Technik

Kühle Schönheit für edle Tropfen

Das Weingut Bietighöfer im Südpfälzer Städtchen Billigheim-Ingenheim brauchte eine neue Kelterhalle. Das Büro „burkhard architekten“ aus Landau/Pfalz schuf ein Gesamtkonzept, das neben der Kelterhalle und einer – für 2014 geplanten – Vinothek  auch die Erneuerung der Außenanlagen, der Wirtschaftshöfe und der Außenwände von Teilen des Bestands vorsah. Alle Neubauten bestehen aus Sichtbeton. Die Außenwände des Tanklagers sind – als gestalterischer Kontrapunkt zum Beton – mit 4 x 1,25 Meter messenden Cortenstahlplatten verkleidet. Die Kelterhalle selbst ist ein rechteckiges Gebäude von 21 x 13 Metern Grundfläche, dessen Dachhöhe sich mittig mit einer Stufe von 1,50 Meter zur Nachbarseite absenkt. Durch diese Höhenentwicklung integriert sich der Kubus dynamisch ins Ensemble des Guts und des Ortskerns. In die obere Abstufung der Dachfläche ist zudem ein durchgehendes Lichtband integriert, das für eine ausreichend natürliche Belichtung der Halle sorgt. Ein über Eck laufender, festverglaster Sichtschlitz gibt Besuchern von der davor liegenden Terrasse Einblick in die Produktionsstätte.

Halle
Museum für moderne Kunst? Designmöbelhaus? Weder noch. Hinter Sichtbeton und Cortenstahl reift der Traubenmost des Weingutes Bietighöfer.  // Fotos: burkhard | architekten, Hans-Georg Merkel, Beton-Bild

Robust und klimatisch ideal

Da das Gebäude optisch außen und innen identisch sein sollte, der Bau aber strengen klimatischen Anforderungen (im Winter min. +4 C°, im Sommer max. +23C°) genügen muss, kam eine additive Dämmung nicht in Frage. Wände und Deckenplatten bestehen daher aus bewehrtem LC 25/28 Leicht-/Dämmbeton. In der gewählten Rezeptur und Dimension erreichen die Wände und Decken einen Wärmedurchgang von 0,5 W/mK bei einer Rohdichte von 1,4 und können damit die geforderten Werte erzielen. Die Bodenplatte besteht aus 30 cm starkem, bewehrtem C 30/37 Beton. Als Schalung kamen Schaltafeln aus Vollkunststoff in einer Größe von 2,70 x 2,40 Metern zum Einsatz. Betoniert wurde direkt auf die volle Höhe von 5,20 Metern (Westseite) bzw. 6,85 Metern (Ostseite). Gefüllt wurde der Beton mittels Kübeln und Schüttrohr und nach je 60 bis 80 cm Füllhöhe in einem sehr geringen Abstand mittels Rüttelflasche verdichtet.

Die beiden abgestuften Deckenplatten sind ebenfalls in 35 cm Dicke ausgeführt und mit der gleichen Schalung erstellt. So erhalten alle Wandflächen des Gebäudes den gleichen Charakter. Die Dachflächen werden über jeweils zwei Flachdacheinläufe entwässert, der Beton wurde dafür nur leicht ins Gefälle gezogen, grundiert und mit einer Dichtschlämme beschichtet. Eine Attika im klassischen Sinne wurde bewusst nicht ausgebildet.

Ein in die Dachfläche integriertes Lichtband lässt viel Tageslicht in die Halle.
Ein in die Dachfläche integriertes Lichtband lässt viel Tageslicht in die Halle.
 
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