Mehr als 300 Gäste beim Unternehmertag während der A+A 2009

Expeditionsunternehmer Arved Fuchs weist den Weg

Was haben Projektplanung, Motivation, Teamgeist oder Risikomanagement, Bestandteile einer an den Mitarbeitern orientierten Unternehmenskultur, im Polarmeer verloren? Arved Fuchs regte die rund 300 Gäste des A+A Unternehmertages zum Nachdenken an: Der Extrem-Abenteurer und Schirmherr der „Offensive Mittelstand – Gut für Deutschland“ faszinierte seine Zuhörer mit der Erkenntnis, dass es zwischen einem vermeintlich „normalen“ Unternehmen und dem scheinbar risikoreichen Expeditionsalltag mehr Parallelen gibt, als erwartet.

Der fesselnde Vortrag des Expeditionsunternehmers war der unterhaltsame Abschluss einer praxisorientierten Veranstaltung mit dem Ziel, mittelständischen Unternehmen ihre Potenziale für den Wettbewerb aufzuzeigen und ihnen einen Leitfaden für eine bessere Arbeitsgestaltung und Organisation an die Hand zu geben. Mitinitiator Helmut Ehnes (Steinbruchs-Berufsgenossenschaft) freute sich über das überwältigende Interesse der Unternehmen, Führungskräfte, Berater und Vertreter aus Kammern und Verbänden an diesem hochaktuellen Thema.

Fokus Mittelstand

Logo Offensive Mittelstand

Vor dem Hintergrund der andauernden Finanzkrise analysierten die von der Offensive geladenen Referenten die aktuellen Herausforderungen der Wirtschaft mit speziellem Fokus auf den Mittelstand. Dazu bekamen die Interessenten mit dem Check und dem Leitfaden „Guter Mittelstand – Erfolg ist kein Zufall“ zwei konkrete Instrumente an die Hand, die ihnen helfen, die gute Praxis erfolgreicher Unternehmen in die Arbeitsgestaltung ihrer Firma zu übernehmen.

Wie verdaut ein kleineres Unternehmen Sätze wie „Wir haben eine Akzeptanzkrise der sozialen Marktwirtschaft “? Wie das zunehmend restriktive Verhalten der Banken bei der Kreditvergabe und mangelndes Vertrauen als Resultat der Finanzkrise? Frank Seuling, Geschäftsführer Arbeitsschutz bei UVEX, sieht so  eine „komplette Neuausrichtung vieler  Unternehmen, Marken und Branchen“ als erforderlich an. Beispielhaft sei der Ausstieg von BMW aus der Formel 1: „Sie schaffen es nun stattdessen, Nachhaltigkeit als oberstes Unternehmensziel zu kommunizieren.“  An welchen Werten soll sich denn nun aber eine dauerhaft erfolgreiche Unternehmensführung im Mittelstand in der Zukunft orientieren?

Es muss bei der strategischen Ausrichtung der Firma nicht gleich die „Marke als Sinnproduzent kultureller Ressourcen“, sein, wie Seuling eine Rolle definiert. Bodenständiger argumentierte Norbert Krudewig von der gleichnamigen Baumanagement GmbH. Er hatte aus dem Check mit seinen elf  allgemeingültigen Standards für eine erfolgreiche Unternehmensführung zur bereits erwähnten „Strategie“ drei weitere Schwerpunkte herausgegriffen und mit den Vorgaben in seinem Betrieb verglichen.

Als Ergebnis aus dem Praxistest des Checks plant Krudewig nun eine regelmäßige interne Weiterbildung und mindestens zwei Seminare pro Mitarbeiter im Jahr im Sinne einer planvollen Personalentwicklung: „Bisher lief das nach dem Zufallsprinzip.“  Ebenfalls soll ein junger Mitarbeiter mit hohem Potenzial langfristig ans Unternehmen gebunden und schrittweise zur Übernahme der Verantwortung als Geschäftsführer aufgebaut werden. Zum Stichwort „Kundenpflege“ hat sich Krudewig zu den gezielten Gesprächen und zusätzlichen Serviceleistungen noch den regelmäßigen persönlichen Kontakt und eine Kundenzeitung mit nützlichen Nachrichten aus dem Baumanagement ins Lastenheft geschrieben. „Sie nutzen Kundenkontakte, um die Kundenzufriedenheit zu ermitteln und ihre Produkte und Leistungen zu verbessern“ rät dazu unter anderem der Leitfaden.

Mit entwaffnender Offenheit fasste Krudewig sein Urteil über den Test der Instrumente zusammen: „Der Check hätte mir bei der Gründung meines Unternehmens eine Arbeitserleichterung gebracht, eine Zeitersparnis, da nicht alles selbst hätte erarbeitet werden müssen, und eine schnellere Entwicklung.“

Banken sollen sich bewegen

Wo der Soll-Ist-Vergleich des Mittelstands-Checks bei der Analyse von „Beschaffung“ oder „Unternehmenskultur“ noch vergleichsweise unproblematische Themen anschneidet, wird es beim Thema Liquidität in Bezug zu den Auswirkungen der aktuellen Finanzkrise schon schwieriger.

„Die Geschäftsabschlüsse fallen bereits für das Jahr 2008 deutlich schlechter aus“, sagte Jörg Rossen vom Verband der Vereine Creditreform. „Dies wird zu einer erhöhten Risikoeinschätzung der Betriebe durch die Banken führen. Sie haben sich in der Summe aus dem Geschäft mit dem Mittelstand zurückgezogen.“ Rossen kommt zu dem Schluss, dass Firmen, die sich systematisch mit der Verbesserung ihrer Strukturen auseinandersetzen, eine gute Voraussetzung schaffen, um sich künftig bei den Finanzdienstleistern zu präsentieren. „Freiwillige Referenzinstrumente wie Check und Leitfaden kommen hier genau  zur rechten Zeit.“

Kritische Stimmen

Trotz der hilfreichen Analyse stießen Jörg Rossens Thesen nicht auf ungeteilte Zustimmung. „Den Gedanken kann man zurückgeben“, sagte Fred Kamermans vom Schotterwerk Clemens. „Die Banken sollen sich auch endlich mal die Verantwortung gegenüber dem Leistungsträger Mittelstand bewusst machen!“

Wie hatte Uvex-Mitarbeiter Frank Seuling den französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy zitiert? „Der Geldwert allein reicht als Wirtschaftsgradmesser nicht mehr aus.“ Die Menschen fragten mittlerweile eher, welche Leistungen ein Anbieter zur Verbesserung oder Sicherung ihrer Lebensqualität anbiete, stellte Seuling einen Wertewandel dar.

In einem solchen Moment des Umbruchs ist ein Instrument wie der Leitfaden gefragter denn je. Karl-Josef Keller vom Verband der Metall- und Elektroindustrie Nordrhein-Westfalens hat den Leitfaden auf breiter Basis bei den Arbeitgebern bekannt gemacht und ist auf großes Interesse gestoßen, das zu zahlreichen Bestellungen geführt hat. „Kleinbetriebe wissen zum Teil ja gar nicht, wie gut sie eigentlich aufgestellt sind“, unterstützte Achim Schulte, Institut für Technik der Betriebsführung (itB), den schnellen Sprung in die Praxis. Die Mitglieder der „Offensive Mittelstand – Gut für Deutschland“ trafen sich nach dem Unternehmertag noch zu einer Arbeitskreissitzung, bei der nach der sehr guten Resonanz der Veranstaltung geschäftige Aufbruchstimmung zu spüren war. Die Beteiligten spüren mittlerweile in ganz Deutschland eine starke Nachfrage für ihr Produkt. Stefan Schwan arbeitet beim „BonnSoir Mittelstandsnetzwerk Bonn-Rhein-Sieg“ mit Leitfaden und Check. Im norddeutschen Raum wollen Mechthild Evers und Dagmar Fraune von der gesetzlichen Krankenkasse Signal Iduna IKK die Hilfsmittel ihren Beratern an die Hand geben.

Auch die Politik gibt weiter grünes Licht: Nach dem Regierungswechsel in Berlin wurde zunächst über die Zukunft des Dachs der Offensive, der organisatorisch bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) angesiedelten Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) nachgedacht. „Es gibt positive Signale aus der CDU“, berichtete nun Achim Sieker vom Bundesarbeitsministerium.

„Leistung im Team ist nur  dann möglich, wenn sich alle total mit der Aufgabe identifizieren“, gab Schirmherr Arved Fuchs den Gästen beim Unternehmertag mit auf den Weg. Die „Offensive Mittelstand“ scheint diesen Leitgedanken verinnerlicht zu haben.

www.offensive-mittelstand.de

Mitinitiator Helmut Ehnes begrüßt Arved Fuchs als Schirmherr der Offensive Mittelstand
Mitinitiator Helmut Ehnes begrüßt Arved Fuchs als Schirmherr der Offensive Mittelstand

Podium des „Unternehmertages“ der Offensive Mittelstand auf dem A+A-Kongress in Düsseldorf
Podium des „Unternehmertages“ der Offensive Mittelstand auf dem A+A-Kongress in Düsseldorf