Gesunder Geist – gesunde Arbeit

Ulrich Meesmann

Betriebliche Maßnahmen, mit denen Unfälle verhütet werden sollen, unter das Motto „Null Unfälle“ oder auch „Vision Zero“ zu stellen – das ist nicht neu. Skeptiker sagen, dass es nicht gelingen wird, Arbeitsunfälle ganz aus der Welt zu schaffen. Dennoch ist es sinnvoll, an der Vision eines unfallfreien Arbeitslebens festzuhalten.

Das bewies schon vor fast 200 Jahren Éleuthère Irénée du Pont. Im März 1818 zerstörte eine Explosion große Teile seiner Schwarzpulverfabrik, 36 Mitarbeiter starben, darunter auch Freunde des Firmengründers. Als Konsequenz daraus entwickelte du Pont eine Sicherheitsphilosophie, die noch heute maßgebend für Null-Unfall-Programme im Betrieb ist. Wer, wie du Pont, es nicht hinnehmen will, dass Menschen bei der Arbeit zu Schaden kommen, wer sich von dem Grundgedanken leiten lässt, dass jeder Unfall vermeidbar ist, der trägt die „Vision Zero“ als Antrieb in sich. Und die Vision motiviert ihre „Träger“ dazu, konkrete Ziele im Arbeitsschutz mit Nachdruck zu verfolgen.

Die VISION ZERO der BG RCI – siehe dazu auch unseren Tagungsbericht ab Seite 7 – trägt den Untertitel „Null Unfälle – gesund arbeiten!“ Aktuell stehen dabei die Themen Gesundheitsmanagement und Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung im Vordergrund.

Der konstruktive Umgang mit arbeitsbedingten psychischen Belastungen ist nicht nur gesetzlich gefordert, sondern gilt zunehmend auch als Merkmal unternehmerischer Vernunft. Wenn Menschen unter Stress geraten, steigt die Unfallgefahr. Die psychische Situation im Betrieb steht also im Zusammenhang mit so eminent wichtigen Aspekten wie Gesundheit, Leistungsfähigkeit, Arbeitszufriedenheit und -motivation. Das haben die für die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz im Betrieb Verantwortlichen erkannt und entsprechende Programme aufgelegt.

Das bedeutet: Diese Personen tragen nicht mehr nur die „negative Brille“ und betrachten psychische Belastung als verursachend für Erkrankungen oder Arbeitsunfälle. Sie erkennen das Potenzial, das bei einer Berücksichtigung im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung und unter der Beteiligung der Beschäftigten abgerufen werden kann.

So hat auch die Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie (GDA) bestätigt, dass es drei grundsätzlich geeignete Methoden gibt, um psychische Belastung systematisch anzugehen: Mitarbeiterbefragungen, moderierte Besprechungsverfahren oder Beobachtungsverfahren sowie  Beobachtungsinterviews.

Es ist die Aufgabe des jeweiligen Betriebes, das für ihn am besten passende Verfahren auszuwählen. Wichtig ist die verhältnispräventive Ausrichtung auf die Arbeitsbedingungen, also auf die Arbeitsaufgaben, die Arbeitsorganisation, die Sozialen Faktoren und die Arbeitsumgebung. Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung bedeutet also nicht, einzelne Mitarbeiter zu beurteilen – ein Missverständnis, das immer noch weit verbreitet ist.

Herzlichst Ihr
Ulrich Meesmann

Alles über Ziele, Maßnahmen und Umsetzung der VISION ZERO der BG RCI erfahren Sie in zwei neuen Broschüren – kostenlos erhältlich im Download unter:

www.steine-und-erden.net/se615/Vision_Zero.html

www.bgrci.de/praevention/vision-zero/medien/