Technik

Einsatzbericht: neue Generation des Sprenglochbohrers Hausherr HBM 80

Made in Germany für Polen

In diesem Jahr erfolgte die Erstauslieferung der komplett überarbeiteten HBM 80. Der Hersteller Hausherr bietet mit ihr eine neue Alternative bei Sprenglochbohrgeräten mit mittlerem Bohrdurchmesser bis 165 mm (6,5“) an. Konzipiert ist die HBM 80 als Produktionsbohrgerät für Steinbrüche sowie Kohle- und Erzminen aller Art. Die im Werk Drolshagen produzierte Maschine ist sowohl für Drehbohr- als auch für DTH-Anwendungen mit verschiedenen Nieder- oder Hochdruckkompressoren im Durchmesserbereich von 90 bis ca. 165 mm geeignet. Das Einsatzgewicht liegt je nach Variante und Ausstattung bei etwa 28 Tonnen.

Sprenglochbohrer
Mobil, robust und intelligent: die neue HBM 80 im Einsatz.

Die Übergabe der ersten HBM 80 fand kürzlich im Werk des polnischen Zementherstellers Grupa Ozarow, Teil der irischen CRH-Gruppe, statt. „ Die Besonderheit hier ist das extrem klüftige und gestörte Kalksteinvorkommen, das ausschließlich nur im Drehbohrverfahren mit Stufenbohrkrone und mit speziellen Schneckenbohrstangen bei wohldosierter Spülluftmenge gebohrt werden kann“, weiß Jaroslaw Buczek, der zuständige Betriebsleiter. Zusammen mit einer vergleichbar ausgestatteten HBM 80 älteren Baujahres, versorgt die Maschine nun das komplette Zementwerk mit der erforderlichen Menge an Rohstoff. Grzegorz Latkowski, der Bohrmeister, hat die Bedienung der Maschine bereits nach zweitägiger Anlernphase komplett verinnerlicht. „Das moderne Konzept vereinfacht mir sowohl die Bedienung als auch die Überwachung und Fehlerdiagnose. Ein Bedien- und Servicedisplay zeigt mir nun nach Wahl den Maschinenstatus, Bedienhinweise oder auch Fehlermeldungen an, sodass ich nun selbst bei Fehlfunktionen oder Störungen eine Diagnose ohne Messgerät und ohne besondere Fachkenntnisse durchführen kann“, so Latkowski. Durch die Verwendung von insgesamt weniger Komponenten ist das Gesamtsystem störungsunempfindlicher, durchgehend diagnosefähig und sichert so eine hohe Verfügbarkeit.

Die nun ausgelieferte Drehbohrvariante der HBM 80 ist mit einem einstufigen Schraubenverdichter ausgerüstet, der 20 m³/min. (1.235 cfm) bei 7 bar (100 psi) liefert. Ein zusätzlicher installierter Druckluft-Nachverdichter erhöht im Falle einer verstopften Bohrkrone kurzfristig den Druck. Der so erzeugte Hochdruckimpuls reinigt dann mit bis zu 20 bar automatisch die Bohrkrone. Angetrieben wird die Maschine in dieser Version von einem Caterpillar C 9.1 EPA Tier 4 Final (USA) bzw. Stufe IV (EU) Dieselmotor mit 222 kW. Alternativ sind verschiedene Hochdruckkompressoren für den DTH-Einsatz mit max. 36 m³/min. (1.270 cfm) bei bis zu 30 bar (435 psi) erhältlich. Dieselmotoren verschiedener Größen stehen wahlweise nach TIER 3 oder TIER 4f zur Verfügung. Die Bohrlafette ist stufenlos zwischen 90° und 60° verstell- und arretierbar. Der Kettenvorschub ermöglicht einen maximalen Andruck von etwa 80 kN (18.000 lb Bit-Load) auf das Bohrwerkzeug sowie eine Rückzugskraft von 80 kN. Gepaart mit dem hohen Drehmoment des Bohrantriebs, ermöglicht dies hohe Bohrleistungen und minimiert das Risiko von Gestänge- und Werkzeugverlusten. Für den DTH-Betrieb verfügt die Maschine über eine hydraulische Andruckregelung, die es ermöglicht den Andruck genau auf die Anforderung des jeweiligen Hammers zu justieren. Im Revolvermagazin sind 6 Bohrstangen mit einer Länge von je 6 m bei einem Durchmesser von 76 (3“) bis 127 (5“) untergebracht. Bei Verwendung von 6 (+1) Stangen beträgt so die maximale Bohrtiefe 42 Meter.

Mann in der Kabine
Die Kabine bietet Komfort und rundum gute Sicht.

Geringer Wartungsaufwand

Wie bei allen Hausherr-Maschinen sind die verschiedenen Komponenten durch abschließbare Abdeckhauben vor unerlaubtem Zugriff und Witterungseinflüssen geschützt. Der Mittelgang sowie ein optionaler Laufsteg an Kabinenseite und Heck sorgen für eine gute Zugänglichkeit aller Komponenten für Wartungs- oder Reparaturarbeiten. Das umständliche Demontieren anderer Komponenten entfällt. Unnötiger Aufwand wird vermieden, die Stillstandzeit erheblich verkürzt.

Komfortabler und sicherer Arbeitsplatz

Die FOPS-Kabine bietet Sicherheit, Ergonomie, Raumangebot und Bedienungsfreundlichkeit. Alle Bedienelemente für die Hauptfunktionen sind in den neuen Multifunktions-Joysticks und in den Armlehnen des luftgefederten und beheizten Fahrersitzes integriert. Dieser ist zum Einsteigen und für den Fahr- oder Bohrbetrieb um 270° drehbar, sodass sämtliche Bedien- und Überwachungsinstrumente stets vom Operator aus einer bequemen Sitzposition erreicht und abgelesen werden können. Eine große Dachscheibe mit Scheibenwischer und Waschanlage ermöglicht eine verbesserte Sicht auf die Lafettenspitze. Neu sind auch die beheizbaren Front-, Dach und Seitenscheiben, deren Beschlagen nun sicher verhindert wird. Ein Lüftungssystem sorgt außerdem für einen stetigen Überdruck in der Kabine, der das eventuelle Eindringen von gesundheitsschädlichen Feinstäuben verhindert. Das robuste Raupenfahrwerk ist über eine Kugeldrehverbindung mit dem Oberwagen verbunden. Somit lässt sich das Gerät 90° gegenüber der Fahrt-

richtung schwenken. Dies ist ein großer Vorteil beim Bohren geneigter Sprenglöcher, da es die unproduktiven Fahrwege und damit die Bohrnebenzeiten um bis zu 50 Prozent verkürzt. Mit vier stabilen Stützzylindern und großen Bodenplatten wird die Bohranlage stabilisiert und ausgerichtet.

Sichere Funktion bei Minusgraden

Für den Einsatz in kalten Regionen kann die Maschine mit einem umfangreichen Arktik-Paket ausgestattet werden. Es besteht aus einer Kombination von verschiedenen Heizsystemen sowie einer speziellen Kupplung, die es dem Dieselmotor ermöglicht, vollkommen lastfrei zu starten. Leistungsstarke, frostsichere Batterien, ein zusätzlicher Anlasser sowie die elektronische Kupplungssteuerung ermöglichen so den problemlosen Start des vorgewärmten Dieselmotors. Der temperaturbedingten erhöhten Sprödbruchgefahr bei Strukturbauteilen trägt Hausherr durch die Auswahl geeigneter Werkstoffe sowie durch Verwendung spezieller Schweißzusatzstoffe Rechnung. Die Verwendung von tieftemperaturgeeigneten Betriebsstoffen rundet das Paket ab. Für den Einsatz in Höhen ab 2.500 Metern über dem Meeresspiegel nimmt der Hersteller auf Wunsch ebenfalls diverse Anpassungen des Antriebsstranges vor.

Display
Das prägnante Display hilft dem Bediener, den Zustand des Geräts zu überwachen.
 
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