Unternehmensführung

Unternehmertag A+A

Mit Sicherheit erfolgreich im Mittelstand

Die positive Grundstimmung ist da – sie muss nur richtig genutzt werden. Während des unter anderem von der „Offensive Mittelstand – Gut für Deutschland“ organisierten Unternehmertags zur Arbeitssicherheitsmesse A+A bekamen die mehr als 200 Teilnehmer das entsprechende Rüstzeug an die Hand.

Ende Oktober hatten die Wirtschaftsauguren gerade ein Gesamtwachstum von rund  drei Prozent in Deutschland für das Gesamtjahr 2011 in Aussicht gestellt. „Mich wundert, dass man trotzdem nur Pessimismus in den Medien wahrnimmt.“ Man solle die deutsche Wirtschaft nicht unterschätzen, sagte Peer-Oliver Villwock vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales zu Beginn. Und Dieter Reitmeyer, Gründer und Geschäftsführender Gesellschafter der Redi-Group, stellte seinem pointierten Vortrag gleich eine provokante Frage voran, die daran anknüpfte: „Spielen wir nur das Spiel, dass wir gut sind, weil die anderen schlecht sind, oder kümmern wir uns lieber um die deutsche Wirtschaft?!“

Er war es auch, der der Veranstaltung mit dem Titel „Mit Sicherheit erfolgreich im Mittelstand“ mit seinem Leitvortrag einen Stempel aufdrückte. Für die Offensive Mittelstand – Gut für Deutschland waren Oleg Cernavin (BC Forschung) und Helmut Ehnes (BG RCI) mit in Düsseldorf, um die Gäste über die Instrumente der Offensive sowie die aktuellen Entwicklungen zum Thema „Der Kampf um die Besten! Die Zukunft sichern mit qualifizierten Mitarbeitern“ zu informieren. „Eine Rallye kann ich nur erfolgreich fahren mit einem guten Team, einer guten Risikoanalyse und einer entsprechenden Organisation. Ansonsten fahre ich nur hinterher.“ Spätestens seit ihrem Sieg 2001 bei der Rallye Dakar zählt Jutta Kleinschmidt zu den besten Motorsport-lern der Welt. Sie illustrierte die Qualitätsstandards der Offensive für eine gute Organisation in mittelständischen Betrieben mit beeindruckenden Beispielen aus ihrer Karriere.

Konsequente Unternehmensführung

„Soziale Marktwirtschaft bedeutet heute konsequente Unternehmensführung“, konstatierte Reitmeyer, der die redi-Group 1996 als Dienstleister für Qualitätssicherung und -management in der Automobilindustrie gegründet hatte. Konsequenz vor allem auch in der Mitarbeiterführung.

Er forderte mit einem drastischen Bild den Verzicht auf „tote Augen“: Wer sich nicht fortlaufend entwickele, weiterbilde, könne im Berufsleben nicht mithalten, auch wenn er ein Superingenieur sei.

Er selbst habe in der Finanzkrise seine Lektion gelernt. 2000 Mitarbeiter, eine 74-prozentige Eigenkapitalquote – ein erfolgreiches Unternehmen – bis die Krise kam. „Ich war zu fast 100 Prozent abhängig von der Automobilindustrie, hatte so einen 80-prozentigen Einbruch zu verkraften“, berichtete der Unternehmer. Sein Fazit: „Ich war bequem geworden.“ Nun gibt es neben dem traditionellen Geschäftsbereich Qualitätssicherung Sparten wie redi-Lift (Gebäudefördertechnik wie Aufzüge und Rolltreppen) oder Dent-Service (professionelle Fahrzeugaufbereitung).

Nicht träge werden, den selben Einsatz zu bringen, immer weiter zu denken, das fordert  Dieter Reitmeyer auch von seinen Beschäftigten. „Jeder Mitarbeiter erbringt maximalen Einsatz und sichert so auch seinen Arbeitsplatz, dabei wird er durch ein einzigartiges Arbeitsumfeld und vielfältige Weiterbildungsmöglichkeiten unterstützt und gefördert“, lautet ein Teil seines Credos. So erhielten 120 arbeitslose Ingenieure von der redi-Group in Zeiten des demografischen Wandels die Chance, sich als hoch qualifizierte Mitarbeiter zu beweisen. 96 der Angeschriebenen bekamen zunächst einen Jahresvertrag, 78 wurden danach übernommen. Niemand müsse sich als Arbeitsloser schämen, beispielsweise kein Geld für Lehrmittel zu haben, so Reitmeyer: „Ich zahle dir das Buch, aber dann erwarte ich auch, dass du jeden Tag drei Stunden englisch lernst“. Er könne Werte vermitteln – aber dafür müsse er auch etwas zurückbekommen, so der Firmenlenker: „Die freie Marktwirtschaft darf nicht mit Mutter Theresa verwechselt werden.“

Jutta Kleinschmidt präsentierte mit Helmut Ehnes den Mittelstands-Check.
Jutta Kleinschmidt präsentierte mit Helmut Ehnes den Mittelstands-Check.

Gute Personalführung

Ähnliches findet sich als Beispiel guter Praxis im Check „Guter Mittelstand: Erfolg ist kein Zufall“ der Offensive Mittelstand: Konkrete persönliche Perspektiven bieten, eine lernfreundliche Atmosphäre schaffen, Qualifizierung für unterschiedliche Aufgaben oder Konzepte für eine familienfreundliche Arbeitsorganisation binden Mitarbeiter ans Unternehmen. Denn der „Kampf um die besten Köpfe“ habe vor dem Hintergrund des Rückgangs der Bevölkerung im Erwerbsalter längst begonnen: „Viele Mittelständler haben Schwierigkeiten, in diesem Kampf mitzuhalten, da viele Bewerber Großunternehmen bevorzugen“, nannte Oleg Cernavin einen Punkt. Um die kleinen und mittleren Firmen hier fit zu machen, erstelle die Offensive Mittelstand gerade – analog zu den vorhandenen Instrumenten – mit ihren Partnern einen neuen Qualitätsstandard „Gute Personalführung“. Dieses Instrument soll den kleinen Unternehmen helfen, die Anforderungen des demografischen Wandels als Chance zu nutzen und im Frühjahr 2012 zur Verfügung stehen.

Damit die Unterstützung auch in der Fläche ankomme, habe die Offensive mittlerweile mehr als 220 Berater mit „ihrer Philosophie infiziert“ ergänzte Helmut Ehnes, Vorsitzender des Leitungskreises der Offensive Mittelstand. Die Berater sind autorisiert, eine Potenzialanalyse mit dem Check „Guter Mittelstand“ vorzunehmen. Sie sollen die Firmenlenker unterstützen, die mit ihrer Aufgabe in kleinen und mittleren Unternehmen meist voll ausgelastet sind.

Oleg Cernavin (am Pult) sprach über den „Kampf um die besten Köpfe”.
Oleg Cernavin (am Pult) sprach über den „Kampf um die besten Köpfe”.

Von Siegern lernen

„Man hat erst dann verloren, wenn man nicht mehr an den Start geht.“ Jutta Kleinschmidt hat durch ihr Engagement im Rallyesport die Notwendigkeit einer guten Unternehmensorganisation unter Extrembedingungen erfahren, sie kennt ihr Potenzial genau. So beim Stichpunkt Beschaffung: „Wir fahren praktisch immer Vollgas, also braucht es perfekte Zulieferer, damit die Teile die Belastung aushalten.“ Sie war mit Mitsubishi 2001 Rallye-Dakar-Siegerin. Dann wechselte sie zu VW. „Dort habe ich wieder bei null angefangen“, sagte sie zur Personalentwicklung ihres Teams. Für die Führung im Team ist ihr der Faktor Wertschätzung sehr wichtig. Das kann dann im Endeffekt zu einer Unternehmenskultur führen, die ihr offensichtlich noch nach Jahren einen wohligen Schauder über den Rücken jagt, wenn sie erzählt, wie sich 100 Teammitglieder in Wolfsburg aus einem Guss vor dem Start präsentierten: „Fünf Race-Touaregs, wir alle in den gleichen T-Shirts.“ Nüchtern ist dagegen die Risikobewertung des Profis. Zu Beginn ihrer Laufbahn vertraute Jutta Kleinschmidt darauf, dass die im Roadbook verzeichnete „dune cassée“ nur ein weiterer Sandhügel in der Wüste ist. Beim Sprung mit dem Motorrad ging’s dann nach dem Dünenabbruch meterweit ins Leere – glücklicherweise ohne Unfall. Nie wieder überließ sie die Chance auf ein schnelles Vorwärtskommen dem Zufall. „Erfolg ist kein Zufall“ lautet der Untertitel des Checks „Guter Mittelstand“. Das bewies Jutta Kleinschmidt eindrucksvoll.

Selbstmanagement

Für die Rennsportlerin gehört das Selbstmanagement schon zum Normalzustand. Im Berufsalltag nehme dessen Bedeutung zu, sagte Dr. Hansjörg Becker (Insite-Interventions GmbH) in seiner Analyse zum Thema gesund führen, gesund arbeiten. „Institutionen wie Familie, Kirche, Vereine, Gewerkschaften sorgten früher für eine gewisse Sicherheit. Sie lösen sich auf.“ Die Fähigkeit, sich an veränderte Arbeitsbedingungen anzupassen und dabei selbst im Gleichgewicht zu bleiben, sei eine der größten Herausforderungen der modernen Arbeitswelt. Misslinge sie dauerhaft, drohten Einbußen an Leistungsfähigkeit, Karriereknick, Erschöpfung und Burnout. Selbstfürsorge sei so ein wichtiger Bestandteil der neuen Eigenverantwortlichkeit von Arbeitnehmern. Er schult Führungskräfte darin, Verhaltens- und Gesundheitsrisiken ihrer Mitarbeiter zu erkennen, realistisch einzuschätzen und angemessen darauf zu reagieren. „Mehr Anstrengung bedeutet ab einem gewissen Punkt nicht mehr Leis­tung, sondern das Gegenteil.“

Und als Dieter Reitmeyer in der Diskussion darauf verwies, dass kleine Unternehmen kaum das Geld hätten, sich mit solchen externen Programmen für die verändernden Arbeitsbedingungen zu rüsten, diese Leistungen besser Verbände oder Krankenkassen übernehmen sollten, erinnerte ihn Moderator Alexander Niemetz an sein eigenes Credo: „Nicht die Verantwortung delegieren, selbst gestalten!“

Jörg Nierzwicki, BG RCI

Dieter Reitmeyer redet den Unternehmern ins Gewissen.
Dieter Reitmeyer redet den Unternehmern ins Gewissen.
Energiemanagement in Unternehmen –  Kosten senken mit System

Energiekosten belasten zunehmend die Kalkulationen gerade kleiner und mittlerer Unternehmen. Gerald Orlik von der EnergieAgentur NRW stellte dazu in Düsseldorf mod.EEM vor. Es handelt sich dabei um ein Pilotprojekt zur Einführung von Energie-Management-Systemen in Unternehmen. mod. EEM steht für „Modulares Energie-Effizienz-Modell“.

Mit Energiemanagement-Systemen lassen sich die Energiekosten im Unternehmen deutlich reduzieren. Dabei gibt es ausreichend Effizienzpotentiale in der Industrie. Energiemanagement-Systeme sind das geeignete Instrument für eine zeitgemäße und nachhaltige Erschließung.

Ziel von mod.EEM ist die Erarbeitung und Einführung eines webbasierten Energiemanagementsystems. Es ist so strukturiert, dass es auf Unternehmen unterschiedlicher Struktur und Größe zugeschnitten ist. Das System entspricht den Anforderungen eines normierten Energiemanagementsystems gemäß DIN EN 16001 / ISO 50001. mod.EEM ist ein Projekt innerhalb der nationalen Klimaschutzinitiative des Bundes-Umweltministeriums.


 
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