Arbeitssicherheit

Richtlinien und Grenzwerte zur Verbesserung der Schutzkleidung für wärmebelastete Arbeitsplätze

Komfortabel – auch wenn es heiß zur Sache geht

Wärmebelastete Arbeiten sind in vielen Industriebereichen wie der Stahl- und Glasindustrie, aber auch dem Bergbau und in der Kalk- und Zementindustrie gang und gäbe. Um sich der Hitzequelle ohne die Gefahr gesundheitlicher Schäden nähern zu können, ist für Arbeitnehmer das Tragen einer Hitze abweisenden und schwer entflammbaren Schutzbekleidung notwendig.

Der Schwerpunkt dieser Arbeitsschutzkleidung wird bislang in erster Linie auf die gute Schutzwirkung gelegt. Das Wohlempfinden des Trägers und der Tragekomfort stehen dagegen vielfach im Hintergrund.  Mangelnder physiologischer Komfort, so das nicht ausreichende Feuchte- und Wärmemanagement der Schutzkleidung, kann jedoch gerade bei hohen Umgebungstemperaturen gravierende Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit und die Gesundheit der Arbeiter haben.

Wissenschaftler der Hohenstein Institute in Bönnigheim sind aktuell dabei, diesen Mangel zu beheben und arbeiten momentan im Rahmen eines Forschungsprojektes (AiF-Nr.16782 N) an der Erstellung von normungsfähigen Grenzwerten und Konstruktionsprinzipien zur Herstellung optimierter Schutzkleidungssysteme für wärmebelastete Arbeitsplätze in der Industrie.

Norm ergänzen

Das Forschungsprojekt, welches voraussichtlich im November 2012 abgeschlossen sein wird, konzentriert sich auf Schutzkleidung für die Eisen- bzw. Stahlindustrie. Hiervon ausgenommen ist der Fall sehr hoher Wärmestrahlungen bei der Arbeit direkt an Hochöfen, wo Temperaturen von über 2000°C erreicht werden. Bei der Arbeit in diesem Bereich wird eine spezielle Schutzkleidung getragen, bei der die Schutzwirkung aus Sicherheitsgründen deutlich über dem Tragekomfort steht.

Ziel des Forschungsprojekts ist es, die bereits existierende DIN EN ISO 11612 „Kleidung zum Schutz gegen Hitze und Flammen“ zu erweitern und um physiologische Messverfahren und Grenzwerte zu ergänzen, beispielsweise die Einbeziehung der Umgebungstemperatur, verschiedene Belastungsstufen, Einsatzdauer und Grundwärmeisolation. Im Fokus der Untersuchung steht die Fähigkeit der verarbeiteten textilen Materialien zum Abtransport des Körperschweißes. Dabei wird großer Wert auf die Zusammenstellung der Bekleidungskombination, bestehend aus Ober- und Unterbe­kleidung, gelegt, die in Hinsicht auf Wärme- und Feuchtigkeitstransport aufeinander abgestimmt sein müssen.

Arbeit am Ofen
Auch in der Kalk- und Zementindustrie fallen wärmebelastende Arbeiten an.

Mittelständler profitieren

Bisher stand an wärmebelasteten Arbeitsplätzen lediglich die Oberbekleidung im Vordergrund. Die getragene Unterbekleidung ist nicht standardisiert und kann derzeit vom Arbeiter noch frei gewählt werden. Durch die Forschungsergebnisse werden Hersteller von Arbeitsschutzkleidung für wärmebelastete Arbeitsplätze – zum Großteil klein- und mittelständische deutsche Unternehmen – stark profitieren.

Die Einführung genormter Grenzwerte schafft zusätzlich Sicherheit für die Arbeiter, die täglich den hohen Umgebungstemperaturen ausgesetzt sind. Durch die verringerte Wärmebelastung sinkt die Gefahr von Erkrankungen und es steigt die Leistungsfähigkeit des Trägers und somit die Produktivität des Unternehmens.

Als Ergebnis der Untersuchung rechnen die Hohensteiner Forscher damit, dass es nach einer entsprechenden Grundlagenuntersuchung möglich ist, die thermophysiologischen Eigenschaften der Schutzkleidung deutlich zu verbessern, ohne deren Schutzwirkung zu beeinträchtigen.

Auswirkungen hoher Umgebungsemperaturen

Durch ungeeignete Kleidung wird bei hohen Umgebungstemperaturen die natürliche Thermoregulation des Organismus gestört. So kann die Temperatur im Körperinneren über den normalen Wert von ungefähr 37°C steigen. Auf Dauer kann diese Belastung zu verschlechtertem Wohlbefinden und zu einer erheblichen Belastung des Herz-Kreislauf-Systems führen und stellt ein grundsätzliches Gesundheitsrisiko dar. Im Extremfall drohen Kreislaufkollaps und Tod. Auch Hitzekrämpfe und Hitzeerschöpfung stellen eine ernstzunehmende Gefahr dar.

Der menschliche Organismus kann auf mehrere Arten eine zu hohe Körperkerntemperatur regulieren. Ist jedoch die Umgebungstemperatur annähernd die der Haut, also ca. 32°C, ist die Schweißverdunstung die einzige Möglichkeit des Körpers, überschüssige Wärme abzugeben.

Deshalb muss eine gute Hitzeschutzbekleidung entsprechende Feuchtetransport-Eigenschaften besitzen. Bei stärkerem Schwitzen muss das textile Material in der Lage sein, die verstärkte Abgabe von Schweiß (dampfförmig und flüssig) abzupuffern. Große Mengen von Schweiß müssen effektiv aufgenommen und vom Körper weggeleitet werden.


Folgen der Überhitzung (Diagramm)
Auch in der Kalk- und Zementindustrie fallen wärmebelastende Arbeiten an.
 
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