Trügerische Idylle

Landstraßen sind schön, aber auch gefährlich. Laut Unfallforschung sind sie sogar die gefährlichsten Straßen in Deutschland. Das Risiko, auf Landstraßen tödlich zu verunglücken, ist mehr als doppelt so hoch wie auf anderen Straßen, so der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR). Bei rund 86.000 Unfällen mit Personenschaden auf Landstraßen wurden im vergangenen Jahr 3.062 Menschen getötet. Das sind rund 60 Prozent aller im Straßenverkehr Getöteten.

Die Ursachen sind vielfältig: Hohe Geschwindigkeiten, scharfe Kurven und wechselnde Straßenbedingungen tragen ebenso zum Unfallgeschehen bei wie das Aufeinandertreffen der unterschiedlichsten Verkehrsteilnehmergruppen: vom Fußgänger und Reiter bis zum schweren Lkw und zu landwirtschaftlichen Nutzfahrzeugen. Durch angepasste Geschwindigkeit und eine vorausschauende Fahrweise könnten Autofahrer viel dazu beitragen, Unfälle zu vermeiden. Darauf weist der DVR hin. Aber auch die Behörden sind nach Meinung der Verkehrsexperten gefordert, zur Entschärfung der Unfallsituation auf Landstraßen beizutragen.

Schon bei der Planung einer Landstraße kann durch ein so genanntes Sicherheitsaudit gewährleistet werden, dass Streckenführung und Anlage der Knotenpunkte Sicherheitsanforderungen so weit wie möglich berücksichtigen. Sicherheitsaudits sollten durch speziell ausgebildete Verkehrsplaner durchgeführt werden.

Eine Häufung von Unfällen an bestehenden Streckenabschnitten, Kreuzungen oder Einmündungen weist ebenfalls oft auf Mängel in der Straßenführung hin. Örtliche Unfallkommissionen können solche Unfallschwerpunkte mit Hilfe von Unfalltypen-Steckkarten ermitteln und Vorschläge zur Entschärfung entwickeln. Die Unfallkommissionen, die aus Vertretern der Polizei und der Straßenverkehrs- und Straßenbaubehörden bestehen, gibt es leider noch nicht in allen Regionen.

Und schließlich ist auch das Mittel der so genannten Verkehrsschau geeignet, Mängel an Landstraßen aufzudecken und abzustellen.

Der DVR und die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) haben die Landstraße in den Mittelpunkt ihrer gemeinsamen Aktion „Kein Platz für Kreuze“ (www.kein-platz-fuer-kreuze.de) gerückt, die vom Herbst 2007 bis zum Frühjahr 2008 in Betrieben in ganz Deutschland durchgeführt wird.

Unfall auf der Landstraße: Im vergangenen Jahr starben 3062 Menschen auf der Landstraße!
Unfall auf der Landstraße: Im vergangenen Jahr starben 3062 Menschen auf der Landstraße!