Die neue Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie

Theodor Bülhoff

Zum 1. Januar 2010 geht die neue Berufgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI) an den Start. Das haben die Selbstverwaltungsorgane der sich vereinigenden Berufsgenossenschaften der Branchen Bergbau, Steinbruch, Chemie, Leder, Papiermacher und Zucker im Oktober in Berlin beschlossen. 

Auch im größeren Verbund wird die neue Berufsgenossenschaft den Unternehmen und deren Beschäftigten in den jeweiligen Branchen eine umfassende Identifizierung mit „ihrer“ Unfallversicherung ermöglichen. Das gilt für alle Versicherungsbereiche, in besonderem Maße aber für die Prävention. Die Mitgliedsunternehmen der neuen BG RCI werden in der Arbeitssicherheit und im Gesundheitsschutz stärker als jemals zuvor von der Bündelung der Kräfte profitieren. Hier bleibt die bestehende Vielfalt erhalten, wobei die Fusion hinreichend Gelegenheit bietet, die Verwaltungsarbeit zu verschmelzen und auf diesem Wege Kosten einzusparen. Bei allem bleibt, wie schon früher an dieser Stelle betont, das Wohl der Mitgliedsunternehmen und der dort Beschäftigten das oberste gemeinsame Ziel. 

Mit dem Zusammenschluss von bisher sechs Einzelberufsgenossenschaften zu einer einzigen BG RCI sind die Berufsgenossenschaften insgesamt der politischen Vorgabe der Straffung der Verwaltung einen gewaltigen Schritt näher gekommen. Das Ziel von bundesweit nur noch 9 statt bisher 35 Trägern der gesetzlichen Unfallversicherung der gewerblichen Wirtschaft ist jetzt zum Greifen nahe. 

Die neue Berufsgenossenschaft wird künftig 1,3 Millionen Beschäftigte in rund 35.000 Unternehmen gegen die Folgen von Arbeitsunfällen, Wegeunfällen und Berufskrankheiten versichern. Das Gesamtbudget wird sich auf rund 1,2 Milliarden Euro belaufen. Sitz der BG RCI wird Heidelberg sein, ergänzt durch weitere Hauptverwaltungsstandorte in Bochum, Mainz und Langenhagen. Zur fachkundigen Betreuung der Mitgliedsunternehmen gerade in präventiver Hinsicht wird für alle beteiligten Branchen weiterhin ein dichtes, dezentral organisiertes Netz von Bezirksverwaltungen im gesamten Bundesgebiet unterhalten. Ebenso bleibt das Leistungspaket der Berufsgenossenschaften bei Rehabilitation, Renten und anderen Entschädigungsleistungen in vollem Umfang erhalten. Rund 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden für die Belange der Mitgliedsunternehmen und der dort Beschäftigten zuständig sein. 

Wer bei Fusionen wie dieser von „Wandel durch Anpassung“ spricht, muss in diesen Tagen auch an den Faktor Stabilität erinnern. Gerade Krisen mahnen uns, den Wert stabiler Institutionen neu schätzen zu lernen. Die aktuellen Gefährdungen des globalen Finanz- und Wirtschaftsgefüges führen uns die Bedeutung eines langfristigen, perspektivischen Denkens vor Augen, das viele in der letzten Zeit leichtfertig extrem kurzfristigen Zielen geopfert haben. Das gilt auch für öffentliche Einrichtungen. Insoweit ist es eine bleibende Herausforderung, auch die Gestaltung der anstehenden Organisationsprozesse der neuen Berufsgenossenschaft perspektivisch auszurichten und an langfristigen Zeithorizonten zu orientieren. 

Die Selbstverwaltungen der Berufsgenossenschaften haben mit ihren Entscheidungen unter Beweis gestellt, dass es gelingen kann, eine zukunfts-orientierte Fortentwicklung des Systems der gesetzlichen Unfallversicherung aus eigener Kraft zu verwirklichen. Zu Recht hat der Vorsitzende der Vertreterversammlung der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft, Dr.-Ing. Christoph Hommertgen, in seiner Ansprache anlässlich der feierlichen Unterzeichnung des Fusionsvertrages in Berlin das Beharren auf der Souveränität der Selbstverwaltung bei der Ausgestaltung der Organisationsreform herausgestellt. Ich bin überzeugt: Mit den erfolgten Fusionsbeschlüssen tragen wir bei zu einem langfristig stabilen und kostengünstigen Unfallversicherungssystem in Deutschland. Die Beschlüsse sind ein wegweisender Beitrag zur kontinuierlichen Verbesserung der Qualität unserer Arbeit. Dessen ungeachtet bleibt es unsere vordringliche Aufgabe, mit allen geeigneten Mitteln die Erfordernisse unseres Systems besser zu erklären und auf diesem Wege seine Akzeptanz in den Unternehmen und Betrieben, bei den dort Beschäftigten und in der allgemeinen Öffentlichkeit zu fördern. 

Theodor Bülhoff