Arbeitssicherheit

Experten aus 29 Ländern planen in Moskau Zukunft der Prävention

Welche Antworten benötigen Träger der sozialen Sicherheit zu Herausforderungen aus der Globalisierung, dem demografischen Wandel und Einflüssen aus Wirtschaftskrisen? Wie begegnen sie den Risiken neuer Technologien, welche Modelle helfen, psychische Erkrankungen zu vermeiden? Damit beschäftigten sich mehr als 100 Experten aus 29 Nationen in Moskau. Eine neue Richtlinie, mit der die operative und administrative Qualität der Prävention international auf einen hohen Qualitätsstandard gehoben werden soll, stand ebenfalls im Fokus.

Das aktuelle, auf mehrere Jahre angelegte Arbeitsprogramm der IVSS ist auf „dynamische soziale Sicherheit“ ausgerichtet. Im Vordergrund steht dabei die „präventive soziale Sicherheit“ mit der Investition in Menschen.

Die Ausrichtung berücksichtigt aktuelle Herausforderungen wie die Globalisierung, den demografischen Wandel, Einflüsse von Wirtschaftskrisen, neue Technologien wie Nanomaterialien sowie die ganzheitliche Betrachtung von arbeitsbezogenen und umgebenden Faktoren wie die psychische Gesundheit. Die IVSS-Präventionsstrategie fußt dabei auf den Säulen Risikomanagement, Gesundheitsförderung und „Return-to-work“-Maßnahmen, mit denen die Rückkehr ins Arbeitsleben gefördert werden soll.

Als wichtigen Meilenstein in der Entwicklung von Strategien und Lösungen hierzu behandelte das internationale Seminar zum Thema „Prävention von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten – Förderung der Beschäftigung und Aktivität“ der IVSS im Oktober 2012 in Moskau die Aspekte Gesundheits- und Beschäftigungsförderung. Ein Kernthema war die Vorstellung und Diskussion des Entwurfs einer neuen internationalen Richtlinie für Prävention.

Workshop
Von wirksamer Prävention profitieren alle Akteure: ISSA Mining-Generalsekretär Helmut Ehnes (rechts) diskutierte den Entwurf der ISSA Guidelines on Prevention intensiv mit internationalen Experten.

Neue Richtschnur

Als wesentliches Element ihrer zukünftigen Aktivitäten entwickelt die IVSS derzeit  Richtlinien zu Schlüsselbereichen der sozialen Sicherheit. Diese Leitfäden sollen die substantielle Basis für ein neues Exzellenzcenter der IVSS bilden, das Sozialversicherern weltweit systematisch dabei helfen will, den bestmöglichen Effizienzstandard zu erreichen. Die Richtlinien für höchste operative und administrative Qualitätsstandards richten sich als Orientierungshilfe an die leitenden Mitarbeiter und Kontrollorgane von Organisationen der sozialen Sicherheit.

Dabei sollen acht Richtlinien die Kerngeschäftsfelder von Sozialversicherungsträgern auf ein neues Niveau heben, einen Mehrwert der IVSS-Tätigkeiten bieten und eine wichtige Quelle praktischer Anleitungen bereitstellen. Nach der Veröffentlichung der IVSS-Richtlinien zu „Good Governance“ und zur Anlage von Vermögenswerten der sozialen Sicherheit wurden in Moskau die „Return-to-work“-Richtlinie und der Entwurf der Richtlinie Prävention (ISSA Guidelines on Prevention) vorgestellt und diskutiert.

Helmut Ehnes (ISSA Mining/BG RCI) stellte die von ihm gemeinsam mit Dr. Sven Timm (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung) entwickelten „ISSA Guidelines on Prevention“ vor. Ehnes erläuterte, dass sich die Guidelines an Sozialversicherungsträger weltweit richten und grundsätzliche strategische Überlegungen zur Prävention und ihrem Nutzen zusammenfassen. Den Kern des Papiers bilden daneben 43 kompakte Guidelines, die handlungsorientiert und praxisgerecht aufzeigen, wie und durch welche Akteure Prävention optimal organisiert werden kann.

Neben grundsätzlichen organisatorischen Aspekten wie der Schaffung eines rechtlichen Rahmens und der Bereitstellung von Ressourcen thematisieren die Guidelines Aspekte wie Anreizsysteme, zielgerichtete Information und Kommunikation, und die Gestaltung von Beratung und Überwachung von Unternehmen.

Nach Erläuterung der Struktur und Überlegungen zu den Guidelines diskutierten internationale Präventionsexperten intensiv in einem Workshop. Struktur und Inhalte fanden großen Anklang bei den Fachleuten. Die Analyse und Bewertung bestätigte, dass der Entwurf geeignet ist, die ambitionierten Ziele der ISSA nachhaltig zu unterstützen.

Nach einem Praxistest als nächstem Schritt ist die Veröffentlichung für 2013 vorgesehen.

Folie aus Präsentation zeigt Regelkreis
Die ISSA Guidelines on Prevention zeigen, wie Prävention systematisch und wirksam organisiert werden kann.
Seminar zur Prävention von arbeitsbedingten Unfällen und Erkrankungen in Moskau

„Aus Sicht der IVSS sind Beschäftigung und Aktivität wegweisend für den wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt von Gesellschaften und damit auch für die Programme der sozialen Sicherheit“, erklärte Hans-Horst Konkolewsky, Generalsekretär der Internationalen Vereinigung für soziale Sicherheit (IVSS) bei der Eröffnung des internationalen Seminars für die Prävention von arbeitsbedingten Unfällen und Erkrankungen am 18. Oktober in Moskau. „Für die soziale Sicherheit ist es deshalb von entscheidender Bedeutung, Beschäftigung und Aktivität in der Gesellschaft durch Aufrechterhaltung der Erwerbsfähigkeit und Investitionen in die Entwicklung von Humankapital zu fördern“.

Die IVSS veranstaltete das internationale Seminar gemeinsam mit dem Sozialversicherungsfond Russland als Gastgeber. Im Fokus standen die Potentiale und Methoden der Reintegration von Arbeitnehmern nach Unfällen, die Prävention arbeitsbedingter Erkrankungen und die verlängerte Teilnahme am Arbeitsleben als aktuelle Herausforderungen an Sozialversicherungen in vielen Staaten. Themen waren unter anderem die ISSA Guidelines zur Prävention und zum Thema "Return to work" sowie die Beschäftigungsförderung durch frühe Intervention bei Erkrankungen und wirksame Rehabilitation. An einem runden Tisch wurden die Möglichkeiten von Anreizsys­temen in der Prävention diskutiert. Das russische Sozialversicherungssystem etwa bietet Arbeitgebern die Möglichkeit, bis zu 20 Prozent ihrer Versicherungsprämien in Präventionsmaßnahmen am Arbeitsplatz zu investieren.

Gemeinsam identifizierten die Teilnehmer eine Reihe von möglichen Anreizen und Strategien, um die Beschäftigungsfähigkeit der Versicherten durch Prävention und Rehabilitation zu fördern und dadurch zur Nachhaltigkeit von Sozialversicherungssystemen beizutragen – mit direkten Vorteilen für die Gesellschaft und Wirtschaft.

Die Veranstaltung richtete sich primär an Geschäftsführer und Vorstände sowie Experten von Sozialversicherungsträgern und führte mehr als 100 hochrangige Teilnehmer aus 29 Nationen zusammen, unter Ihnen Andrey Pudov, stellvertretender russischer Minister für Arbeit und Soziales und Sergey Afanasiev, Präsident des russischen Sozialversicherungsfonds.


Hans-Horst Konkolewsky

„Die Förderung von Beschäftigung und Beschäftigungsfähigkeit ist von hoher Bedeutung für die Sozialversicherung." Für IVSS-Generalsekretär Hans-Horst Konkolewsky (links) steht der soziale und ökonomische Fortschritt mit im Fokus der Sozialversicherung. Mit acht praxisorientierten Richtlinien will die IVSS dies unterstützen.

Fotos: Dmitry Ternovoi/Social Insurance Fund, Russian Federation

 
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