Industrienachrichten

Branchengerechte Lösung bei CO2-Reduktion

In den vergangenen zehn Jahren hat die europäische Baumaschinenindustrie die Effizienz ihrer Maschinen und Prozesse stetig verbessert und den Treibstoffverbrauch und die Emissionen der Maschinen konsequent gesenkt. „Offenbar reicht das nicht aus, schenkt man den Lobbyisten in der EU  Glauben,“ erklärte Dr. Wolfgang Burget, Vorsitzender der „High-Level Technical Policy Advisory Group“ des europäischen Baumaschinenverbandes CECE und Geschäftsführer der LiebherrEMtec GmbH, beim CECE Kongress kürzlich in Berlin.

Die europäische Baumaschinenindustrie setzt sich dafür ein, dass der Ausstoß von CO2, Stickoxiden und Feinstaub weiterhin konsequent verringert wird, fordert aber eine branchenspezifische und realistische Vorgehensweise. „Wir sehen nicht nur einer fünften Runde bei der Abgasgesetzgebung entgegen, sondern sind auch noch mit Initiativen von Großstädten wie Berlin oder Graz konfrontiert, die fordern, alle Baumaschinen im innerstädtischen Bereich mit Dieselpartikelfiltern auszurüsten, um so die von der EU festgelegten Ziele der Luftreinhaltung zu erreichen.

„Im Moment kämpfen wir im CECE gegen unrealistische Forderungen. Wir wollen die Entscheidungsträger in der EU und in den Städten davon überzeugen, bei ihrer Lagebeurteilung vier Aspekte nicht außer Acht zu lassen“, erklärte Burget:

  1. Baumaschinen lassen sich nicht mit Autos vergleichen. Sie sind komplexer und verrichten höchst unterschiedliche Arbeiten innerhalb des Bauprozesses. Wegen der vielen Anwendungsmöglichkeiten kann man von einem eher fragmentierten Sektor sprechen mit Tausenden von Maschinentypen. Viele Maschinen werden auch in relativ kleinen Stückzahlen produziert, von manchen Modellen manchmal nur zehn Stück im Jahr gefertigt. Burget sagte, es sei absolut notwendig, diese Situation bei der Einführung neuer Gesetze und Regulierungen zu berücksichtigen.
  2. Strengere Grenzwerte für neue Maschinen wirken sich nur sehr geringfügig auf die Luftqualität aus, denn ihnen steht eine große Anzahl älterer Maschinen gegenüber, die weniger umweltfreundlich sind.
  3. Alle Baumaschinen im Betrieb mit Dieselpartikelfiltern auszurüsten, ist nicht der Schlüssel zu reinerer Luft. Eine solche Vorgehensweise führt zu ganz anderen Herausforderungen.
  4. Damit die europäische Baumaschinenindustrie wettbewerbsfähig bleibt, ist es höchst wichtig, dass die Einführung neuer Abgasstufen früher bekannt wird. Nur dann können sich die Hersteller technologisch darauf einstellen. Zwischen den einzelnen Abgasstufen müssen Zeiträume der Stabilität liegen, so dass die Hersteller auch Innovationen in anderen Bereichen realisieren und zur Marktreife bringen können.

Mobile Maschinen haben eine eigene Abgasgesetzgebung, mit der Emissionen stufenweise verringert werden, ähnlich wie in der Automobilindustrie. Allerdings bezieht sich die Abgasgesetzgebung ausschließlich auf die Verringerung von Stickoxiden und Feinstaub, aber nicht von CO2. Die zuletzt eingeführte Abgasstufe IIIB trat 2011 in Kraft. Um diese Abgasstufen zu erreichen, wurden bis zu 70 Prozent der verfügbaren Entwicklungskapazitäten allein für die Neukonstruktion von Maschinen eingesetzt, ein immenser Kostenfaktor. Dieses Geld konnte nicht verwendet werden, um andere Kundenanforderungen zu entsprechen oder neue Lösungen für die riesigen Märkte außerhalb der EU zu entwickeln. Die Abgasgesetzgebung ist bei weitem der größte Faktor, wenn es um die Kosten von neuen Maschinen geht. Darüber hinaus entstehen zwei Märkte, die EU und Nordamerika sowie die Wachstumsmärkte vor allem in Asien, in denen es eine solche Gesetzgebung nicht gibt und die nicht über den Treibstoff verfügen, um solche Maschinen zu betreiben.

Öffentliche Verwaltungen, wie Städte, Regionen, ja gar ganze Länder fordern die Ausrüstung bereits vorhandener Baumaschinen mit Dieselpartikelfiltern, vor allem der Maschinen, die Abgasstufe IIIA erfüllen und darunter. Aus einer solchen Nachrüstung ergeben sich nicht nur sicherheitstechnische Fragen, sie spiegelt auch eine recht einfache Sicht auf die Dinge wider. Maschinen nur mit Partikelfiltern auszurüsten fördert weder den Absatz , noch ist es gut für Arbeitsplätze und schon gar nicht hilft es bei der Reduzierung des CO2-Ausstoßes.

Weil es für den Baumaschinenbetreiber teuer ist, alte Maschinen nachzurüsten, werden die Kunden versuchen, ihre alten, nicht so effizienten Maschinen länger zu nutzen. Auch damit ist der Umwelt nicht geholfen. Wer für diese Lösung eintritt, sollte bedenken, dass durch die Nachrüstung Veränderungen am Motor nötig sind. Das  kann dazu führen, dass die Maschine die CE-Kennzeichnung verliert. Da Partikelfiltersysteme ausreichend Platz benötigen, der bei der Konstruktion gemäß früherer Emissionsstufen nicht berücksichtigt wurde, müssen sie außerhalb des Motorenbereichs angebracht werden und gefährden so eventuell die Sicherheit des Bedieners. Möglich ist, dass die Straßenverkehrszulassung erlischt.

Dr. Wolfgang Burget, Geschäftsführer LiebherrEMtec GmbH.
Dr. Wolfgang Burget, Geschäftsführer LiebherrEMtec GmbH.