Arbeitssicherheit

Krank vom Asbest – wer hat Schuld?

Nach wie vor fordert der einst als „Mineral der tausend Möglichkeiten“ bezeichnete Asbest zahlreiche Todesopfer. Laut DGUV starben in Deutschland im Jahr 2012 etwa 1.500 Versicherte aufgrund einer anerkannten asbestbedingten Berufskrankheit. Das sind rund zwei Drittel aller Todesfälle durch Berufskrankheiten. Zu der seit einiger Zeit erhobenen Forderung nach einer Beweislastumkehr bei Verdacht auf eine asbestbedingte Berufskrankheit hat nun die Bundesregierung in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage Stellung bezogen.

Beweislastumkehr löst nicht jedes Problem

Asbest wird angesichts der langen Latenzzeiten weiter aktuell bleiben. Experten schätzen, dass bis zum Jahr 2020 europaweit mit 500.000 Toten zu rechnen ist. Entsprechend ist das Thema Asbest für die gesetzliche Unfallversicherung sehr wichtig, auch im Hinblick auf die Kriterien einer Anerkennung. Die Frage, ob es sich bei einer individuellen Erkrankung um eine Berufskrankheit handelt, ist häufig strittig.

Doch nur in diesem Fall dürfen die Berufsgenossenschaften entschädigen. Daher gibt es seit einiger Zeit Vorstöße, eine Beweislastumkehr im Falle von Asbest einzuführen. Dies würde bedeuten, dass die Pflicht zum Nachweis einer Berufskrankheit vor Gericht künftig nicht mehr wie bislang beim Beschäftigten läge, sondern die Unternehmensseite das Gegenteil beweisen müsste.

In einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen (BT-Drucksache 17/14465) weist die Bundesregierung nun auf die in der Praxis umgesetzten Beweiserleichterungen hin, die „nach Auffassung der Bundesregierung ausreichen, um die im Einzelfall bestehenden Feststellungsschwierigkeiten zu überwinden“.

Mehr Transparenz bei der Anerkennung

Auch aus Sicht der DGUV ist die Beweislastumkehr nicht zielführend. Für Versicherte, bei denen die Expositionsverhältnisse eindeutig belegbar sind, entstehen durch eine Beweislastumkehr unter Umständen Nachteile. Die Ausgangslage für Versicherte mit dokumentierter Exposition wäre je nach Fall sogar schwieriger. „Vielmehr ist es entscheidend, noch stärker einheitliche Kriterien zur Entscheidung über die Anerkennung von Berufskrankheiten anzuwenden“, so Dr. Joachim Breuer, Hauptgeschäftsführer der DGUV. Dazu leistet die DGUV beispielsweise mit der „Empfehlung für die Begutachtung asbestbedingter Berufskrankheiten – Falkensteiner Empfehlung“ einen wichtigen Beitrag. Sie richtet sich vor allem an ärztliche Sachverständige und soll für mehr Transparenz sorgen.

www.dguv.de/kompakt

Asbestentsorgung mit Vollschutzanzügen
Asbest ist – obwohl in Deutschland seit 1993 verboten – immer noch allgegenwärtig. Und somit nach wie vor ein häufiger Auslöser folgenschwerer Berufskrankheiten.
 
Weitere Informationen

dguv-Logo