Industrienachrichten

Verbandsvertreter informieren sich in Berlin über die Strategie VISION ZERO der BG RCI

Die Siebenmeilenstiefel schnüren

Am 4. November lud die BG RCI nach Berlin zu ihrer Informations-Tagung über die neue Präventionsstrategie „VISION ZERO. Null Unfälle – gesund arbeiten!“ ein. Rund 90 Unternehmens- und Verbandsvertreter nahmen an der Veranstaltung teil, die von Aufbruchstimmung und Teamgeist geprägt war. Auf großes Interesse stieß der druckfrische VISION ZERO Leitfaden zur Umsetzung der Strategie im Betrieb.

Just do it: Diesen von einem Sportartikler entlehnten Appell gab Thomas Köhler, Sprecher der BG-RCI-Geschäftsführung, den Teilnehmern in seinem Schlusswort auf den Weg. Damit beschrieb er den Status quo: In zwei aktuellen VISION ZERO Broschüren hat die BG RCI die neue Strategie erklärt und mit dem Leitfaden gezeigt, wie VISION ZERO in den Betrieben realisiert werden kann. Nunmehr sei es vor allem an den Führungskräften, VISION ZERO vor Ort praktisch umzusetzen und dem Arbeitsschutz neue Impulse zu geben. „Als Unternehmen kann man nicht ernsthaft darüber diskutieren, ob man es sich leisten kann oder will, in den Arbeitsschutz zu investieren“, sagte Köhler. Es lohne sich in jedem Fall, was auch immer die Motivation der Unternehmer dafür sein mag – ob soziale Verantwortung oder betriebswirtschaftliches Kalkül, ob Qualitätssteigerung oder Imagepflege. Das einzig Entscheidende sei, „Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz tatsächlich zu leben“.

Tagungsteilnehmer sitzen in Reihen
Rund 90 Verbands- und Branchenvertreter nahmen an der Tagung in Berlin teil. Die Redner freuten sich über positive Resonanz und konstruktive Kritik aus dem Plenum.

Gemeinsam ans Ziel

In vielen Mitgliedsbetrieben ist das bereits gang und gäbe, wie Hans Paul Frey in seinem Begrüßungsvortrag bilanzierte. Der Vorstandsvorsitzende der BG RCI wies nach, dass die BG RCI in puncto Prävention einen Spitzenplatz im Ranking der Berufsgenossenschaften belegt. Könne man nun die Beine hochlegen? „Nein“, so Freys deutliche Antwort, „wir müssen besser werden!“ Dafür sprächen eindeutige Zahlen: Noch immer habe die BG RCI jedes Jahr rund 65.000 Unfälle zu beklagen, darunter 840 schwere und sogar 20 mit Todesfolge. Und: „Eine Milliarde Euro müssen wir jedes Jahr für medizinische Versorgung, Reha und Renten aufwenden.“ Um diese erschreckenden Zahlen drastisch zu senken, sei es notwendig, „die Verbände als Kooperationspartner zu gewinnen – das wichtigste Bindeglied zu unseren Unternehmen“, sagte Frey.

Um deutlich zu machen, dass die Zusammenarbeit funktioniert und zu einer Win-Win-Story werden kann, stellten im weiteren Verlauf der Veranstaltung die Vertreter von vier Verbänden ihre Erfahrungen, Projekte und Motivation dar. Repräsentanten des Vereins Deutscher Zementwerke, des Fachverbands Schaumkunststoffe und Polyurethane, des Vereins der Zuckerindustrie sowie des Zentralverbands Raum und Ausstattung berichteten über teils langjährige, erfolgreiche Kooperationen mit der BG und über ihre Ideen zur Umsetzung der VISION ZERO Strategie in ihren Branchen.

Hans Paul Frey (re.), Vorstandsvorsitzender der BG RCI, und Helmut Ehnes, Leiter Prävention der BG RCI
Hans Paul Frey (re.), Vorstandsvorsitzender der BG RCI, und Helmut Ehnes, Leiter Prävention der BG RCI, erläuterten Motive und Zielsetzung der Strategie VISION ZERO.

Brandneu: der VISION ZERO Leitfaden

Vernetzen, beteiligen, Kooperationen schmieden: Mit diesen Absichten trat auch Ulrich Meesmann, verantwortliches Mitglied der BG-RCI-Geschäftsführung für die Prävention, ans Pult. In seiner Einführung präsentierte er den neuen VISION ZERO Leitfaden als „praxisnahes Werkzeug für kleine und mittlere Betriebe, aber auch für große.“ Darin sei jedoch nichts in Stein gemeißelt: „Es ist ein brandneues Produkt und das wollen wir jetzt testen“, so Meesmann: „Ihre Meinung und Ihre Anregung sollen dazu beitragen, den Leitfaden noch besser auf den Bedarf unserer Mitgliedsunternehmen zuzuschneiden.“ In seinem zweiten Vortrag benannte Meesmann die Chancen einer vertieften Zusammenarbeit mit den Verbänden. Wie die aussehen kann, demonstrierte er am Entwurf einer Kooperationsvereinbarung, die den anwesenden Repräsentanten vorlag. Auf erstes Feedback musste Meesmann nicht lange warten: Die Frage- und Diskussionsrunden wurden vom Publikum rege genutzt.

Die sieben Erfolgsfaktoren der VISION ZERO
  1. Leben Sie Führung
  2. Gefahr erkannt – Gefahr gebannt
  3. Ziele definieren – Programm aufstellen
  4. Gut organisiert – mit System
  5. Maschinen, Technik, Anlagen – aber sicher
  6. Wissen schafft Sicherheit
  7. Motivieren durch Beteiligung

Matthias Stenzel erläuterte den neuen VISION ZERO Leitfaden anschließend im Detail. Neben den sieben Erfolgsfaktoren umfasse die Broschüre auf jeweils zwei Seiten Erfolg versprechende Tipps. Unternehmer oder Führungskräfte können sie in Form einer Checkliste durchgehen und erhalten über das Ampel-Bewertungssystem eine Aktionsliste. In Aussicht stellte Stenzel auch eine Online-Version des Leitfadens sowie eine App für Smartphone und Co.

Broschüre auf Tisch
Die Tagungsteilnehmer hielten als erste die neuen VISION ZERO Publikationen in Händen. Um die Broschüren zu optimieren, ist Feedback aus den Unternehmen und Verbänden gefragt.

Steigendes Bewusstsein für Prävention

In seinem Beitrag analysierte Helmut Ehnes, Leiter der BG RCI Prävention, den derzeitigen Stand der Prävention in Deutschland und setzte die positive Entwicklung zu den Unfallzahlen in Relation. An der Unfallgrafik, die er präsentierte, könne man die verschiedenen Stufen der Präventionsarbeit ablesen: Von der Verbesserung der Sicherheitstechnik über die Optimierung der Organisation des Arbeitsschutzes sei man nunmehr beim „Faktor Mensch“ angekommen, so Ehnes. „Heute wissen wir, dass ein ganzheitlicher Ansatz erforderlich ist, der berücksichtigt, dass Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit nicht nur der sozialen Verantwortung der Unternehmen entsprechen, sondern auch unverzichtbar für nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg sind.“ Mit der Präventionsstrategie VISION ZERO. Null Unfälle – gesund arbeiten!“ trage die BG RCI diesem erforderlichen Kulturwandel Rechnung. „Wir haben uns vorgenommen, bis 2024 sieben anspruchsvolle Ziele zur weiteren Verbesserung von Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit zu erreichen“, berichtete Ehnes. Hierzu habe die BG RCI zehn Maßnahmen-Pakete festgelegt und jetzt für die betriebliche Umsetzung sieben Erfolgsfaktoren ermittelt. VISION ZERO stand im Sommer sogar auf der Agenda des G7-Gipfels und richte sich an Unternehmer, Führungskräfte und Beschäftigte gleichermaßen. Denn, so Ehnes: „Jeder muss seinen Beitrag leisten!“

Um zu verdeutlichen, dass die Mitgliedsbetriebe in vielen Bereichen auf bewährte Präventionsangebote zurückgreifen können, stellten die BG-RCI-Präventionsexperten Lambert Jülich und Andreas Grimmeiß am Nachmittag einige ausgewählte Angebote vor, etwa den Förderpreis Arbeit–Sicherheit–Gesundheit, den GDA-ORGAcheck und das Gütesiegel „Sicher mit System“.

Thomas Köhler, Sprecher der BG-RCI-Geschäftsführung
Warum in Arbeitssicherheit investieren? „Weil es sich in jeder Hinsicht lohnt“, beschwor Thomas Köhler, Sprecher der BG-RCI-Geschäftsführung, sein Publikum.

Impuls: Externe Mitarbeiterberatung – auch für kleine Unternehmen?

Zum Abschluss der Tagung stand dann noch ein heißes Eisen auf dem Programm: die ständig zunehmenden Fehlzeiten aufgrund von psychischen Belastungen. Um diese zu reduzieren, haben vor allem Großbetriebe ausgesprochen positive Erfahrungen mit externen Beratungskonzepten für ihre Beschäftigten gesammelt; ein solches nutzt übrigens auch die BG RCI für ihre Beschäftigten. Hansjörg Becker, Geschäftsführer des Anbieters INSITE Interventions, stellte eine Idee vor, wie auch die Mitarbeiter in kleinen und mittleren Betrieben von diesem erprobten Unterstützungsangebot profitieren können. Im Rahmen der Externen Mitarbeiterberatung – englisch „Employee Assistance Program“ (EAP) – haben Beschäftigte, aber auch Führungskräfte jederzeit die Möglichkeit, anonym und kostenlos Rat zu allen Fragen von psychischen Belastungen und Konflikten in Anspruch zu nehmen. Ein zentraler Vorteil des EAP liegt darin, dass seine Berater jederzeit erreichbar sind: Jeder Beschäftigte erhält die Beratung, die er braucht, zu dem Zeitpunkt, wenn er sie braucht – bei Stress und Burnout, bei Konflikten am Arbeitsplatz, bei privaten Sorgen sowie familiären und gesundheitlichen Fragestellungen. Ein spezieller „Lotsendienst“ sorgt dafür, dass die Wartezeiten für psychotherapeutische Behandlungen erheblich kürzer werden, was Ausfallzeiten weiter reduzieren hilft. Engagierte Verbände, die EAP nutzen, können da künftig eine entscheidende Rolle spielen – ganz im Sinne der Idee von VISION ZERO.

Matthias Stenzel
Matthias Stenzel demonstrierte, wie Unternehmen mit Hilfe des Leitfadens die VISION ZERO praktisch umsetzen können.

Fazit der Tagung: Die Weichen für VISION ZERO sind gestellt, immer mehr Verbände und Unternehmen springen auf. Nun gilt es, weitere Multiplikatoren zu gewinnen und gemeinsam daran zu arbeiten, die hochgesteckten Ziele der VISION ZERO zu erfüllen. Ulrich Meesmann: „Wir sind überzeugt, dass unsere Mitgliedsunternehmen sie für ihre Präventionsarbeit nutzen werden.“

Markus Hofmann
Redaktion STEINE+ERDEN

Alle Fotos: BG RCI / Markus Hofmann

Ulrich Meesmann
Ulrich Meesmann, Mitglied der BG-RCI-Geschäftsführung, warb um die Kooperationsbereitschaft der Verbands- und Branchenvertreter.

Der neue Leitfaden vereinfacht es den Führungs- und Sicherheitsfachkräften, die VISION ZERO im Betrieb praktisch umzusetzen. Dank des Ampelsystems lassen sich die Checklisten schnell und übersichtlich abarbeiten. Wichtig: Sollten Sie dazu Verbesserungsvorschläge haben, zögern Sie bitte nicht, sie Ihrer zuständigen Aufsichtsperson der BG RCI mitzuteilen!

Den Leitfaden sowie die zugehörige Strategie-Broschüre gibt’s im kostenlosen Download unter:

www.bgrci.de/praevention/vision-zero/medien