Wettbewerbsfähig und innovativ durch gesunde Mitarbeiter

Logo: Neue Präventionsallianzen für mehr Gesundheit in KMU der Baustoff-Industrie (NeuPrAG)

Gesunde und motivierte Mitarbeiter sind das wichtigste „Produktivkapital“ eines jeden Unternehmens. Dabei stehen nicht allein direkte monetäre Aspekte im Zentrum des betrieblichen Interesses. Die derzeitige Arbeitswelt in der Bundesrepublik Deutschland unterliegt einem Wandel, der sich durch die folgenden drei Entwicklungslinien zeigt:

  1. Durch den Wegfall der Betriebsgrenzen, dem Wandel der Betriebsstrukturen und der damit verbundenen Notwendigkeit, sich in Netzwerken zu organisieren.
  2. Durch den Wandel der Beschäftigungsverhältnisse hin zu einem wachsenden Anteil an neuen Typen von Arbeits- und Beschäftigungsformen mit unterschiedlichen, flexiblen Zeit- und Vertragsstrukturen.
  3. Durch den Wandel der Erwerbsorientierung der Individuen in Richtung neuer Werte wie mehr Selbständigkeit, Partizipation und Eigenverantwortung.1

Um die hieraus entstehenden Herausforderungen auf betrieblicher Ebene zu bewältigen, sind motivierte, kompetente, innovative und letztendlich auch gesunde Beschäftigte die entscheidende Voraussetzung. Die Frage jedoch, welche Wege Erfolg versprechend sind, um dieses Ziel zu erreichen, kann ein einzelner Betrieb häufig nicht beantworten. Gerade in Kleinunternehmen sind die Verantwortlichen mit einer Vielzahl an Aufgaben konfrontiert. Themen wie Mitarbeitergesundheit, Innovationsfähigkeit oder Mitarbeiterengagement besitzen dabei eine geringere Priorität.2

An entsprechenden Angeboten mangelt es nicht. Es fällt allerdings auf, dass sich eine Vielzahl an Akteuren mit vergleichbaren Angeboten an die Betriebe wenden. Dennoch werden klein- und mittelständische Unternehmen (KMU) durch diese Angebote nur selten erreicht. Die Gründe hierfür sind vielfältig, an dieser Stelle seien deshalb nur zwei stellvertretend genannt:

Die KMU wünschen sich individuelle, auf ihre Probleme und Bedürfnisse zugeschnittene Ansätze. Die bisherigen Erfahrungen in der betrieblichen Gesundheitsförderung sind allerdings in der Regel in Großbetrieben entwickelt und nicht ohne weiteres auf KMU übertragbar.3

Ein weiterer Punkt liegt darin, dass sich KMU eine „Beratung aus einer Hand“ wünschen und sich nicht mit den Angeboten und Vorgehensweisen der vielen Akteure beschäftigen wollen.4

Akteursallianzen und Netzwerke

Eine Möglichkeit, die oben beschriebenen Herausforderungen zu meistern, liegt darin, Akteursallianzen zu bilden, um die für eine Vielzahl an Betrieben relevanten Themen gemeinsam zu erarbeiten und zu verbreiten.

Die Gründung von Akteursallianzen ist daher auch das Ziel eines aktuellen Gemeinschaftsprojektes von StBG und dem Institut für betriebliche Gesundheitsförderung der AOK Rheinland/Hamburg mit dem Titel „NeuPrAG“ (Neue Präventionsallianzen für mehr Gesundheit in KMU der Baustoffindustrie).

Einzelne Präventionsdienstleister verfügen häufig nicht über das entsprechende Wissen, die notwendigen Kompetenzen oder die erforderlichen Zugangswege zu KMU, um betriebliche Akteure angemessen bei der Umsetzung einer präventiven, gesundheitsförderlichen Arbeits- und Organisationsgestaltung zu unterstützen. Die Entwicklung einer überbetrieblichen Akteursallianz wirkt diesem Problem entgegen, indem sie das Wissen, die Kompetenzen und Betriebszugänge verschiedenster Anbieter (Unfall-, Krankenversicherung, Industrieverbände, Handwerkskammern, Gesundheitsdienstleister) bündelt und dadurch den Zugang zu Leistungen, Angeboten und Informationen der unterschiedlichen Anbieter für die Betriebe erleichtert. Durch NeuPrAG erhalten KMU einen kompetenten Ansprechpartner (Gesundheitsmanager), der sie bei der erfolgreichen Einführung und Umsetzung präventiver Maßnahmen unterstützt und koordinierende Funktionen wahrnimmt.

Letztere sind notwendig, weil Einzelmaßnahmen zur Gesundheitsförderung (Rückenschule, Gesundheitstag im Betrieb, einmalige Sportveranstaltung, Massagen) weder zielführend sind noch zu nachhaltigen Ergebnissen führen, weswegen eine ganzheitliche Perspektive und die nachhaltige Verankerung von Sicherheit und Gesundheit in der Organisationsstruktur und Unternehmenskultur angestrebt werden müssen. Dazu gehört neben der Arbeitsgestaltung auch die Kompetenzentwicklung der Mitarbeiter.

Da kleinere Unternehmen oft nicht über die Ressourcen für ein umfassendes betriebliches Gesundheitsmanagement verfügen, werden im Rahmen von NeuPrAG regionale Unternehmensnetzwerke gebildet, die den Organisationsaufwand und die Kosten für den einzelnen Betrieb verringern und einen Erfahrungsaustausch ermöglichen sollen.

Nutzen der betrieblichen Gesundheitsförderung

Für eine systematische betriebliche Gesundheitsförderung sprechen nicht nur die Einsparungen infolge reduzierter Fehlzeiten, sondern auch eine verringerte Fluktuation in der Belegschaft, durch die wertvolle Qualifikationen langfristig gesichert werden. Außerdem verbessert sich das Image des Unternehmens, wenn dieses sich um Wohlergehen und Gesundheit der Mitarbeiter sorgt, was sich auch auf die Rekrutierung von Nachwuchs auswirkt. Angesichts der demografischen Entwicklung ist es zudem wichtig, die Leistungsfähigkeit der Beschäftigten auch im höheren Erwerbsalter zu erhalten. Dass durch Prävention auch Verbesserungen der Qualität, die Förderung von Innovationen und eine Verbesserung der Kundenzufriedenheit erreicht werden können, konnte bereits durch eine Studie des AOK Bundesverbandes nachgewiesen werden.

Weitere Informationen zum Projekt NeuPrAG sowie Kontaktadressen finden Sie unter www.neuprag.de.

Nicole Jansen, StBG

 

1 Vgl. Rahmenkonzept „Innovative Arbeitsgestaltung – Zukunft der Arbeit“ Bundesministerium für Bildung und Forschung

2 Vgl. Kriener, Birgt (2005), „Bei uns geht es um´s überleben“

3 vgl. Meggeneder, Pelster, Sochert „Betriebliche Gesundheitsförderung in kleinen und mittleren Unternehmen“ (2005)

4 vgl. Zielgruppenanalyse „Arbeits- und Gesundheitsschutz“ im Rahmen des Kooperationsnetzwerkes „gesünder Arbeiten mit System“ www.gamsys.de

Langzeiterkrankungen in der Baustoffindustrie
Langzeiterkrankungen in der Baustoffindustrie
Netzwerke bilden
Optimierung von Arbeitsschutz und Kostensenkung
Optimierung von Arbeitsschutz und Kostensenkung
Kundenzufriedenheit und Unternehmenssicherung
Kundenzufriedenheit und Unternehmenssicherung
Produktivitätssteigerung
Produktivitätssteigerung

Quelle: AOK-Bundesverband (2005) – Befragung von 131 Unternehmen
zum Nutzen betrieblicher Gesundheitsförderung.