Forschungsprojekt InnoRad bringt Flurförderzeuge länger ins Rollen

Die Minimierung der Total Cost of Ownership(TCO) von Flurförderzeugen ist im Interesse jedes Logistikers. Der Ersatz verschlissener Räder und Rollen bei Flurförderzeugen beispielsweise kostet Industrie und Handel in Europa alljährlich mehr als 554 Millionen Euro. In Deutschland sind es rund 118 Millionen Euro. Auch mögliche Reduzierungen der Abfallmenge sind interessant: Jedes Jahr müssen nahezu 17.000 Tonnen entsorgt werden. Was Rädern und Rollen zusetzt, sind normaler Reibverschleiß,  Reibungshitze (thermische Überlastungen) und schlagartige Stöße, etwa beim Überfahren von Schwellen.

Das Forschungsprojekt InnoRad will Einsparungsmöglichkeiten zugunsten der Betreiber ausloten. Das Ziel: Neue Werkstoffe, Fertigungsverfahren und Radkonstruktionen sollen die Radtechnologie zukunftsträchtig sowie Räder und Rollen langlebiger machen. Das Verbundprojekt InnoRad wurde Mitte 2006 ins Leben gerufen. In ihm engagieren sich außer namhaften Flurförderzeugherstellern auch Rad- und Kunststoffproduzenten. Außerdem wird es vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

„Die Zeit ist reif, auch das unspektakuläre Maschinenelement Radrolle in der Entwicklung von Flurförderzeugen zu berücksichtigen“, erläutert Maik Manthey, Projektkoordinator InnoRad und Leiter Innovationsmanagement beim Konsortialführer KION Group.

Ansätze für eine Optimierung gibt es genug, etwa durch eine Variation der Felgen- und Bandagengeometrie, der Lagerung, der Radaufhängung, der Werkstoffe oder Fertigungsverfahren. Dafür sollen reproduzierbare Auslegungs-, Berechnungs- und Testverfahren für verschiedene Einsatzzwecke entwickelt werden. Ferner wird untersucht, ob eine Erhöhung der Maximalbelastungen bei gleichzeitiger Erhöhung der Verschleißfestigkeit möglich ist. Manthey: „Wir wollen die Lebensdauer der Bauelemente Rad und Laufrolle bei gleichen Produktionskosten um mindestens 20 Prozent verlängern, indem auftretender Verschleiß und schlagartige Zerstörung reduziert werden.“

In diesem Zusammenhang spielt eine wissenschaftliche Analyse der Still GmbH eine zentrale Rolle: Die Erhebung erfasste den Ist-Zustand der Räder-Lebensdauer. Außerdem wurden in der Still-Studie aufgetretene Radschäden unter verschiedenen Einsatz- und Belastungszenarien betrachtet.

Vier Projektphasen

Das Projekt InnoRad teilt sich in vier Projektphasen auf: Analyse, Modellbildung, Entwicklung, Verbreitung der Ergebnisse und Transfer des Know-hows auf andere Bereiche. Die Analysephase ist mittlerweile abgeschlossen. Ergebnis: Mit den Räderherstellern wurde eine systematische Bestandsaufnahme der Konstruktion und Werkstoffe gemacht.

Die KION-Gruppe ist nicht nur Konsortialführer und Projektkoordinator, sondern auch mit ihrer Premiummarke Still als Forschungs- und Entwicklungspartner an dem Verbundprojekt InnoRad beteiligt. Darüber hinaus engagieren sich die Unternehmen Jungheinrich AG, die Räder- und Rollenhersteller Räder-Vogel GmbH und Wicke GmbH, der Kunststoffhersteller Bayer Material Science AG und die Robert Bosch GmbH als Anwender. Die wissenschaftliche Begleitung von InnoRad liegt in den Händen des Instituts für Fördertechnik und Logistik der Universität Stuttgart und beim Lehrstuhl für Maschinenelemente und technische Logistik der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.

Weitere Informationen im Internet unter: www.InnoRad.de

Stapler im Einsatz
Räder und Rollen von Flurförderzeugen sind vielfältigen Belastungen ausgesetzt.
Simulation der Radbelastungen
Simulation der Radbelastungen
Prüfstand für Räder und Rollen
Prüfstand für Räder und Rollen