Technik

Bilanz IAA Nutzfahrzeuge 2014

Zwei Wochen Vollgas

Sparsame, emissionsarme Antriebe und vernetzte, intelligente Fahrzeug-Technik: Das waren die Top-Themen der diesjährigen IAA Nutzfahrzeuge in Hannover. Pompös präsentierten sich die Großen der Branche auf raumschiffgleichen Plattformen, die die Besuchermassen anzogen. Abseits des Trubels gab es bodenständige, doch nicht minder innovative Technik zu sehen, die auch unseren Branchen zusagen dürfte. STEINE+ERDEN hat sich umgesehen.

Ein Navi wäre jetzt nicht schlecht: Diesen Gedanken konnte man haben, wenn man sich seinen Weg über die Messestände von Volvo, Scania, Daimler und anderen „Supertankern“ des Nfz-Marktes bahnte. Auf verschlungenen Pfaden ging’s herum um futuristische Zugmaschinen und Motorblöcke, um Multimedia-Wände und Show-Bühnen. Und überall stolperte man über die Begriffe „Effizienz“ und „Vernetzung“.

Keine Frage: Energie zu sparen, hat schon aus Kostengründen einen wachsenden Stellenwert für die Unternehmen der Logistik-Branche. Schön, wenn man mit modernen Antrieben und aerodynamischen Leichtkarosserien zudem noch die Umwelt schont – auch aufs Image muss man ja achten. „Der Euro-VI-Lkw hat so geringe Schadstoffemissionen, dass er völlig zu Recht als ‚Saubermann’ bezeichnet werden darf“, sagte Matthias Wissmann, Präsident des Automobilindustrie-Verbandes VDA bei der Abschluss- Pressekonferenz am 2. Oktober. „Auch bei den vielen Transporter-Neuheiten überzeugten die CO2- und verbrauchs-effizienten Antriebe.“ Entsprechend der Relevanz dieses Themas wurden die Novitäten präsentiert.

Messestand
Sparsam ist zwar die neue Motorentechnik, nicht aber deren Präsentation auf der IAA. // IAA Nutzfahrzeuge 2014

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So auch bei Kögel, dessen Messepräsenz im Zeichen des 80-jährigen Firmen­jubiläums stand. Die neuen Trailer zeigten sich in modernem Design: Tief über die Räder heruntergezogene Wangen etwa und abgerundete Stirnflächen sorgen für Windschnittigkeit und helfen so, Kraftstoff einzusparen. Die Muldenkipper jedoch boten ein gewohnt rustikales Bild – und fristeten daher wohl auch vor der Messehalle ihr Dasein, abseits der großen Besucherströme. Bei diesen Trailern geht es eben weiterhin eher um Robustheit, einfache Wartung und Reinigung statt um Spoiler. Interessantes gab es aber auch hier zu sehen, wie einen neuen, konsequent auf optimale Ladungssicherung hin entwickelten Trailer, in dem Packstücke unterschiedlichsten Formats rutschfrei und fest verzurrt transportiert werden können.

Durchweg heiße Ware

Auch Fliegl Bau- & Kommunaltechnik konzentrierte sich auf die inneren Werte seiner Spezialtrailer. Manches schwere Stahlteil ist leichtem Aluminium gewichen – hier wurde also ebenfalls an der Effizienz-Schraube gedreht. Leichtere (leere) Trailer sparen Sprit und ermöglichen mehr Zuladung bei gleichem Gesamtgewicht.

Star auf dem Fliegl-Stand war indes der „Asphaltprofi Thermo“, ein stark wärmegedämmter Auflieger für den Mischguttransport. So richtig neu ist der zwar nicht, erhielt kürzlich aber eine frische Politur durch eine Untersuchung der TU Darmstadt. Die hat nachgewiesen, dass in dem Trailer das heiße Mischgut von der Beladung bis zur Verarbeitung auf der Straße gleichmäßig temperiert wird. „Mit ‚kalten Nestern‘ und Entmischungen in der Asphaltsubstanz – Hauptursachen für spätere Straßenschäden – macht der Asphaltprofi nachweislich Schluss“, berichtete Verkaufsleiter Martin Fliegl. „Außerdem kann man den Auflieger rückstandslos entladen, selbst bei sehr klebrigem Transportgut.“ Wie war die Messe-Resonanz darauf? „Sehr gut, es gab mehr qualifizierte Nachfragen als früher“, freut sich Fliegl, obwohl dessen Stand nicht leicht zu finden war. „Trotzdem bin ich froh, dass bald Schluss ist. Die IAA ist doch arg lang.“

Asphaltmulde
Außen kühl, innen heiß: Der Asphaltprofi Thermo hält dank stark isolierender Wärmedämmung das Mischgut lange auf Temperatur.

An die Kette gelegt

Da war er sich mit Alexander Hoffmann einig. Ein paar Stände von Fliegl entfernt präsentierte der Produktmanager die Kettensysteme der Firma RUD und resümierte ebenfalls, dass die Messe „ruhig zwei, drei Tage kürzer hätte sein dürfen.“ Über mangelndes Interesse konnte aber auch RUD sich nicht beklagen. Die Rad- und Zurrketten des Hauses sind vielfach bei Erdbaumaschinen und deren Transport bewährt. Auch Neues haben Hoffmann und Kollegen mitgebracht: Eine Ladungssicherungs-App hilft bei Auswahl und Dimensionierung der geeigneten Zurrmittel. Sie misst die Vertikal- und Horizontalwinkel  und nennt nach wenigen Schritten die benötigte Zahl und Art der Zurrmittel. Ebenfalls neu  bei RUD: ein um 360 Grad dreh- und um 180 Grad klappbarer Anschlag-Zurrpunkt für Zugkräfte bis 20.000 daN sowie ein Knebelspanner als kostengünstige Alternative zum üblichen Ratschenspanner.

Bagger
Zurrketten von RUD halten selbst schwere Baumaschinen beim Transport im Zaum.

Alles im Rundum-Blick

Um Sicherheit ging es auch bei Brigade Elektronik. Wie schon auf der steinexpo 2014, wo das Unternehmen zu den Standpartnern der BG RCI gehörte, präsentierte Vertriebs- und Marketingleiter Jochen Lanio neue, intelligente Kamera- und Radar-Lösungen für Nutzfahrzeuge. Das Kamera-Monitor-System Backeye 360 bietet dem Fahrer einen totwinkelfreien Rundumblick um sein Vehikel.

Die Echtzeitbilder dafür liefern vier Ultra-Weitwinkel-Kameras an Front, Heck und Seiten. Der Computer errechnet daraus eine Rundumsicht in Vogelperspektive, in der der Fahrer auf einem Display stets sehen kann, ob er freie Fahrt hat. Das Radar-System Backsense erfüllt einen ähnlichen Zweck, nur eben kamera- und bildlos. „Die Systeme stießen auf großes Interesse“, berichtete Jochen Lanio, „denn mit ihnen können Unternehmer wichtige Unfallursachen in den Betrieben abstellen.“

Die Firma Motec hat zwar kein Radar im Programm, schlägt aber mit ihren Kamera-Systemen in dieselbe Kerbe wie Brigade. Auf der IAA bot Motec seinen Besuchern an, die computergenerierte Rundumsicht an einem Elektrofahrzeug auf dem Freigelände selbst zu testen.

Wie auch bei Brigade funktioniert die Technik verblüffend gut: Mag das Fahrzeug noch so unübersichtlich sein – in der Vogelperspektive entdeckt man jedes Hindernis und jeden Passanten in weitem Umkreis. „Von der Unfallverhütung abgesehen hat so ein System noch einen weiteren Vorteil“, berichtet  Michael Rauth vom Motec-Vertrieb: „Die Fahrten werden aufgezeichnet, sodass es möglich ist, die Bilder zur Klärung irgendwelcher Streitfragen heranzuziehen.“

Virtuelle Welten, intelligente Technik: Auch in den Steine-Erden-Branchen hat das digitale Zeitalter Einzug gehalten. Die IAA Nutzfahrzeuge, so effektheischend sie sich mittlerweile inszeniert, hat gezeigt, dass das von praktischem Nutzen ist. Nicht nur für die Efiizienz der Betriebe – vor allem für die Sicherheit am Arbeitsplatz.

Markus Hofmann
Redaktion STEINE+ERDEN

Display einer Kamera
Stopp, da steht einer! Neue Fahrassistenten verhindern Unfälle dank computergenerierter Rundumperspektive. // BG RCI (3)