Unternehmensführung

Energiemanagementsystem nach der ISO 50001

So belohnt der Staat das Energiesparen in Unternehmen

Unternehmen, die ein Energiemanagementsystem nach der ISO 50001 einführen, werden vom Staat an vielen Stellen des Prozesses finanziell gefördert. Betriebe sollten auf jeden Fall prüfen, ob sie antragsberechtigt sind. Was genau gefördert wird, erläutert Tyrone Adu-Baffour, Experte für Managementsysteme bei TÜV Rheinland.

Stromzähler mit der Anzeige Stromkosten senken
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Die ISO 50001 ist eine weltweit gültige Norm der International Organization for Standardization (ISO). Die Norm wurde im Jahr 2011 offiziell in Deutschland eingeführt. Auf Basis dieses Standards können Unternehmen ein Energiemanagementsystem aufbauen. Dieses dient maßgeblich dazu, den tatsächlichen Energieaufwand zu ermitteln, zu monitoren und anhand von Kennzahlen zu messen und zu verbessern. Mit Einführung des Managementsystems steigen Unternehmen in einen systematischen und kontinuierlichen Verbesserungsprozess ein. Damit sinken natürlich auch die Energiekosten sowie die CO2-Emissionen.

Welche Vorteile bietet die ISO 50001 für ein Unternehmen?

Der große Vorteil eines Energiemanagementsystems ist, dass sich Unternehmen aktiv damit auseinandersetzen, wieviel Energie sie aktuell verbrauchen. Erfahrungsgemäß erreichen sie für den Bereich Energie ein strukturierteres und ressourcenschonenderes Management. Außerdem werden Management und Mitarbeiter stärker für das Thema „Energieeffizienz“ sensibilisiert. Es sind Verantwortlichkeiten, Ziele und Maßnahmen zu definieren, damit das Unternehmen seinen Energieaufwand innerhalb eines festgelegten Zeitraums auch wirklich senkt. Spektakulär kann es im Einzelfall sein, regelrechte „Energiefresser“ aufzuspüren, die das Unternehmen seit Jahren durchschleppt, ohne sich dessen bewusst zu sein. Für Unternehmen, die ernsthaft ein Energiemanagementsystem betreiben, sind erfahrungsgemäß je nach Größe Einsparungen von 20 Prozent der Energiekosten nicht unüblich. Dieser Wettbewerbsvorteil ist nicht zu unterschätzen, vor allem, da Energiekosten in vielen Branchen ein nicht unerheblicher Kostenfaktor sind. Lassen sie sich zertifizieren, - d.h. lassen sie durch unabhängige Dritte prüfen, ob das Energiemanagement gemäß der geltenden Norm korrekt und wirksam umgesetzt ist, belohnt der Staat das mit Steuervergünstigungen. Das gute Gewissen gegenüber der Umwelt gibt‘s kostenlos dazu, denn mit der Einsparung von Energie reduziert das Unternehmen zugleich seine CO2-Emissionen – ein Imagegewinn gegenüber Kunden, Partnern und anderen Stakeholdern. Unternehmen heben sich zusätzlich von Marktbegleitern ab, denn eine ISO 50001-Zertifizierung wird zunehmend auch bei der Bewertung von Lieferanten berücksichtigt.

Welche Fördermittel können Unternehmen rund um die ISO 50001 in Anspruch nehmen?

Für die Einführung von Energiemanagementsystemen gemäß ISO 50001 sowie für den Erwerb von Energiemanagement-Messtechniken und -Software können Unternehmen Fördermittel durch den Staat von bis zu mehreren Tausend Euro erhalten. Dabei ist es vollkommen unerheblich, ob es sich um ein kleines bzw. mittelständisches Unternehmen (KMU) oder einen großen Konzern handelt. In Verbindung mit einer Erstzertifizierung können Unternehmen allein für die Beratung rund um die Einführung eines Energiemanagementsystems mit einem Zuschuss von bis zu 3.000 Euro rechnen. An der Schulung von Energiemanagementbeauftragten, die in der Regel gemeinsam mit der Geschäftsführung das Projekt leiten, beteiligt sich der Staat mit bis zu weiteren 30 Prozent der Kosten. Der maximale Zuschuss liegt hier bei 1.000 Euro.

Beim Erwerb von Mess-, Zähler- und Sensoriktechnologie für Energiemanagementsysteme, die benötigt wird, um Ist-Verbräuche zu ermitteln, kann ein Unternehmen mit Fördermitteln in Höhe von bis zu 8.000 Euro bzw. 20 Prozent der Kosten rechnen. Gemanagt und analysiert werden diese Ergebnisse durch eine Software für Energiemanagementsysteme. Bei deren Anschaffung steuert der Staat bis zu 20 Prozent bzw. maximal 4.000 Euro der Anschaffungskosten bei. Die Energiemanagementsoftware muss die Anforderungen der ISO 50001 erfüllen und entsprechend dem PDCA-Zyklus (Plan-Do-Check-Act-Zyklus) aufgebaut sein. Außerdem muss sie die Möglichkeit bieten, die gesetzten Energieziele verfolgen zu können. Die Erstzertifizierung nach ISO 50001 selbst belohnt der Staat mit bis zu 6.000 Euro und maximal 80 Prozent der Kosten. Alles in allem kann ein Unternehmen rund um die Einführung eines Energiemanagementsystems nach ISO 50001 viel Geld sparen. Die Gesamtsumme der Zuwendungen sind auf maximal 20.000 € pro Unternehmen innerhalb eines Zeitraums von 36 Monaten beschränkt.

Welche Unternehmen können einen Antrag stellen, um eine Förderung zu erhalten?

Grundsätzlich antragsberechtigt sind alle Unternehmen mit Sitz oder mit Niederlassung in der Bundesrepublik Deutschland. Zu stellen ist der Antrag bei der BAFA, dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle. Eine Ausnahme bilden jedoch in der Regel die Unternehmen, die von der Umlage des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) befreit sind sowie Firmen, die von Energie- und Stromsteuerentlastungen profitieren.

Wie erhält man die Zertifizierung nach der ISO 50001?

Die Erstzertifizierung eines Energiemanagementsystems nach ISO 50001 muss durch eine akkreditierte Zertifizierungsgesellschaft wie z. B. TÜV Rheinland erfolgen. Die Zertifizierung hat i.d.R. eine Gültigkeit von drei Jahren. Innerhalb dieser drei Jahre prüft TÜV Rheinland im Rahmen von jährlichen Überwachungsaudits, ob das Unternehmen die Normkonformität aufrechterhält und die kontinuierliche Prozessoptimierung vorantreibt. TÜV Rheinland zählt zu den ersten Prüforganisationen in Deutschland, die für die Zertifizierung nach ISO 50001 akkreditiert wurden. Seitdem haben unsere Auditoren bereits weltweit 850 Unternehmen im Bereich Energiemanagement zertifiziert. TÜV Rheinland verfügt über einen Pool von 170 Energie-Auditoren weltweit sowie ein umfassendes Netzwerk aus Energieeffizienz-Experten. Wir führen Audits bzw. Zertifizierungen von Energie- und Umweltmanagementsystemen sowie Begutachtungen und Validierungen nach EMAS durch.

Tyrone Adu-Baffour
Tyrone Adu-Baffour, Experte für Managementsysteme beim TÜV Rheinland, rät den Unternehmen, Fördermittel rund um die ISO 50001 zu beantragen.
 
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