Steuerung ist zugleich die optimale Druckkontrolle: Bei einem Druckspektrum von minimal 20 bis 300 Pascal kontrolliert sie die Filterleistung und meldet etwaige Abweichungen vom vorprogrammierten Druckwert oder auch einen notwendigen Filterwechsel. Das Filteraufnahmefach ist leicht zugänglich, und der Filterwechsel kann so vom Fahrer selbst ausgeführt werden. Die C84-Steuerung überwacht den Betrieb der Anlage, der nur mit eingelegten Filtern möglich ist. Akustische und optische Warnsignale helfen dem Fahrer, Abweichungen frühzeitig zu erkennen.

Radlader mit Hauser-Schutzbelüftung in der Untertage-Werkstatt.
Radlader mit Hauser-Schutzbelüftung in der Untertage-Werkstatt.
 
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