Die StBG ist Geschichte – die BG RCI kommt: „Wir haben eine neue Identität“

Die Gründung der gesetzlichen Unfallversicherung geht auf das 19. Jahrhundert zurück. Nach fast 125 Jahren endet nun die Geschichte der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft, die mit fünf weiteren Berufsgenossenschaften zur BG Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI) fusioniert. Wir sprachen mit Helmut Ehnes, dem neuen Leiter des Geschäftsbereiches Prävention über die neuen Perspektiven.

S+E: Was bleibt, was ändert sich bei der Prävention mit der Fusion zur BG RCI?

Ehnes: Neue Wege liegen vor uns. Mit starken Partnern werden wir unter dem Dach der fusionierten BG RCI alles daran setzen, Bewährtes zu erhalten und neue Serviceangebote für die Mitgliedsunternehmen und die Versicherten zu erschließen. Künftig wird das Thema Prävention eine noch stärkere Rolle spielen.

Welche Elemente lassen sich aus der langen Tradition der Arbeit für die Gesundheit der Beschäftigten in die Zukunft mitnehmen?

Das Wichtigste ist zunächst, dass die Ansprechpartner für die Betriebe, die Technischen Aufsichtsbeamten, erhalten bleiben.  Sie gewährleisten weiterhin die fundierte Betreuung der Mitgliedsbetriebe in der Branche.

Darüber hinaus verfügen die Fusionspartner der BG RCI über bewährte fachliche Kompetenzen im Bereich der Prävention. Diese werden in neuen Kompetenz-Centren (KC) gebündelt. Es gibt beispielsweise das KC „Vorsorgeuntersuchungen“, die „Prüf- und Zertifizierungsstelle“ oder das Institut für Gefahrstoffforschung. Gerade beim Thema werden wir künftig wesentlich besser aufgestellt sein. Damit wächst auch die Chance, unseren Forderungen mehr Nachdruck zu verleihen.

Eine wirkungsvolle Prävention verhindert Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten und arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren und damit die Kosten von morgen. Unserer Selbstverwaltung ist diese Präventionsrendite bewusst. Auch vor dem Hintergrund des von der Politik immer wieder verlangten Mehr an Wirtschaftlichkeit fordert und fördert sie nachdrücklich eine praxisorientierte Prävention.

Der Gesetzgeber verlangt eine erhöhte Wirtschaftlichkeit durch die Reduzierung der Zahl der Berufsgenossenschaften, Veränderungen im Leistungsrecht und eine Entbürokratisierung. Welche Vorteile lassen sich aus diesen Vorgaben ziehen?

Mit der neuen BG Rohstoffe und chemische Industrie entsteht eine zukunfts- und leistungsfähige Berufsgenossenschaft, die den stei-genden wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen gewachsen sein wird. Alle Partner verbindet zudem in der Prävention schon jetzt ein gemeinsames Grundverständnis. Jeder bringt er-probte Kompetenzen ein, die wechselseitig genutzt werden können. Mit der „Bauz-Zeitung“ und unserem „Praxishandbuch“ haben wir bereits jetzt schon zielgruppengerechte Informationen zur Verfügung, die im Sinne eines wirklichen Bürokratieabbaus Unfallverhütungsvorschriften durch solche Arbeitshilfen ersetzen.

Die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft zeichnete sich schon bislang durch ihre Innovationen in der branchenspezifischen Prävention aus. Gibt es nun bereits Vorhaben, die von den Partnern gemeinsam initiiert werden?

Mehr Sicherheit beim Fahren und Transportieren – dieses Ziel verfolgt die bundesweite Präventionskampagne „Risiko raus“. An dieser ersten gemeinsamen Aktion beteiligt sich auch die BG RCI. „Risiko raus“ beginnt 2010 und ist auf die Dauer von zwei Jahren angelegt.

Interessante Exponate für betriebsinterne Veranstaltungen, wie unseren Stolperparcours oder das Förderbandmodell haben wir vorrätig. Von der BG Chemie kommt beispielsweise eine Explosionsschutz-Darstellung. Alle Produkte, die Prävention anschaulich und interessant vermitteln, können nun branchenübergreifend genutzt werden.

Ebenso sind wir – was die Aus- und Weiterbildung angeht – jetzt schon vernetzt. Dazu trägt nicht nur ein umfangreiches Seminarangebot, sondern auch themenspezifische Großveranstaltungen bei. Die entsprechende Broschüre liegt vor, Anmeldungen sind bereits möglich.

Die StBG kann viele Präventionsinitiativen vorweisen. Genannt seien das Gütesiegel „Sicher mit System“ oder das Prämienmodell. Gibt es neue Ideen?

Mit den bewährten Initiativen sind wir auf dem richtigen Weg. Unser spezielles Prämienmodell läuft in einer Übergangsphase zunächst branchenspezifisch weiter. Beim Gütesiegel haben unsere Partner ähnliche Angebote auf der selben Basis, dort gestaltet sich die Harmonisierung einfach.

Die Statistik zeigt, dass diese Fördermodelle zum Rückgang von Unfällen und Berufskrankheiten beigetragen haben. Die Konzepte müssen sicherlich weiter angepasst werden, wir befinden uns dabei in einem kontinuierlichen Diskussionsprozess.

Zudem sehen wir uns in der glücklichen Lage, unsere Zeitschrift „Steine+Erden“ nach der Fusion als branchenspezifisches Präventionsmagazin nutzen zu können. Wir können so noch näher am Menschen über Neues berichten, von der Persönlichen Schutzausrüstung bis zu Erkenntnissen der Arbeitsmedizin.

Herr Ehnes, wie würden Sie die Stimmung beschreiben, die den Fusionsprozess begleitet?

Wir sind auf dem Weg zu einer neuen Identität, einem neuen „Wir-Gefühl“, aber vergessen unsere Wurzeln nicht. Wir trauern nicht Altem hinterher, sondern nutzen die Aufbruchstimmung. Unsere Präventionsmitarbeiter sorgen dafür, dass die neue BG RCI-Identität rasch und positiv im Alltag ankommt.

Helmut Ehnes, Leiter des Geschäftsbereiches Prävention der BG RCI
Helmut Ehnes, Leiter des Geschäftsbereiches Prävention der BG RCI
Die Logos der BG RCI und ihrer Vorgänger-Berufsgenossenschaften
Die Logos der BG RCI und ihrer Vorgänger-Berufsgenossenschaften