Arbeitssicherheit

Unfall am Kübelaufzug: Glück im Unglück

Im Sommer 2012 kam es in einem Betonwerk in Niedersachsen zu einem Unfall an einem Kübelaufzug. Der betroffene Mitarbeiter hatte Glück im Unglück und erlitt nur Abschürfungen und Prellungen.

Für die Beschickung von Betonmischanlagen mit Zuschlagsstoffen werden Kübelaufzüge eingesetzt, wenn auf Grund der Anlagenbauweise Höhenunterschiede überwunden werden müssen. Diese Kübel werden in der Regel über Förderbänder mit dem notwendigen Material beschickt und auf einer fest installierten Laufbahn zum höher gelegenen Mischerverfahren.

Das Verfahren der Kübel geschieht in der Regel mit Hilfe eines Stahlseiles. Das Seil verläuft von einer elektrisch angetriebenen Winde über eine Umlenkrolle am Kübel wieder zu einem festen Anschlagpunkt neben der Trommel. Die Winde ist oberhalb der Kippstelle des Kübels eingebaut.

Der Kübel wird in diesem Fall in einem Keller befüllt. Dort wird das Material von der Seite über ein Förderband in den Behälter geladen. Während dieses Vorgangs fällt immer wieder Material herunter und sammelt sich unterhalb des Kübels an. Dieses Haufwerk wächst in der Folge weiter an, bis der Kübel auf diesem aufsetzt. Dadurch kann der Behälter seinen eigentlichen Endpunkt nicht erreichen. Das Stahlseil senkt sich aber weiter ab und springt dann von der Umlenkrolle. Ein Verfahren ist nun nicht mehr möglich ohne das Seil oder dessen Aufnahme zu beschädigen.

Dies geschah auch im betroffenen Werk und führte zum Ausfall der Anlage. Zur Beseitigung dieser Störung musste das Seil schnell wieder auf die Rolle aufgefädelt werden.

Dazu war es nötig, das Seil erst kurz herunterzufahren, um es unterhalb der Rolle zu positionieren. Anschließend sollte das Seil wieder hochgefahren werden, damit es sich kraftschlüssig um die Führungsrolle legt. Ein Mitarbeiter begab sich daraufhin in den Bereich zwischen Kübel und Rückwand der Kübelbahn, um das Seil per Hand zu positionieren.

Die Bedienung der Trommel übernahm ein Kollege. Da die automatische Steuerung der Anlage bei Störungen nicht im Handbetrieb gefahren werden konnte, begab sich der Kollege in den Schaltschrank, wo er den Kübel ansteuern wollte.

Weil es zwischen Kübel und Schaltschrank keinen Sichtkontakt gab, wurde auf Zuruf gearbeitet. Der Kollege verwechselte unglücklicherweise die Schaltschütze und fuhr das Seil nach oben statt nach unten. Dadurch verfing sich das Seil im Rahmen, mit dem die Führungsrolle am Kübel befestigt ist und bewegte den Kübel nach oben.

Der Mitarbeiter hinter dem Kübel versuchte nun an der Schrägwand aus dem Gefahrenbereich zu flüchten, um nicht zwischen Kübel und Wand eingeklemmt und gequetscht zu werden. Seine lauten Hilferufe wurden rechtzeitig vom Kollegen im Schaltschrank gehört und der Kübel wurde schnell gestoppt. Dennoch erlitt der Mitarbeiter Abschürfungen, leichte Quetschungen und einen Schock.

Dieser Unfall konnte nur passieren, weil hier mehrere Faktoren gleichzeitig eintraten. Diese Faktoren lassen sich in technische, organisatorische und personelle unterteilen.

Aus technischer Sicht läuft die Kübelbahn im Regelbetrieb einwandfrei. In diesem Fall handelt es sich aber um eine ungeplante Reparatur, die einen Handbetrieb erfordert.

Die vorhandene Anlagensteuerung bietet keine Möglichkeit, bei einer solchen Störung mit Sichtkontakt zum Kübelaufzug im Handbetrieb gefahren zu werden.

Sichtkontakt muss aber gewährleistet sein. Die Installation eines  Reparatur- oder Wartungsschalters vor Ort sowie die genaue Beschriftung der Bedienelemente im Schaltschrank ist hier zweckmäßig. Weitere technische Maßnahmen zur Vermeidung dieser Art von Störung sind:

Zu den organisatorischen Maßnahmen gehört an erster Stelle eine regelmäßige, in kurzen Intervallen wiederkehrende Inspektion der Einrichtungen vor Ort, inklusive notwendiger Reinigungsarbeiten an der Kübelbahn. So werden Mängel schon während der Entstehung frühzeitig sichtbar und können vorbeugend abgestellt werden.

Ergänzt wird das durch eine vor Ort befindliche Gefährdungsbeurteilung, die sich nicht nur auf den Regelbetrieb beschränkt, sondern genaue Beschreibungen zu Wartungs- und Reparaturarbeiten enthält.

Unmittelbar vor der Aufnahme von speziellen Tätigkeiten, die selten durchgeführt werden, einen hohen Aufwand erfordern und besondere Gefährdungen aufweisen, müssen die betroffenen Mitarbeiter eine spezielle Unterweisung dazu erhalten.

Alle Mitarbeiter, die an solchen Arbeitsplätzen eingesetzt werden, müssen regelmäßig unterwiesen und über die Ge- und Verbote unterrichtet werden. Dabei sollten die Fähigkeiten der einzelnen Personen berücksichtigt werden. Der verunfallte Mitarbeiter hat hier eigenmächtig gehandelt, um den Betrieb vor einem längeren Ausfall der Produktion zu bewahren. Das Ergebnis war das genaue Gegenteil.

Elmar Neuhaus, BG RCI

Situation am Unfallort.
Situation am Unfallort.
Position des Mitarbeiters.
Position des Mitarbeiters. // Fotos: Neuhaus, BG RCI