Arbeitssicherheit

Rigips-Belegschaft übt mit Förderpreis-Trainingsanlage

Reparaturen, Inspektionen, Wartungs- und Reinigungsarbeiten in Behältern, Silos, Schächten und engen Räumen gehören zu den risikoreichsten Tätigkeiten in der Baustoff-Industrie. Immer wieder ereignen sich dabei schwere und auch tödliche Unfälle. Fundiertes Wissen über mögliche Gefahren und deren Vermeidung oder Bewältigung sind unerlässlich. Von Katharina Nadolny und Werner Ochse im Unternehmen Dräger Safety AG & Co. KG aA wurde eine auf einem Pkw-Anhänger installierte mobile Trainingsanlage entwickelt. Das in der Theorie vermittelte Wissen kann damit in der Praxis unmittelbar geübt werden. Dazu gehören das Einsteigen in Silos, Tanks oder Schächte oder das Retten von Personen.

Auch können Einsatzbedingungen wie Hitze, Nebel, Teilbeflutung, verschiedene Einstiege und Rohrsysteme simuliert werden. Mit einem Flächenbedarf von 10 mal 10 Metern kann die mobile Anlage praktisch überall eingesetzt werden. Dafür bekam Dräger den Förderpreis 2010 der BG RCI in der Kategorie „Hersteller“.

Durch den regelmäßigen Einsatz dieses Übungsgerätes wird ein einheitlicher Wissens- und Trainingsstand der Mitarbeiter gewährleistet, so dass Reparatur- und Wartungsarbeiten sowie eventuelle Rettungsmaßnahmen auch unter erschwerten Bedingungen jederzeit sicher und effektiv ausgeführt werden können.

Zunächst gibt es eine fundierte theoretische Einweisung.
Zunächst gibt es eine fundierte theoretische Einweisung.

Aus diesem Grunde lud Werkleiter Andreas Beck-Ulm Mitarbeiter des Standorts Brieselang der Saint-Gobain Rigips GmbH zu diesem Seminar ein. Der Werkleiter begrüßte die Teilnehmer zu diesem Training persönlich. Daran war schon abzulesen, welche Bedeutung die Führungskraft dieser Sicherheitsübung beimaß. Schließlich gibt es im Werk Brieselang viele unterschiedliche Behälter, Silos und enge Räume, für die das Simulationsmodul auf dem Anhänger adäquate praktische Übungen bereithält. „Ziel dieses Trainings sollte es sein, Informationen zu erhalten, wie wir uns schützen können, welche Maßnahmen noch umgesetzt werden müssen“, sagte Karén Förster, Fachkraft Arbeitssicherheit und Umweltschutz am Standort. „Was müssen wir tun, dass wir in 20 Jahren sagen können, wir haben keine Unfälle in engen Räumen gehabt.“

Daniel Klemm als Trainer für Theorie und Praxis der Firma Dräger Safety AG & Co. KG aA stellte sein Unternehmen kurz vor, bevor es los ging. Etwa 8000 Mitarbeiter sind weltweit tätig. Sie stellen hauptsächlich Produkte für Sicherheitstechnik und Medizin (Monitoring) her. Klemm stellte sich als Trainer mit der Bemerkung vor, dass er nicht als „Polizist“ im Werk sei, sondern die Belegschaft auf Verbesserungsmöglichkeiten hinweisen wolle. „Das sehen wir positiv. Schließlich haben wir das Ziel, unser Arbeitsfeld sicherer zu machen. Und zwar für alle – auch für Mitarbeiter von Partnerfirmen, Besucher und Lieferanten“, griff Förster das Thema auf.

Enrico Timm sichert, Klaus Ziehmann bedient die Kurbel und Daniel Klemm (von links) erklärt die Rettung von Lars Heinrich-Emden im Rohr.
Enrico Timm sichert, Klaus Ziehmann bedient die Kurbel und Daniel Klemm (von links) erklärt die Rettung von Lars Heinrich-Emden im Rohr.

In der BGR117 “Arbeiten in Behältern, Silos und engen Räumen” kann man alle Umgangsregeln nachlesen. Mit Messgeräten muss beispielsweise geprüft werden, ob genug Sauerstoff in dem Objekt vorhanden ist, Freigabescheine müssen geschrieben werden. In Brieselang sei das seit langem eingeübter Standard, so Förster. Es müsse für Rettungsmaßnahmen gesorgt sein, eine Sicherungsperson muss die ganze Zeit dabei sein, um eventuell eingreifen zu können. Den theoretischen Teil absolvierten Günther Hammerl, Lars Heinrich-Emden, Günter Langhammer, Jürgen Lemke, Jürgen Schnabel, Jörg Schwandt, Tilo Stanossek, Enrico Timm und Klaus Ziehmann erfolgreich.

Nach der Theorie gings zur Praxis in eine große Halle zum Trainingsmobil. Zunächst bekam jeder einen Fallschutz, der angelegt und auf jede einzelne Person eingestellt wurde. Er muss richtig sitzen, damit durch falsche Nutzung keine Verletzungen entstehen. Bevor die Kandidaten einstiegen, wurde das Messgerät in den Behälter gehalten, um den Sauerstoffgehalt zu messen. Danach durfte jeder in den Behälter einsteigen und den Dummy mit seinen 60 Kilo Gewicht retten. „Der Dummy war schon ganz schön schwer, gerade für mich, da die Puppe mehr wog als ich“, stellte Karén Förster überrascht fest. Sie durfte diesen Übungsteil zunächst auslassen. „Meine Kollegen fanden das schmunzelnderweise etwas unfair.“ Vieles wurde neu gelernt und altes Wissen wieder aufgefrischt. Am Ende stand die Erkenntnis, nicht nur theoretisch jede Menge hilfreiche Informationen bekommen zu haben. „Wir waren ziemlich müde, das Arbeiten in Behältern ist körperlich sehr anstrengend, gerade wenn man dazu noch jemand retten will“, fasste Förster für die Kollegen zusammen. BG RCI-Aufsichtsperson Udo Stölzner hatte den Kontakt für die Übung hergestellt.

Jörg Nierzwicki, BG RCI

Der Dummy im grauen Overall wiegt 60 Kilo.
Der Dummy im grauen Overall wiegt 60 Kilo.
 
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