Arbeitssicherheit

European Spine Journal Award von Grammer für Berliner Forschergruppe

Der größte europäische Wirbelsäulen-Kongress "EuroSpine" fand im Oktober in Mailand statt. Mehr als 2.300 Mediziner, aber auch Biomechaniker und Biologen tauschten in Italien neue Erkenntnisse aus ihren Fachgebieten interdisziplinär aus.

Während der Tagung wurde zum zwölften Mal der Grammer European Spine Journal Award verliehen. Die weltweit höchstdotierte Auszeichnung in der Wirbelsäulenforschung prämiert in jedem Jahr herausragende Leistungen in der Grundlagenforschung. Gestiftet wird der begehrte Preis vom Sitzhersteller Grammer AG und dem "European Spine Journal". Ein Expertengremium, das sich aus Herausgebern und Mitgliedern des wissenschaftlichen Beirats des "European Spine Journals" zusammensetzt, wählt den besten Beitrag aus, der im vorausgegangenen Jahr in dieser renommierten Fachzeitschrift publiziert wurde.

Gefährliche Vibrationen

Der Preis 2011 ging an ein deutsches Forscherteam von der Berliner Charité unter der Leitung von Dr. Antonius Rohlmann. Die Gruppe um Rohlmann beschäftigte sich in einer Forschungsarbeit mit den Vibrationen, denen Wirbelsäulenpatienten beim Autofahren ausgesetzt sind.

Wichtiger Hintergrund der Studie: Weil Mobilität vor allem Freiheit bedeutet, wollen sich auch Wirbelsäulenpatienten nach ihrer Operation möglichst schnell wieder hinters Steuer setzen oder sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln bewegen.

In einem weltweit einmaligen Verfahren modifizierte das Team um Dr. Rohlmann einen Wirbelkörperersatz (WKE) deshalb derart, dass man die Belastung dieses WKE im Körper des Patienten messen kann. Mit den integrierten Lastsensoren ist es möglich, insgesamt sechs verschiedene Belastungskomponenten zu erfassen. Vier Patienten mit Wirbelkörperbrüchen erhielten das modifizierte Ersatzimplantat und stimmten der Teilnahme an dem Versuch zu.

Sitzen ungefährlicher

Während der Messungen saßen die Patienten auf einem Fahrersitz und wurden Belastungen unterschiedlicher Intensität ausgesetzt. Das Ergebnis der Messreihe: Die Implantatbelastungen beim Autofahren – auch bei hoher Intensität - oder bei der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel sind im Sitzen niedriger als beim Laufen. Voraussetzung: Die Rückenlehne wird als Abstützung genutzt. Somit können Wirbelsäulenpatienten schon bald nach ihrer Operation wieder ein Auto, einen Bus oder die U-Bahn besteigen.

Dr. Antonius Rohlmann hat die Wirbelsäulenforschung in Bezug auf das Sitzen gemeinsam mit seinem Ulmer Forscherkollegen Prof. Dr. Hans-Joachim Wilke um große Schritte vorangebracht. Diese Forschungsergebnisse fließen bei der Grammer AG in die Sitzentwicklung mit ein.

Alle Informationen zu den früheren Preisträgern des Grammer Awards gibt es im Internet unter www.ergomechanics.de

Katja Bühlmeyer (Grammer), Preisträger Dr. Antonius Rohlmann, Frank Himmelhuber (Grammer), Prof. Dr. Hans-Joachim Wilke (von links).
Katja Bühlmeyer (Grammer), Preisträger Dr. Antonius Rohlmann, Frank Himmelhuber (Grammer), Prof. Dr. Hans-Joachim Wilke (von links).