Vom Raucher zum Nichtraucher

Betriebliche Gesundheitsförderung in einem Kleinbetrieb – ein Projektreport

Das Kieswerk Brinkmeyer GmbH & CoKG in Möllbergen ist seit Jahren dem „Unternehmermodell" der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft angeschlossen. Der Klein-Betrieb verfügt damit über einen Betriebsarzt – und einen Sicherheitsbeauftragten – wie ein Großbetrieb.

Aufgrund einer aktuellen Anfrage besuchte Dr. Bernhard Kirchner das Kieswerk. Da er sich als zuständiger Betriebsarzt von der StBG neu vorstellte, kam das Gespräch auch auf die allgemeinen Möglichkeiten betrieblicher Gesundheitsförderung in einem kleinen Unternehmen, wie Brinkmeyer eines ist.

Dr. Kirchner berichtete darüber: „Im Laufe des Gespräches kamen wir auf die gesundheitsgefährdenden Auswirkungen des Nikotinkonsums. Da einige Mitarbeiter seit langem starke Zigarettenraucher waren, stellte ich mein Raucherentwöhnungskonzept vor. Drei Mitarbeiter und die Ehefrau des einen entschieden sich danach, an einem entsprechenden Projekt teilzunehmen.“

Zunächst trafen sich die interessierten Mitarbeiter zu einem gemeinsamen Eingangsgespräch, in dem über die Gefährdungen des Rauchens ernsthaft und ausführlich gesprochen wurde – aber auch über die positiven, gesundheitlichen Auswirkungen, die ein Rauchverzicht mit sich bringen würde. Der Gebrauch eines Nikotinpflasters als Nikotinersatz konnte ausführlich erklärt werden.

Zu Beginn des Programms wurde die Abhängigkeit vom Nikotin mit dem von Prof. Dr. K. O. Fagerström in Schweden entwickelten Fragebogen ermittelt (siehe Abbildung}. Hierbei ergaben sich im Test bei den einzelnen unterschiedliche Ergebnisse, und zwar eine „geringe Abhängigkeit", eine „starke Abhängigkeit“ und eine sehr „starke Abhängigkeit".

Dr. Kirchner: „Die Teilnehmer waren langjährige Raucher, wobei pro Person im Schnitt 30 Zigaretten pro Tag geraucht wurden. Ich führte dann Einzelgespräche mit jedem Mitarbeiter. Hier wurde auf Vorerkrankungen  oder die Einnahme von Medikamenten eingegangen. Auch die individuelle Dosierung des Nikotinpflasters wurde festgelegt. Ein Mitarbeiter erklärte, er wolle auf das Pflaster ganz verzichten und allein durch „festen Willen" und regelmäßigen Kontakt zu mir Nichtraucher werden.“

Über etwa drei Monate hinweg begleitete der Arbeitsmediziner die Teilnehmer regelmäßig. In Abständen von zwei bis sechs Wochen fanden Beratungen statt. Während dieser Zeit wurden die Nikotindosierungen des Pflasters reduziert, aber immer auch allgemeine, gesundheitliche Fragen besprochen.

Als Nebenwirkungen des Pflasters berichteten die Mitarbeiter über aufgetretene Müdigkeit und Blähungen. An einem Teilnehmer wurden Entzugserscheinungen festgestellt. Eine Gewichtszunahme trat bei allen Beschäftigten auf.

Dr. Kirchner: „Zwei der drei Beschäftigten und die Ehefrau des einen sind bis zum Erscheinen dieses Artikels Nichtraucher. Ein Mitarbeiter hat wieder mit dem Zigarettenrauchen begonnen. Solch ein „Rückfall“ ist immer möglich und sollte gelassen gesehen und vor allem nicht moralisiert werden.“

Insgesamt war das Projekt „Raucherentwöhnung“ nach Ansicht Dr. Kirchners ein guter Erfolg“ „Dieses Ergebnis sollte auch anderen Kleinunternehmern Mut machen, Schritt für Schritt eine betriebliche Gesundheitsförderung in ihren Betrieben zu verwirklichen.“

Fragebogen von Prof. Dr. K. O. Fagerström (PDF-Datei)

Plakat der Nichtraucher-Kampagne 2006
Plakat der Nichtraucher-Kampagne 2006