Unternehmensführung

Raus aus dem Einzelkampf – rein in die Mannschaft!

Firmen mit Teamgeist arbeiten nicht nur besser, sind flexibler und beliebter beim Kunden. Wo die „Chemie“ stimmt, wird einer Untersuchung zufolge auch bis zu einem Drittel mehr Gewinn gemacht. Doch – wie macht man aus vielen Solis­ten im Betrieb ein leistungsfähiges Orchester? Ein paar Takte, worauf es beim „Teambuilding“ ankommt.

Das Betonwerk Beispielmüller ist ein Musterbetrieb, wie es ihn landauf, landab in vielen Variationen gibt. Der Chef, Björn Beispielmüller, ist praktisch im Unternehmen aufgewachsen. Schon sein Vater Bruno und der Gründer, Großvater Berthold, leiteten den Betrieb. Kein Wunder, dass Björn Beispielmüller alle Kunden, alle Abläufe und alle fachlichen Kniffe kennt. Chef Björn ist die zentrale Schaltstelle: Er verhandelt mit den Auftraggebern, plant Projekte, teilt allen Mitarbeitern ihre Arbeit zu und legt auch selbst Hand an. Und wenn einer seiner zwölf Mitarbeiter, von den zwei Vorarbeitern über die Sekretärin bis zum Azubi, ein Problem hat – kommen sie zu ihm und er löst es.

Klar, dass Beispielmüller eine 60-Stunden-Woche hat – aber ihm macht die Arbeit Spaß und die Firma steht gut da. Bis zu jenem Februarsonntag, an dem Björn Beispielmüller einem seiner wenigen Hobbys, dem Skifahren, nachgeht und auf eisiger Piste unglücklich stürzt: Mit dem Schlüsselbein- und Beckenbruch, den er sich dabei zuzieht, fällt er sechs Wochen komplett aus – und das kurz vor dem Start in die Bausaison.

Die Belegschaft ist im wahrsten Sinne kopflos und agiert auch so. Weil keiner in der Planung den Überblick hat, werden Termine verschwitzt. Lieferungen werden zu spät bestellt und kommen nicht rechtzeitig an. Der Chef fehlt hinten und vorn. Die Zahl der unzufriedenen Kunden steigt. Und als dann ein Bauträger einen sicher geglaubten Großauftrag aufgrund der schlechten Erfahrungen der letzten Wochen doch nicht erteilt, steht der Betrieb vor einer echten Krise.

Was tun? Im besten Fall zieht Björn Beispielmüller für die Zukunft daraus Konsequenzen. Mit einer Betriebsstruktur, die ihn entlastet und auch mal entbehrlich macht. Die seine Wochenarbeitszeit langfristig verkürzt. Und mit der sich der Betrieb aufgrund seiner Mannschaftsleistung flexibler und auch kundenorientierter aufstellt.

Der Weg zum Team ist ein Prozess

Zugegeben, unser Beispiel ist konstruiert. Es muss nicht immer gleich ein Unfall sein, der einem Betrieb das Dilemma des Einzelkämpfertums vor Augen führt. Manchmal genügt auch schon der Wunsch des Betriebsinhabers nach mehr Freizeit oder der eine Aufreger zuviel über Mitarbeiter, die sich unselbstständig und hilflos beim Kunden verhalten.

Dann stellt sich die Frage: Wie bringt man alle in ein Boot und das betriebliche Schiff auf einen neuen Kurs, in dem jeder Einzelne viel vom Ganzen im Blick hat?

Antwort: Man formt eine echte Mannschaft. Neudeutsch heißt das „Teambuild­ing“ und wird in allen Bereichen der Wirtschaft als ein wesentlicher Erfolgsfaktor gehandelt. Übertragen lässt es sich auch auf kleine und mittlere Betriebe. Der Weg zu echter Teamleistung ist ein langfristiger Prozess, der mit jedem Arbeitstag wächst. Garantiert vorbeikommen sollten Sie dabei an diesen Stationen:

Team heißt – Ziele klar formulieren und Leistung daran messen

Bei betrieblichen Teams ist es wie in jeder anderen Gruppe: Es braucht gemeinsame Maßstäbe, an denen sich der Einzelne orientieren und die Gemeinschaft wachsen kann. Ein Wanderclub beispielsweise hat vorher festgelegt, wohin die nächste Bergtour gehen soll, in welcher Zeit man den Aufstieg bewältigt haben will, um rechtzeitig zum Essen in der Hütte zu sein, das selbstredend eines der Mitglieder bereits organisiert hat. Klar, dass man sich so auf der Strecke gegenseitig anspornt.

Auch die anderen Wanderfreunde haben ihre Aufgaben – der eine besorgt die Buskarten für die gemeinsame Fahrt, der nächste hat das Kartenmaterial dabei und der dritte hat an den Erste-Hilfe-Kasten gedacht.

Ähnliches gilt für das Team in Betrieben jeder Größe. Sie als Führungskraft geben die Ziele vor – präzise, messbar und begreifbar. Und die reichen von grundsätzlichen Dingen, wer im Team genau welche Aufgabe zu erfüllen hat, bis hin zu einzelnen Auftragszielen. Hier sind allgemeine Vorgaben zu von Ihnen gewünschten Qualitätsstandards bis hin dazu, wann und in welcher Art ein Auftrag fertig gestellt werden muss, einzubeziehen.

Wichtig: Formulieren Sie die jeweiligen Maßstäbe genau – und terminieren Sie, wann das jeweilige Ziel erreicht werden soll. Dann erst können sich die Teammitglieder daran messen. Noch wichtiger: Teilen Sie Ihre Ziele verständlich und eindeutig mit. Womit wir bei Punkt 2 des Teambuildings wären:

Team im Betrieb
Zusammen geht alles besser – keiner kämpft allein!

Team heißt – sich offen austauschen und klar informieren

Bewundernswert, wenn ein Chef oder auch Teamleiter alle Details eines Auftrags im Kopf hat. Beklagenswert, wenn die untergeordneten Mitarbeiter davon keinen blassen Schimmer haben. Denn dann machen sie mangels Hintergrundinformationen Fehler oder sind so verunsichert, dass sie keinerlei Verantwortung übernehmen – aus Angst vor Fehlern. Der gezielte Austausch von Informationen in beide Richtungen ist das A und O in einem funktionierenden Team. Dazu gehört, dass die Führungskraft alle wichtigen Aspekte einer anstehenden Aufgabe weitergibt.

Andersherum heißt das auch, dass die Mitarbeiter der Führungskraft ihre neuen Erkenntnisse, wie sich ein Auftrag entwickelt, rückmelden. Doch keine Bange vor ausufernden basisdemokratischen Diskussionsrunden – das ist nicht Sinn der Sache. Die Mitarbeiter sollen nicht die Entscheidungen des Chefs bewerten oder gar in Frage stellen. Mit einer straffen Gesprächsführung („Folgendes steht an… Das müssen Sie dazu wissen… Gibt es konkrete Fragen dazu?“) halten Sie die Teambesprechungen kurz und aufs Wesentliche konzentriert. Und schaffen sich eine entscheidende Voraussetzung für die dritte Facette des Teambuildings:

Team heißt – Verantwortung übergeben und in die Verantwortung nehmen

Keine Frage – jeder Chef ist im Angesicht des lockenden persönlichen Zeitgewinns froh, wenn er Aufgaben delegieren kann und sie bei fähigen Mitarbeitern gut aufgehoben weiß. Delegieren heißt jedoch nicht, Aufgaben einfach nur weiterzuschieben. Es heißt auch, den jeweiligen Mitarbeitern die Verantwortung zu übergeben und ihnen eine selbstständige Bearbeitung zuzugestehen.

Delegieren an Teams hat hier den klaren Vorteil, dass eine Aufgabe entsprechend den Stärken der Gruppenmitglieder auf mehrere Schultern verteilt werden kann. Jeder Einzelne in die Verantwortung genommene hat dann ein Interesse, dass auch sein Nebenmann (oder seine Nebenfrau) seinen Teilbereich gut und pünktlich erledigt. Unbenommen bleibt dabei der Führungskraft, die Erledigung der Teilziele zu kontrollieren.

Insgesamt ist das eine anspruchsvolle Aufgabe, die man am besten an kleineren Projekten einübt – schließlich muss trainiert werden, welche Koordination und Organisation hier am besten funktioniert. Von vorneherein sicher ist, dass die Mehrheit der Teammitglieder durch mehr übertragene Verantwortung auch mehr Anerkennung ihrer Arbeit empfinden – und das motiviert. Ein wichtiger Aspekt  übrigens, wie der vierte Baustein zeigt, der im Teambuilding nicht fehlen sollte:

Team heißt – durch Anreize motivieren

Wer seine Sache gut macht, macht sie das nächste Mal noch besser, wenn er belohnt wird. Denken Sie dabei nicht gleich an Prämien, Lohnextras und Co. Beherzigen Sie zunächst – die ungemeine Wirkung des guten alten Lobs.  Ein begründetes „Prima Arbeit – danke für Ihren Einsatz!“ hat sich verdient, wer Zielvorgaben mit guter Leistung termingerecht erfüllt, und das durchaus mehr als einmal im Jahr. Auch lobende Worte, die Sie vom Kunden für Teamleistungen erhalten, sollten Sie an Ihre Mitarbeiter weitergeben.

Natürlich können Sie auch weitere Anreizsysteme fürs ganze Team aussetzen: etwa ein Budget für den Besuch von Fachevents oder Weiterbildungsangebote, die sich das Team verdienen kann, aber auch die Anerkennung von Einzelleistungen herausragender Mitarbeiter.  Richtig angewandt motiviert auch das die anderen zu mehr Einsatz. Also – alles Friede, Freude, Eierkuchen? Wie das Leben ist auch ein Team kein Ponyhof. Womit wir bei Station 5 wären:

Team im Betrieb
Die Aufgaben entsprechend der Stärken der Gruppenmitglieder zu verteilen, entlastet auch den Chef. // Fotos: BG RCI

Team heißt – Probleme angehen und Konflikte bewältigen

Eine der schönsten Eigenschaften eines Teams ist, dass man sich hier gegenseitig motiviert und insgesamt eine Leistungssteigerung erzielt. Doch Fakt ist auch: In fast jeder Gruppe gibt es Einzelne, die das Leistungsniveau nicht halten können oder wollen. Hier ist die Führungskraft besonders gefordert. Frühzeitig sind hier Vier-Augen-Gespräche angezeigt.

Besteht ein Konflikt im Team, unter dem dieser Mitarbeiter leidet? Fühlt er sich überfordert – und mit welchen Weiterqualifikationen lässt sich das ändern? Oder benötigt der Mitarbeiter genauere Verhaltensanweisungen als die anderen? Das sollte im Mitarbeitergespräch herausgefunden und entsprechende Maßnahmen vereinbart werden.

Auch hier ist man als Chef mehr Coach und Berater – und natürlich auch Controller. Ob dieses Teammitglied die gewünschten Fortschritte macht, sollte selbstredend fair und in vereinbarten Abständen überprüft werden. Denn schließlich gilt:

Team heißt – lernen und wachsen

Mitarbeiter, auf die man sich verlassen kann – ein Betriebsklima, in der die Arbeit Spaß macht – mehr Chefzeit für echte Chefaufgaben – und Kunden, die begeis­tert sind von einer Firma, in dem auch der junge Mitarbeiter ein kompetenter Ansprechpartner ist: So ein Team verspricht nicht nur Chefs wie Björn Beispielmüller eine angenehme und erfolgreiche Zukunft. Wie Rom wird ein Team natürlich nicht in einem Tag gebaut – und vor allem die treibende Kraft dahinter, der Betriebsinhaber, benötigt dazu das Wissen um die wesentlichen Team-Führungswerkzeuge.

Die lassen sich erlernen – so in den Führungsseminaren, die die Trainerin Andrea Eigel (www.andreaeigel.de) anbietet. In ihrem Kurs „Führen, fordern, fördern – effektive Mitarbeiterführung“ zeigt die  Expertin handfeste, genau auf die Gegebenheiten in kleinen und mittleren Betrieben zugeschnittene Strategien auf, die direkt umgesetzt werden können.

Grafik: stilisierte Mitarbeiter fügen Puzzlestücke zusammen
Jedes Teammitglied bringt seine Stärken ein. // Foto: fotolia
 
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