Demografie – nur ein Modewort?

Wolfgang Pichl

Rund 925.000 Treffer hält das Internet bereit, wenn man bei Google nach Demografie sucht. Ein Begriff, der vor Jahren nur von Experten benutzt wurde, zieht sich heute als das Thema durch Talkshows, Radioreportagen, Zeitungskolumnen und Expertendiskussionen. Was bedeutet eigentlich Demografie, welche Auswirkung hat die damit verbundene Entwicklung – und warum ist das ein Thema für den betrieblichen Arbeitsschutz?

Der Begriff Demografie setzt sich aus den griechischen Worten démos und grafé – Volk und Beschreibung – zusammen. Er bedeutet wörtlich übersetzt Bevölkerungswissenschaft und beschreibt mit statistischen Methoden die Entwicklung von Völkern und deren Strukturen. Die Demografie untersucht die alters- und zahlenmäßige Gliederung, die geografische Verteilung sowie Umwelt- und soziale Faktoren, die Veränderungen in der Gesellschaft signalisieren.

In der Praxis heißt das, dass der demografische Wandel kein Zukunftsszenario mehr ist, sondern Fakt: Bereits 2015 wird in Deutschland jeder dritte Erwerbstätige älter als 50 Jahre sein. Die Gruppe der 50 bis 64-Jährigen wird die Generation von 35 bis 49 als stärkste Gruppe der Erwerbsbevölkerung abgelöst haben. Die Zahl der Arbeitnehmer, die die 50 überschritten haben, wird dann in etwa doppelt so groß sein wie die der 20- bis 29-Jährigen. Die kollektive Alterung von Belegschaften wird also schon in den nächsten sechs bis sieben Jahren beginnen und ist kurz- und mittelfristig nicht mehr änderbar. Die Folgen für Unternehmen und Beschäftigte gelten schon heute als gravierend. Unternehmen werden Probleme bekommen, junge Beschäftigte und Fachkräfte zu rekrutieren und die Belegschaftsstruktur wird zunehmend durch „ältere“ Mitarbeiter dominiert. Das macht deutlich: Die aus der Demografie abgeleiteten Erkenntnisse sind kein Modethema.

Der demografische Wandel eröffnet allerdings den Unternehmen und den Mitarbeitern auch neue Perspektiven. Denn ein höheres Beschäftigungsalter ist nicht zwangsläufig mit einem Absinken der Leistungs- und Innovationsfähigkeit verbunden. Im Gegenteil: Erfahrungswissen, Urteilsvermögen, Selbstständigkeit oder Verantwortungsbewusstsein sind bei älteren Beschäftigten stärker ausgeprägt. Allerdings müssen die Arbeitsbedingungen für diese Mitarbeiter stimmen, damit dieses Potential nutzbar gemacht werden kann. Die damit verbundenen Fragestellungen sind häufig banal: Können Arbeitsplätze oder Führerstände von älteren Mitarbeitern sicher erreicht werden? Ist die Beleuchtungsstärke dem Sehvermögen angepasst? Entspricht die Arbeitsbelastung etwa durch Schichtarbeit der Leistungsfähigkeit älterer Mitarbeiter? Werden Programme zur betrieblichen Gesundheitsförderung angeboten?

Demografie ist also kein Modewort. Die damit verbundenen Auswirkungen werden Unternehmen und die Präventionsarbeit der Berufsgenossenschaften in naher Zukunft intensiv beschäftigen.

Für Fragen rund um das Thema stehen Ihnen unsere Betriebsärzte und die Mitarbeiter des Kompetenz-Centers Gesundheitsschutz jederzeit zur Verfügung. Nutzen Sie dieses Angebot!

Herzlichst Ihr
Wolfgang Pichl