Unternehmensführung

Expertenrunde zu Industrie 4.0 bei Guardus Solutions

Der Boss im limbischen System

Wer entscheidet eigentlich im Rahmen von Industrie 4.0-Visionen über die Zukunftsfähigkeit eines Geschäftsmodells? Die Antwort: Elefanten, Teamplayer und Mitdenker. Details zu dieser überraschenden Aussage erhielten die Teilnehmer der branchenübergreifenden Expertenrunde von Guardus Solutions von zwei Fachleuten: von Prof. Claus Oetter, stellvertretender Geschäftsführer des Fachverbands Software und Leiter des Forums „IT@Automation“ beim VDMA in Frankfurt am Main, sowie von Andreas Kirsch, Vorstandsmitglied von Guardus Solutions.

Aus der Vogelperspektive gleicht Industrie 4.0 einer Dissonanz aus Schlagworten und Akteuren. Viele reden von Cyber Physical Systems (CPS), hochautomatisierten Produktionslinien, integrierten Software- und Maschinenlandschaften und natürlich – ganz vorn mit dabei – Business-Apps zur Unterstützung der kommenden, mobilen Arbeitswelt 4.0. Bohrt man sich mithilfe der Experten Prof. Claus Oetter (VDMA) und Andreas Kirsch (Guardus Solutions) in die Materie hinein, wird die Verschmelzung dreier Bewegungen sichtbar. Es beginnt mit dem „Internet der Menschen“, an dem mittlerweile 75 Prozent der Weltbevölkerung teilnehmen. Die digitale Kommunikationsrevolution, welche im Endverbrauchermarkt durch Smart Devices ausgelöst wurde, fand in der Folge ihre erste Ableitung im „Internet der Dienste“ – also Services und Dienstleistungen jeder Art, die durch den Einsatz von Internettechnologien möglich werden. Dritter im Bunde der digitalen Triangel ist das „Internet der Dinge“, mit dessen Hilfe alle möglichen Objekte via Internetprotokoll kommunizieren – von Toaster, Anzughose und Autositz über intelligente Werkstücke und selbstdenkende Lagerbestände bis hin zu twitternden Produktionsanalagen.

Kein Elefant im Porzellanladen

Prof. Claus Oetter: „Ohne IT geht nichts – aber Vorsicht! Egal wie mächtig Software im Rahmen von Industrie-4.0-Szenarien auch ist, sie ist trotz allem nur das Helferlein, das den Menschen unterstützt.“ Wer also diesen aufgrund akuter Automatisierungsbegeisterung aus der Gleichung streicht, hat verloren. Wirksame IT-Strukturen müssen das Ziel verfolgen, positive Emotionen beim Anwender auszulösen. Betrachtet man das menschliche Gehirn, so haben Verstand und Vernunft lediglich eine beratende Funktion, wenn es um Entscheidungen und nachhaltige Handlungen (Gewohnheiten) geht.

Der wirkliche Boss sitzt im limbischen System, in unserem Unterbewusstsein. An dem Ort unserer Emotionen und Gefühle wird am Ende des Tages entschieden, was wir tun und lassen. Prof. Oetter greift zur Analogie „Elefant und Reiter“. Der Reiter steht für Verstand und Vernunft, der Elefant repräsentiert unser Unterbewusstsein. Die Frage stellt sich nun: Wer steuert wen? Hat der Reiter eine Chance, wenn der Elefant nicht will? Was bringen unzählige funktionale und technologische Argumente, wenn der Anwender ein „schlechtes Gefühl“ dabei hat? „Mitarbeiter jeder Unternehmensebene werden künftig über eine völlig neue Form der Software-Verfügbarkeit ihre Arbeiten ausführen, Situationen bewerten und Entscheidungen treffen. Deshalb ist es unabdingbar, dass der Umgang positive Emotionen hervorruft“, führt Andreas Kirsch weiter aus.        

Abbildung eines Gehirns
Tief in unserem Gehirn schaltet und waltet das limbische System. Es verarbeitet unsere Emotionen – und steuert maßgeblich die Entscheidung, was wir tun und lassen. Zukunftsfähige IT-Strukturen müssen daher so angelegt sein, dass sie positive Gefühle beim Nutzer erzeugen. // RealCG - Fotolia.com
 
Weitere Informationen