Arbeitssicherheit

Rettungsübung im Rigips-Werk Brieselang

Sicherheit für jeden Fall

„Unser Hauptschwerpunkt für dieses Jahr liegt auf Höhenarbeiten und Fallschutz“, so die einführenden Worte von Werksleiter Andreas Beck-Ulm zu einem Seminar, das jüngst im Rigips-Werk Brieselang stattfand. Ihm liege persönlich viel an eben diesem Rettungstraining, so Beck-Ulm. „Schließlich gibt es bei uns wöchentlich einen Reparaturtag, an dem wir in Behälter, Silos, Schächte und enge Räume einsteigen.“ Um Unfällen bei solchen Tätigkeiten noch effizienter vorzubeugen, hat er die BG RCI um Unterstützung für dieses Seminar gebeten – und selbstverständlich auch erhalten.

Die Saint-Gobain-Gruppe, zu der auch Rigips gehört, hat einen eigenen Standard für Höhenarbeiten definiert. Hiernach gilt: Als Arbeiten in der Höhe werden alle Arbeiten verstanden, bei denen ein Risiko eines Sturzes besteht, der Personenschaden verursachen kann. Dies beinhaltet sowohl potenzielles Fallen aus der Höhe als auch Stürze in Löcher oder Gräben und das unabhängig von der Höhe (nicht wie üblich ab einem Meter). Karén Förster, Fachkraft Arbeitssicherheit und Umweltschutz am Rigips-Standort Brieselang, erläutert: „Ein Sturz kann bereits aus geringen Höhen, z. B. von einer Leiter, zu schwersten Verletzungen führen. Der Grund: Stürze aus geringen Höhen erlauben meist kein schützendes Abfangen mit den Gliedmaßen.”

Um solche Unfälle und Verletzungen zu vermeiden, lud Werksleiter Andreas Beck-Ulm Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Produktion, Werkstatt und Logistik des Rigips-Werkes Brieselang zu diesem Training ein.

Seminarteilnehmer am Tisch
Erst Theorie, dann Praxis: Vor den Teilnehmern lag ein spannender Tag.

Schutz- und Rettungsausrüstung kennen und richtig einsetzen

Zunächst erläuterten Henning Jugel und Armin Lorenz von der BG RCI, dass die Folgen eines Sturzes von sehr vielen Faktoren abhängen, etwa von der Absturzhöhe, der Auftrefffläche (ein Auftreffen auf Steinen wird schwerere Verletzungen zur Folge haben als ein Sturz in Pulverschnee) und den betroffenen Gliedmaßen. Darum muss ein Unternehmen gemäß § 2 der PSA Benutzungsordnung dem Versicherten geeignete persönliche Schutzausrüstungen bereitstellen, die dem Benutzer individuell angepasst werden können.

Jugel und Lorenz präsentierten und erklärten den Teilnehmern Rettungsgurte, Rettungsschlaufen, Rettungshubgeräte, Abseilgeräte, Verbindungselemente nach DIN EN 362 sowie Anschlageinrichtungen. Bei der Auswahl einer Rettungsausrüstung ist darauf zu achten, dass diese eine CE-Kennzeichnung, eine eindeutige Identifikation mit Typenbezeichnung, Chargennummer, Piktogramm usw. tragen. Grundlegend gilt, dass sich der Versicherte vor jeder Benutzung durch Sicht- und Funktionsprüfung vom einsatzfähigen Zustand der Ausrüstung zu überzeugen hat. Außerdem dürfen Rettungsausrüstungen nur zur Rettung von Personen, nicht jedoch für andere Zwecke, z. B. als Anschlagmittel für Lasten, verwendet werden.

Armin Lorenz hängt im Geschirr vor einem Lkw
Aufgefangen: Armin Lorenz (BG RCI) schwebt sicher über dem Boden.

Auf die Passform kommt es an

Eindringlich wurde den Teilnehmern vermittelt, dass ein Fallschutzgurt stets stramm sitzen muss. Ist er zu locker eingestellt, kann das im Falle eines Sturzes sehr schmerzhaft sein.

Wie schmerzhaft, konnten die Seminarteilnehmer nach einer praktischen Übung in der Werkstatt erahnen. Seither wissen sie um die Bedeutung eines korrekt und fest angelegten Fallschutzgurtes. Damit der Gurt nicht zu hoch sitzt und am Hals drückt, kann mit einer selbst erstellten Entlastungsschlaufe gearbeitet werden. Diese richtig zu legen, lernten die Seminarteilnehmer trotz anfänglicher Schwierigkeiten. Längeres bewegungsloses Hängen im Auffanggurt gefährdet die Gesundheit. Aus diesem Grund sollte ein Verunfallter nicht länger als 20 Minuten im Auffanggurt warten müssen.

Generell gilt im Falle eines Sturzes: ruhig bleiben und sich konzentrieren. Panik steht einer schnellen Rettung im Wege.

Mann in enem Korb, der an einem Gabelstapler befestigt ist
Ein für Gabelstapler modifizierter Korb hilft den Rettern, das Sturzopfer sicher zu bergen.

„Mulmiges Gefühl“

Wie eine Person schnell zu retten ist, übten die Seminarteilnehmer am nächsten Tag in der firmeneigenen Fallschutzanlage. Diese wurde für die Lkw-Fahrer mit offenen Zügen im Jahr 2006 erbaut, um Abstürze beim Beplanen auf dem Lkw zu verhindern. Zuvor durften alle Seminarteilnehmer noch einmal mit richtig eingestellten Gurten das Abstürzen aus einer Höhe von zwei Metern testen. „Ich muss zugeben, dass ich Angst vor dem Fall hatte. Nach langem Zureden überwand ich aber meine Angst und ließ mich fallen. Es war ein ganz mulmiges Gefühl“, berichtet Karén Förster.

Gemeinsam diskutierten die Seminarteilnehmer anschließend, wie und womit man Personen aus dem Fallschutz befreien und retten kann.

Mann im Korb einer Hebebühne
Die Rettung mittels einer Hebebühne gehörte ebenfalls zum Übungsseminar, das alle Teilnehmer um wertvolle Erfahrungen reicher gemacht hat.

Sicher aus der Fallschutzanlage bergen

Karén Förster fasst das Ergebnis der Diskussion zusammen: „Die einfachste Lösung ist es, das Sturzopfer mit Muskelkraft anzuheben und es dann zu befreien. Ebenfalls eine einfache Methode ist, dem Verunglückten eine Leiter unterzustellen, um ihn zu entlasten. Ist eine Hebebühne oder ein Stapler mit Fahrkorb in der Nähe, so kann man den ,Abgestürzten’ in die Bühne ziehen und ihn dann entlasten. Unsere Ladungskontrolleure waren bei diesen Übungen dabei. Sie sind diejenigen, die den Lkw-Parkplatz ständig im Auge haben. Sobald jemand die Fallschutzanlage benutzt, sollen sie deshalb zukünftig als Rettungssicherungsperson dort stehen bleiben.“

„Der richtige Fallschutz ist eine Lebensversicherung.“

Diese Botschaft verstand auch der Lkw-Fahrer, der seinen offenen Lkw für die Übungen im Seminar zur Verfügung stellte: „Fällst du mit dem Fallschutz hinunter, bist du gerettet. Und solltest du dich im Absturz doch verletzen, hilft dir die BG bei der schnellen Genesung.“

Die Mischung aus Theorie und Praxis sowie die vielen Diskussionsmöglichkeiten mit den Seminarleitern begeisterten die Teilnehmer und hinterließ nachhaltige Eindrücke.

 
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