Arbeitssicherheit

Red-Adair-Übung der RWE Dea

Wasser marsch in Niedersachsen

Im Falle eines Brandes an den Erdgasförderplätzen der RWE Dea sind die freiwilligen Feuerwehren der Landkreise Celle, Rotenburg/Wümme und Verden/Aller ebenso zuständig wie das Rote Kreuz des Landkreises Heidekreis. Doch der Brand einer Gasbohrung ist kein alltäglicher Einsatz. Um die löschende Truppe im Ernstfall nicht mit unbekannten Bedingungen konfrontieren zu müssen, gab es die Idee einer umfangreichen und realitätsnahen Übung im Mitgliedsunternehmen.

Trotz modernster Sicherheitstechniken und hoch qualifizierter Mitarbeiter an den Gasförderanlagen der RWE Dea AG müssen Vorbereitungen für den Ernstfall getroffen werden.

Was genau in solch einem Unglücksfall zu tun ist, wurde an zwei Wochenenden im Juli und August in Niedersachsen simuliert und geübt. Der Truppenübungsplatz Bergen im Süden der Lüneburger Heide zählt mit einer Fläche von 24.900 Hektar zu einem der größten seiner Art in Europa – genug Platz also für die sogenannte „Red-Adair-Übung“ der RWE Dea.

Um den Brand einer Gasbohrung unter Kontrolle bringen zu können, braucht es das richtige Equipment – die Red-Adair-Ausrüstung. Paul „Red“ Adair war ein US-amerikanischer Feuerwehrmann und schon zu Lebzeiten eine Legende. Es gelang ihm und seinem Team unter anderem 1991, am Ende des zweiten Golfkrieges, die brennenden Ölquellen in Kuwait zu löschen.

Gemeinsam gegen das Feuer

Die sehr teuren Red-Adair-Anlagen für diese speziellen Herausforderungen teilt sich ein Konsortium Gas produzierender Unternehmen in Deutschland und Österreich, dem auch RWE Dea angehört. Die Übungen wurden von Stephan Reitler, Lagerstätteningenieur des Förderbetriebes Niedersachsen, organisiert. Neben den zuständigen Feuerwehren nahmen von der RWE Dea die Ober- und Untertagemeister der Förderbetriebe Niedersachsen an der Übung teil. „Die Koordination einer solch umfangreichen und technisch anspruchsvollen Übung unter der Beteiligung einer so großen Anzahl an Teilnehmern war anspruchsvoll. Doch dank der tatkräftigen Unterstützung aller Beteiligten konnten wir optimale Bedingungen für die Durchführung der Red-Adair-Übung schaffen“, so Koordinator Stephan Reitler.

Übungsteilnehmer in Hitzeschutz-Anzügen am Bohrloch
Übungsteilnehmer in Hitzeschutz-Anzügen am Bohrloch. // RWE Dea

Vier Szenarien

Vor dem Start und während der Übung wurden alle beteiligten Personen von Brandmeister Raimund Taibl im Umgang mit den Löschanlagen unterrichtet und über die Vorgehensweise bei der Simulation instruiert.

Zum Schulungsprogramm gehörten vier Szenarien im Stationsbetrieb, die geschult und geübt wurden:

  1. Schulung an den Red-Adair-Pumpen, Manifolds und Monitoren,
  2. Gewöhnungsübung an einem Monitor zur synchronen Beaufschlagung von kompakten Erdgasfontänen (Zielspritzen),
  3. positionieren von tragbaren Monitoren unter Hitzeschutz Form III, schwerem Atemschutz, geschützt durch Wassersprühstrahlen an der Erdgasaustrittsöffnung und
  4. synchrones Einbringen von Löschwasserstrahlen in eine simulierte kompakte Erdgasfontäne unter Lärmeinwirkung.

Um einen Einsatz unter möglichst realen Bedingungen nachzustellen, wurde die brennende Bohrung durch ein Übungs-E-Kreuz und eine meterhohe Lanze dargestellt. Aufgestellte Lautsprecher erzeugten dabei ohrenbetäubenden Lärm, der bei so einem Brand entstehen kann. Von drei Stellen aus startete die Brandbekämpfung. Durch gezielte, synchronisierte Wasserzufuhr soll im Ernstfall der Brand bekämpft und die hohe Temperatur gesenkt werden. 6.000 Liter Wasser pro Minute pumpt dazu jedes Aggregat dem Feuer entgegen. Zum Vergleich: Der Feuerwehrschlauch an Löschfahrzeugen schafft zwischen 400 und 600 Liter pro Minute. Die Einsatzkräfte konzentrierten die Wasserstrahlen am Brandherd. Es kam zum Einsatz der Kollegen im Hitzeschutzanzug. Sie wagten sich bis zum „Bohrloch“ heran, um dort die Monitor-Wasserwerfer in Position zu bringen. Fünf Minuten Schutz bietet solch ein Anzug bei den dort herrschenden Temperaturen. Nach dem Ausrichten der Wasserwerfer zogen sich die Brandbekämpfer zurück. Mit voller Leistung pumpte jeder Wasserwerfer das Löschmittel zum Brandherd, bis die Übung vom Einsatzleiter beendet wurde.

Die vergangenen Schulungstage machten deutlich, dass die praktische Durchführung einer so komplexen Übung nicht durch bloße Theorie zu ersetzen ist.

Der Umgang mit dem Spezialequipment und die erlernten Abläufe haben alle Beteiligten für den Ernstfall vorbereitet, um die Sicherheit an den Förderbetrieben der RWE Dea weiter zu steigern.

Dipl.-Geol. Heiko Nuß

Löschwasser aus der Luftperspektive
Die Übung fand auf dem Truppenübungsplatz Bergen statt.
 
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