Die neue BGI 5047 „Mineralischer Staub“

In diesen Tagen erscheint die neue BG-Information „Mineralischer Staub“ (BGI 5047) und ersetzt die BG-Regel „Umgang mit mineralischem Staub“ (BGR 217). Im Folgenden werden die Inhalte der neuen BGI kurz vorgestellt und die Gründe für den Ersatz der BGR 217 erläutert.

Viele Fachleute werden sich noch an die bis 1999 gültige Unfallverhütungsvorschrift „Gesundheitsgefährlicher mineralischer Staub“ (VBG 119) erinnern, deren Vorgaben weitgehend in die BGR 217 übernommen worden waren. Auch in der neuen BGI 5047 findet man deren Staubbekämpfungsmaßnahmen wieder, allerdings wurden die Beschreibungen an die neue Gefahrstoffverordnung angepasst. Dabei wurde auch die Einstufung von Tätigkeiten oder Verfahren als krebserzeugend berücksichtigt, bei denen Beschäftigte alveolengängigen Quarz- und Cristobalitstäuben, also solchen Feinstäuben, ausgesetzt sind. Die BGI 5047 schlägt somit nicht nur Staubbekämpfungsmaßnahmen vor, sondern leistet auch Hilfestellung bei der Umsetzung der Vorschriften der Gefahrstoffverordnung.

Die BGI besteht aus folgenden Kapiteln:

  1. Anwendungsbereich
  2. Begriffsbestimmungen
  3. Gefährdungsbeurteilung für Tätigkeiten mit mineralischem Staub
  4. Schutzmaßnahmen
  5. Arbeitsmedizinische Vorsorge
  6. Beschäftigungsbeschränkungen
  7. Anhänge

In den ersten beiden Kapiteln hat sich im Vergleich zur BGR 217 nicht viel geändert. Da die Gefährdungsbeurteilung in der neuen Gefahrstoffverordnung einen sehr breiten Raum einnimmt, wurde das entsprechende 3. Kapitel in der BGI ebenfalls erheblich erweitert. Gemäß den Vorgaben der Gefahrstoffverordnung werden die acht Schritte einer systematischen Gefährdungsbeurteilung ausführlich und auf den Gefahrstoff Staub bezogen erläutert. Dazu wurde in Anlehnung an die Gefahrstoffverordnung ein abgestuftes Schutzmaßnahmenkonzept für den Umgang mit Staub entwickelt. Grundlage für dieses Maßnahmenkonzept war die einfache Überlegung, dass wenig Staub nur wenige Schutzmaßnahmen erforderlich macht, viel Staub hingegen intensiver bekämpft werden muss. Die Stufen dieses Konzeptes sind also über die Staubkonzentrationen in der Luft am Arbeitsplatz definiert und werden als Gefährdungskategorien bezeichnet. Die notwendigen Staubbekämpfungsmaßnahmen werden nach diesem Konzept folgendermaßen festgelegt:

  1. Es werden Gefährdungskategorien vorgeschlagen, die sich an den unterschiedlichen Staubkonzentrationen und -zusammensetzungen orientieren, wie sie an Arbeitsplätzen vorzufinden sind.
  2. Für diese Gefährdungskategorien werden gleichzeitig konkrete Maßnahmen zur Staubbekämpfung vorgeschlagen.
  3. Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung werden diesen Gefährdungskategorien dann einzelne Tätigkeiten oder Arbeitsbereiche aufgrund von systematischen Ermittlungen, auf der Basis vorliegender Messdaten oder im Einzelfall zugeordnet. Hilfestellung bei dieser Zuordnung liefert das „Ablaufschema zur Ermittlung der Gefährdungskategorien“ (siehe Abbildung).
  4. Damit können die für diese Tätigkeit oder diesen Arbeitsbereich vorgeschlagenen Präventionsmaßnahmen direkt aus einer Tabelle abgelesen und übernommen werden.
  5. Wie immer gilt: Wenn nicht ermittelt wird, ist vorsichtshalber von der höchsten Gefährdungskategorie auszugehen.

Das Ablaufschema, das Anhang 2 der BGI entnommen wurde, führt den Anwender systematisch durch die Ermittlungen und verweist auch auf geringe Gefährdungen, wie sie beispielhaft in Anhang 1 der BGI aufgeführt sind.

Die in der BGI beschriebenen möglichen Staubbekämpfungsmaßnahmen sind für den betrieblichen Praktiker, anders als zuvor in der BGR 217, kurz und prägnant in einer Tabelle zusammengefasst: Damit können mögliche Maßnahmen ohne viel blättern mit einem Blick erfasst werden.

In der 1. Spalte dieser Tabelle, die sich auch in Anhang 3 der BGI 5047 wiederfindet, sind die Staubbekämpfungsmaßnahmen aufgelistet, die bei Tätigkeiten mit Staub grundsätzlich anwendbar sind. Die anderen Spalten sind dann den einzelnen Gefährdungskategorien zugeordnet, die zuvor anhand des Ablaufschemas ermittelt wurden. Die für eine Gefährdungskategorie vorgeschlagenen Maßnahmen sind jeweils durch Kreuzchen gekennzeichnet. Man kann dann diese Vorschläge einfach übernehmen, oder sich die Maßnahmen heraussuchen, die man am betrachteten Arbeitsplatz für sinnvoll, umsetzbar und geeignet zur Staubbekämpfung hält.

Die in Kapitel 4  beschriebenen Staubbekämpfungsmaßnahmen sind weitgehend aus UVV, BGR 217 und dem Anhang III Nr. 2.3 der neuen Gefahrstoffverordnung bekannt. Neu hinzugekommen im Vergleich zur BGR 217 ist die Forderung nach Einhaltung des Grenzwertes für A- und E-Staub und die Notwendigkeit der Verhinderung der Staubausbreitung auf unbelastete Arbeitsbereiche. Neu ist auch die Forderung nach Waschmöglichkeiten bei staubintensiven Tätigkeiten.

Lösungsvorschläge für die Umsetzung der neuen Gefahrstoffverordnung

Der Grenzwert für Quarz ist als technisch begründeter Grenzwert zurückgezogen worden. Aufgrund der bereits erwähnten Einstufung von Tätigkeiten mit alveolengängigem Quarzstaub als krebserzeugend ist zur Zeit die Ableitung eines Arbeitsplatzgrenzwertes (AGW) nicht möglich. Für mineralische Stäube ist nunmehr insbesondere der allgemeine Staubgrenzwert mit 3 mg/m³ für die alveolengängige Fraktion (früher: Feinstaub) und 10 mg/m³ für die einatembare Fraktion (früher: Gesamtstaub) von Interesse. Dieser Grenzwert ist als Schichtmittelwert festgelegt.

Durch die Aufhebung des bisherigen Grenzwertes für Quarz ist zur Zeit unklar, ab welcher Quarzkonzentration eine Gefährdung zu unterstellen und Atemschutz zu tragen ist. Gleichzeitig fehlt damit das wichtigste Beurteilungskriterium für die Überprüfung der Wirksamkeit von getroffenen Schutzmaßnahmen gegen mineralischen Staub. Es ist auch unklar, welchem Personenkreis nunmehr Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen anzubieten und für wen diese Untersuchungen verpflichtend sind. Antworten auf diese Fragen sind umso dringender notwendig, wenn man berücksichtigt, dass praktisch jeder luftgetragene mineralische Staub mehr als den ansonsten üblichen Schwellenwert von 0,1 Prozent Quarz und auch alveolengängige Anteile enthält, da Quarz als wichtiger Bestandteil der Erdkruste praktisch überall vorkommt. Diese Frage wird dadurch, dass bestimmte Atemschutzgeräte als nicht belastend angesehen werden und demzufolge ständig getragen werden dürften, nicht wirklich gelöst.

In der BGI werden, zumindest bis zur Klärung der angedeuteten Probleme in verbindlichen staatlichen Vorschriften und Regeln, Antworten auf die Fragen nach dem Vorliegen einer Gefährdung, nach geeigneten Beurteilungsmethoden und nach der Durchführung der Arbeitsmedizinischen Vorsorge vorgeschlagen. Diese Lösungsmöglichkeiten sind vielleicht nicht ganz von der Gefahrstoffverordnung abgedeckt, werden aber von allen im Fachausschuss Steine und Erden vertretenen Fachleuten als sinnvoll angesehen.

Als unteres Abschneidekriterium für die Frage, ob ein Staub als quarzhaltig anzusehen ist, wird ein Grenzgehalt von 5 Prozent Quarz vorgeschlagen, unterhalb dessen man, bei Einhaltung der übrigen genannten Kriterien, eine geringe Gefährdung unterstellen und die Erleichterungen der Gefährdungskategorie 1 in Anspruch nehmen kann. Die in der BGI 5047 beschriebenen Staubschutzmaßnahmen sind einzeln oder in Kombination dazu geeignet, die Gefährdungen durch mineralischen Staub zu minimieren. Eine Gefährdung und die Notwendigkeit des Tragens von Atemschutz werden erst bei Nichteinhaltung des bisherigen Grenzwertes für Quarz als Achtstundenmittelwert unterstellt. Auch bezüglich der Arbeitsmedizinischen Vorsorge wird in Kapitel 5 der BGI im wesentlichen die Beibehaltung der bisherigen Vorgehensweise empfohlen. Die bisherige BGR 217 wurde deshalb nicht mehr als BG-Regel, sondern als empfehlende BG-Information veröffentlicht.

In Kapitel 6 wird schließlich auf Beschäftigungsbeschränkungen für staubbelastete Tätigkeiten hingewiesen. Die Anhänge 1 bis 3 mit der Arbeitshilfe zur Gefährdungsbeurteilung, dem Ablaufschema zur Ermittlung der Gefährdungskategorien und der Zuordnung von Schutzmaßnahmen für mineralischen Staub zu den Gefährdungskategorien wurden oben bereits vorgestellt. Die übrigen Anhänge sind aus der BGR 217 bekannt.

In dieser BGI wird das Thema Mineralischer Staub also kompakt, aber vollständig abgehandelt, der Anwender im Betrieb benötigt in der Regel keine weiterführende Literatur.

Dr. Hansmartin Reimann, StBG