Gefahren beurteilen – vorausschauend handeln

Ulrich Meesmann

In der letzten Ausgabe berichteten wir über den erfolgreichen Auftakt einer neuen Veranstaltungsreihe von internationalem Format, der VIZE (Vision Zero) Konferenz, die vom 7. bis 9. September 2016 in Bochum stattgefunden hat. Ein zentrales Element hierbei war die Vorstellung des VISION ZERO-Leitfadens, der die Betriebe bei der Umsetzung der Präventionsstrategie unserer Berufsgenossenschaft unterstützen soll. Er ist das Produkt einer konzertierten Aktion, bei der 700 Unternehmerinnen und Unternehmer, Führungskräfte, Expertinnen und Experten nach ihren Erfahrungen befragt wurden, aber auch unsere eigenen Präventionsfachleute sich mit ihrer Expertise eingebracht haben. Herausgekommen sind sieben sogenannte Erfolgsfaktoren, die für den Weg hin zu einem unfallfreien, gesundheitsfördernden Betrieb unerlässlich sind.

Einer dieser Faktoren heißt „Gefahr erkannt – Gefahr gebannt!“ Denn ohne Erkenntnisse über die konkrete Ausgangslage geht es nicht. Sie sind eine Grundvoraussetzung, um Führungskräfte wie auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von notwendigen Maßnahmen und einem angemessenen, möglicherweise veränderten Verhalten zu überzeugen. Hierzu sieht das Arbeitsschutzgesetz die Verpflichtung des Arbeitgebers vor, im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung die Gefährdungen zu beschreiben, die mit den Arbeitsabläufen in ihren Betrieben verbunden sind.

Viele Betriebe – insbesondere auch im Zuständigkeitsbereich der BG RCI – nehmen den Arbeitsschutz ernst und thematisieren die Gefährdungen bei der Arbeit. Häufig vergessen sie jedoch, das Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung, die festgelegten Maßnahmen und die Prüfung der Ergebnisse auch zu dokumentieren. Aber nur mit einer schriftlichen Dokumentation kann der Arbeitgeber bei einem Unfall nachweisen, alles Notwendige zum Schutz seiner Beschäftigten getan zu haben.

Die Gefährdungsbeurteilung hat sich als ein flexibles Instrument erwiesen, das bestens geeignet ist, auf Besonderheiten und Veränderungen in den Betrieben und Unternehmen zu reagieren. Dieser Ansatz ist nach wie vor hochmodern und bietet auch mit Blick auf die Gestaltung der digitalen Arbeitswelt viel Potenzial. Im nächsten Schritt wird es darum gehen, den vorausschauenden Arbeitsschutz zu einer umfassenden Präventionskultur fortzuentwickeln.

Daran arbeiten wir — national, aber auch auf internationaler Ebene.

Herzlichst Ihr
Ulrich Meesmann