Unternehmensführung

Vier Grundsätze im Umgang mit Emotionen

Von Teichen, Fröschen und Wertschätzung

Ein Aphorismus wird bei Veränderungsprozessen besonders gerne zitiert: „Will man den Sumpf austrocknen, lässt man nicht die Frösche darüber abstimmen.“ – so Bruno Schönlank, deutscher Journalist und sozialdemokratischer Abgeordneter in einer Rede vor dem Reichstag am 9. Februar 1894. Es drückt sich kaum mehr Hilflosigkeit und Missmanagement in einem Satz aus, als das hier der Fall ist.

Schon über die Austrocknung des Teiches nachzudenken, zeigt die Versäumnisse der Vergangenheit auf. Statt sich beizeiten auf sich verändernde Einflüsse einzustellen, wird bis zum Schluss gewartet, um dann zu kapitulieren und das Geschäft dicht zu machen … den Lebensraum der Frösche auszutrocknen ... die Mitarbeiter ihrer Lebensgrundlage zu berauben. Aktives Management sieht anders aus.

Frösche im Teich
// tolanger - Fotolia.com

Das Umfeld ständig im Auge behalten …

Permanente Beobachtung des Marktes mit besonderem Fokus auf das Kaufverhalten der Kunden und das Agieren des Wettbewerbs geben frühzeitig deutliche Hinweise auf Veränderung der Gegebenheiten. Für Unternehmen gilt: Jetzt aber bitte nicht ignorieren oder ‚schönreden’ nach dem Motto: Das gibt sich schon wieder! Wie häufig werden gerade die Veränderung des Marktes, der wachsende Wettbewerbsdruck oder im Markt (plötzlich?) vorhandene Überkapazitäten als Beweggrund für Restrukturierungen oder gar Schließungen genommen. Welches Zeugnis des Managements bzw. der Führung gegenüber den Fröschen – pardon Mitarbeitern – für die eigene Tatenlosigkeit, das Verschlafen oder gar Ignorieren der veränderten Bedingungen!

Rechtzeitiges Erkennen der Veränderung, gepaart mit der notwendigen Portion Mut und – das darf hier nicht verschwiegen werden – natürlich auch etwas Glück führen dazu, sich am Teich zu erfreuen, statt ihn auszutrocknen. Zugegeben: Der Teich sieht unter Umständen etwas anders aus als zu Beginn. Der Besatz des Teiches hat sich vielleicht verändert, er ist größer oder kleiner, etc. Aber es ist immer noch ein Teich!

Evolution statt Revolution – der alte Hut passt immer noch

Darüber hinaus gibt es noch eine weitere Analogie zwischen einem Teich und dem Business. In beiden Fällen ist es eher hilfreich von Evolution als von Revolution zu sprechen. Spontanes und radikales Eingreifen in die Natur führt oftmals genau zum Gegenteil. Statt zu der beabsichtigten Verbesserung kommt es zu Katastrophen, wenn beispielsweise nach Flussbegradigungen viele Jahre später Überschwemmungen zu beobachten sind. Gleiches gilt für das Business: Auch hier führen Kahlschlag und allzu kurzfristige Eingriffe nach einer gewissen Zeit oft zu ungeahnten negativen Folgen.

Management + Leadership = Erfolg

Ein weiteres Armutszeugnis – ja nahezu eine Unverschämtheit – bei der zitierten Management-Weisheit ist die Verunglimpfung der Mitarbeiter. Wer von uns möchte schon gerne als Frosch betitelt werden? In der Welt der Frösche gab es schließlich nur einen Glückspilz, der von der Prinzessin geküsst wurde … Alle anderen Frösche fristen ein eher wenig spektakuläres Leben. Es sind aber oft gerade die Mitarbeiter des betroffenen Geschäftes, die die Anzeichen für Veränderung frühzeitig erkennen. Es sind die Menschen, die im ständigen Kontakt zu Kunden und Lieferanten stehen, die den Markt täglich spüren. Warum werden diese Menschen nicht gehört? Warum werden ihre Anmerkungen und Hinweise nicht ernst genommen? Liegt es vielleicht daran, dass in der modernen Geschäftswelt nicht mehr zwischen Management und Leadership unterschieden wird? Im Deutschen gibt es die Begriffe leiten und führen, welche eben diesen Unterschied sehr deutlich machen. Sich Gedanken um den Fortbestand des Teiches zu machen ist leiten. Sich mit den Fröschen auseinanderzusetzen ist führen. Beides zusammen buchstabiert man E R F O L G.

Im Nachhinein war es gar nicht so fürchterlich

Veränderungen haben oft das Begleitphänomen, dass es im Nachhinein … gar nicht so schlimm war. Auch wenn am Anfang aller Veränderung verständlicherweise oft die Furcht vor dem Neuen steht. Die Angst, bekanntes Terrain zu verlassen, verstärkt das Gefühl der Unsicherheit. Genauso wie Pfeifen im dunklen Keller nur gefühlt Sicherheit gibt, so hilft auch bei Veränderungen ignorieren und schönreden nicht wirklich. Sich den Gegebenheiten zu stellen, ist immer noch die beste Variante. Der Umgang mit Emotionen ist ein wesentlicher Baustein in jedem Veränderungsprozess. Dabei helfen folgende vier Grundsätze:

1. Emotionen erkennen und richtig zuordnen

Erleben wir gerade Frust? Oder ist es eher Trauer? Oder gar Angst? Es ist wichtig die Emotion zu deuten, um fokussiert damit umzugehen. Es nützt dem Betroffenen nichts, ihm die Angst nehmen zu wollen – dabei verspürt er aber eher Trauer. Wird auf seine Trauer eingegangen, ist der Start für den Umgang mit Emotionen gemacht.

2. Emotionen zulassen

In einer wertschätzenden Kultur muss sich niemand schämen oder gar verstecken, wenn Emotionen deutlich zum Vorschein kommen. Erst dadurch erlangt ein Team das Gefühl, dass damit gemeinsam umgegangen wird, ja werden kann. Die Emotionen werden ernst genommen und nicht als Schwäche abgetan, sondern als Stärke begriffen.

3. Emotionen thematisieren

Wichtig ist es über die Emotionen zu reden – vorsichtig, aber offen und vor allem nicht wertend – mit unmittelbar betroffenen Kollegen und mit dem gesamten Team. Wer hat Bedenken, Sorgen, Ängste, Frust... oder fühlt Ähnliches? Entscheidend sind Begründungen für die Emotionen. „Das ist doch alles Mist“ ist zwar ein emotionaler Ausbruch, es fehlt allerdings der Ansatzpunkt. Was ist Mist? Woran machst er/sie das fest?

4. Konkrete Maßnahmen vereinbaren

Indem Führungskräfte zeigen, wie wichtig ihnen das Thema ist, indem sie sich damit strukturiert beschäftigen, binden sie sowohl die Person mit der jeweiligen Emotion ein als auch andere aus dem Team. Kleine Diskussionsgruppen können sich untereinander stärken und stützen sowie voneinander lernen. Den Maßnahmen nachgehen, sich den Fortschritt zeigen lassen und ggf. eingreifen, wenn es nötig ist, sollte dabei selbstverständlich sein.L

Marcus König

mensch.business

Marcus König
Marcus König: „Wertschätzender Umgang mit Emotionen ist ein wesentlicher Baustein in jedem Veränderungsprozess.”
 
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