Technik

Quarzit- und Dachschieferaufbereitung im Steinwerk Raumland Böhl

Reibungslose Splittproduktion

Im Steinbruch bei Bad Berleburg wird mitteldevonischer Quarzit bereits seit vielen Jahrzehnten für die Region abgebaut. Das Steinwerk Raumland Böhl existiert seit 1928 und hat unter der Leitung von Hermann Böhl gerade erst im Februar dieses Jahres Umbauarbeiten an der Aufbereitungsanlage abgeschlossen. Metso Minerals (Deutschland) wurde im Dezember 2013 beauftragt, sich an der Planung und Umsetzung der neuen Anlage zu beteiligen.

Im Wesentlichen wurden die Aggregate zur Aufbereitung ausgetauscht, die teilweise schon mehr als drei Jahrzehnte im Einsatz waren und deren Leistung, Wirtschaftlichkeit und Serviceanforderungen nicht länger den betrieblichen Anforderungen gerecht wurden. Metso lieferte nach abgeschlossener Planung ein Komplettpaket aus Siebmaschine, Siebmedien und Brechern (für die sekundäre und tertiäre Brechstufe ). An der Konzeption des neuen Stahlbaus und der Fördersysteme wurde Metso zwar in der Planungsphase beteiligt, die Umsetzung erledigte das Steinwerk Raumland Böhl jedoch in Eigenregie. Der Fokus der neuen Anlage liegt auf der Arbeitsweise der beiden neuen stationären Kegelbrecher: Einem HP3, der das auf 40/200 mm vorgebrochene Aufgabematerial eines Backenbrechers der ersten Brechstufe zu 0/45 bzw. 0/56 mm verarbeitet und einem HP200, der anschließend als Tertiärbrecher (über Dosierförderrinnen beschickt aus unterschiedlichen Silos) die Splittaufbereitung der üblichen Fraktionen 0/2, 2/5, 5/8, 8/11, 11/16 und 16/22 übernimmt.

Zentrale Koordination

Zur Sandabsiebung nahm noch eine neue Siebmaschine (Typ 1Q 4000-1200) von Metso ihren Betrieb auf. Beide Brecher werden von der Leitstelle aus zentral mit jeweils einer IC7000 Advanced Steuerung via Touchscreen-Terminals koordiniert, um Start-/Stopp-Sequenzen auszulösen, einen fortlaufenden Überlastschutz zu sichern, die Temperatur- und Brechspalteinstellung zu überwachen und weitere wichtige Diagnosefunktionen zur Verfügung zu stellen. Der HP3 zeichnet sich durch seine besondere Bauweise aus, die Hermann Böhl bei der neuen Anlage schätzt: „Endlich kommt es bei der Aufgabe des vorgebrochenen Materials im Kegelbrecher nicht mehr zur Brückenbildung – der Tragarm des alten Brechers sorgte regelmäßig für Klemmer und verursachte so manche Stillstände, die wir beim neuen HP3 von vornherein ausschließen konnten.“ Die Vorteile des neuen Kegelbrechers beziehen sich nicht nur auf den offenen Brechraum: Die Brechwerkzeuge sind bei dieser Konstruktion nicht vergossen, sodass ein Wechsel innerhalb von nur drei Stunden möglich ist. Die Wartung des HP3 geht dank aktueller Bauweise auch wesentlich leichter vonstatten. Bei der Demontage sind sämtliche Komponenten von oben oder von der Seite aus zugänglich.

Siebmaschine
Die Siebmaschine von Typ 1Q 4000-1200 wird zur Sandabsiebung eingesetzt.

Deutlich mehr Leistung

Bevor Hermann Böhl sich für diese Anlage entschieden hatte, machte er sich beim deutschen Zuschlagstoff-Produzent ProStein ein Bild von den einzelnen Komponenten, die dort schon seit Längerem im Einsatz sind. Brechversuche mit eigenem Material vor Ort gaben Hermann Böhl die Sicherheit für die nächsten Schritte. Nach erfolgreicher Planung und Einbau sämtlicher Anlagenkomponenten – ein Prozess, der lediglich sechs Wochen dauerte – sowie einer viermonatigen Anlaufphase zeigt sich der Unternehmer heute sehr zufrieden: „Wir haben es mit einer Leistungssteigerung von 10-15 % bei gleicher Antriebsleistung zu tun. Was wollen wir mehr. Dazu kaum noch Stillstandzeiten – das rechnet sich bei uns enorm.“ Die Durchsatzleistung des Sekundärbrechers HP3 erreichte zwischenzeitlich eine Kapazität von 260 t/h, die nachträglich auf 230 t/h gedrosselt wurde. Um eine hinreichende Kubizität zu erzielen, ist die Kombination aus großem Hub und einer entsprechend hohen Drehzahl erforderlich, durch die sich beide Brecher auszeichnen. Hermann Böhl hat mit Metso einen 5-jährigen Servicevertrag (EPP) abgeschlossen und lässt dort alle 1.000 Stunden eine ausführliche Wartung mit Ersatzteilwechsel vornehmen. Die regelmäßige Zustandsanalyse sowie ein ausführlicher Betriebsbericht sind Bestandteil des Wartungszyklus, der dem Werk später einmal bei einem etwaigen Wiederverkauf der Maschinen zugute kommt.

Für Straßen- und Wegebau

Das Steinwerk Raumland Böhl produziert Quarzitsplitt in erster Linie für den Straßenbau, u.a. für Asphalttragschichten. Hinzu kommen Betonsplitte, Mineralgemische und zertifizierte Wasserbausteine für Uferbefestigungen. Zurzeit liefert Böhl auch Mineralgemische für den Wegebau eines großen Windparks in Bad Laasphe. Der Steinbruch in Bad Berleburg fördert neben Quarzit auch noch weitere Qualitäten zutage: Das Werk wird geologisch dem rheinischen Schiefergebirge zugeordnet und produziert im Jahr 70.000 - 80.000 t Dachschiefer (0/200), der im nahe gelegenen hauseigenen Werk Berwilit (Wittgensteiner Blähschiefer) zum Leichtzuschlag Blähschiefer verarbeitet wird. Dieser durchläuft bei Berwilit einen insgesamt 55 m langen Drehofen, in dem das Rohmaterial zunächst bei Temperaturen zwischen 100°C und 600°C getrocknet wird, um anschließend in der zweiten Sektion des Drehofens im eigentlichen Blähvorgang bei Temperaturen um 1.200°C weiterverarbeitet zu werden. Blähschiefer wird neben der Anwendung als Leichtbetonzuschlag auch als Zuschlag für Feuerleichtbetone bis 1.100°C eingesetzt. Zu den weiteren Anwendungen gehören Schüttungen zur Trittschalldämmung und Verlegung von Estrichplatten. Dank hoher Druckfestigkeit kommt dieses Material auch im Brückenbau, der Fertigteilindustrie oder im Fertiggaragenbau zum Einsatz.

Brecher
Der neue Metso-Brecher steigert die Leistung der Anlage deutlich.
 
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