Unfallentwicklung im ersten Halbjahr 2007: Licht und Schatten

Das Unfallgeschehen in den Mitgliedsunternehmen der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft hat sich im ersten Halbjahr 2007 höchst unterschiedlich entwickelt. Während die Anzahl der Arbeitsunfall-, Wegeunfall- und Berufskrankheitenrenten nach wie vor sinkt, hat die Zahl der tödlichen Unfälle zugenommen.

Licht

Unterschiedlich ist auch die Entwicklung bei den gemeldeten Arbeitsunfällen. Diese haben im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3,02 % auf 5.864 zugenommen. Während die Zahl der nicht meldepflichtigen Arbeitsunfälle um 6,67 % angestiegen ist, hat die Zahl der meldepflichtigen Arbeitsunfälle um 0,63 % auf 2.826 Fälle abgenommen (Abb. 1). Eine Interpretation dieser Zahlen ist zum jetzigen Zeitpunkt allerdings schwierig, da sie nicht in das Verhältnis zur Anzahl der in den Mitgliedsunternehmen der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft beschäftigten Mitarbeiter gesetzt werden kann. Eine Bewertung der Zahlen ist erst im Frühjahr 2008 möglich, wenn die Anzahl der geleisteten Stunden bzw. der Vollarbeiter vorliegt.

Nach wie vor positiv ist die Entwicklung bei den Unfallrenten. Mit 88 neuen Rentenfällen hat sich dieser Wert im Vergleich zu vor zehn Jahren um 56 % mehr als halbiert (Abb. 2). Ähnlich positiv ist auch die Entwicklung bei den neuen Wegeunfallrenten. Im ersten Halbjahr 2007 waren 13 schwere Wegeunfälle durch eine Unfallrente zu entschädigen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist dies ein Rückgang von 18,75 %. Bemerkenswert auch die Entwicklung bei den neuen Berufskrankheitenrenten. Hier zeigt sich ein Rückgang der absoluten Fälle, bezogen auf die letzten zehn Jahre, um 65 %. Damit konnte, bezogen auf die letzten zehn Jahre, die Anzahl der neu entstandenen Berufskrankheitenrenten um nahezu 2/3 reduziert werden.

Schatten

„Wo Licht ist, ist auch Schatten!“ Dieses bekannte Sprichwort trifft leider auf die Entwicklung des Unfallgeschehens bei den tödlichen Unfällen zu. So waren im ersten Halbjahr 2007 fünf tödliche Arbeitsunfälle in den Mitgliedsunternehmen der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft zu beklagen (Abb. 3). Drei tödliche Unfälle ereigneten sich in Unternehmen der Beton- und Fertigteil-Industrie, einer in der Zement-Industrie und ein tödlicher Unfall im Zusammenhang mit dem Betrieb einer Betonpumpe. Die Unfallursachen werfen in vielerlei Hinsicht Fragen auf.

In drei Fällen wurden die Gefahrenbereiche von maschinellen Produktionsanlagen betreten, obwohl die damit verbundenen Gefährdungen den Betroffenen bekannt waren und zum Teil unmittelbar vor dem Unfallereignis – Zeugen bestätigen dies – besprochen wurden. In einem anderen Fall war es mit großer Wahrscheinlichkeit Unkenntnis, die zu tödlichen Verletzungsfolgen führte.

Leider hat sich der negative Trend bei den tödlichen Arbeitsunfällen im zweiten Halbjahr 2007 fortgesetzt. So haben sich im Zeitraum von Juli bis Oktober 2007 weitere sechs tödliche Arbeitsunfälle in Mitgliedsunternehmen der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft ereignet. Mit elf tödlichen Arbeitsunfällen wurde bereits gegen Ende Oktober 2007 das Ergebnis des Vorjahres (acht Fälle) deutlich übertroffen.

Das war für den Vorstand der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft Anlass, in einem Brief alle Mitgliedsunternehmen über diese Besorgnis erregende Entwicklung zu informieren. In diesem Zusammenhang wurde an die Unternehmensleitungen appelliert, durch entsprechende Maßnahmen in ihren Betrieben dieser Entwicklung gegenzusteuern. Als wichtigste Maßnahmen wurden genannt: 

Fazit

Die Unfallbilanz des ersten Halbjahres 2007 zeigt zwei unterschiedliche Entwicklungen. Nach wie vor positiv ist die Tendenz bei den schweren Arbeits- und Wegeunfallrenten. Auch der stetige Rückgang bei den Berufskrankheitenrenten ist erfreulich. Unerfreulich dagegen ist die Entwicklung bei den tödlichen Arbeitsunfällen. Bereits Ende Oktober 2007 wurde die Anzahl des gesamten Jahres 2006 deutlich überschritten. Hier ist ein Gegensteuern zwingend erforderlich.

Bei der Durchführung von Maßnahmen müssen die Unternehmen das Rad nicht neu erfinden. Die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft unterstützt die Mitgliedsbetriebe mit bewährten Angeboten wie z. B. dem Praxishandbuch, dem Gütesiegel, der BAUZ-Zeitung oder Videofilmen zur Gefährdungsbeurteilung.

Sprechen Sie uns an – wir stehen Ihnen mit Rat und Tat zur Seite! Wir haben ein gemeinsames Ziel: Keine Arbeitsunfälle in der Steine und Erden-Industrie. 

Wolfgang Pichl, StBG

Abb. 1: Gemeldete Arbeitsunfälle im 1. Halbjahr
Abb. 1: Gemeldete Arbeitsunfälle im 1. Halbjahr
Abb. 2: Entwicklung der neuen Rentenfälle
Abb. 2: Entwicklung der neuen Rentenfälle
Abb. 3: Tödliche Unfälle im 1. Halbjahr
Abb. 3: Tödliche Unfälle im 1. Halbjahr