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63.000 Tübbinge für Katzenbergtunnel

Anfang Juni hat zwischen Freiburg und Basel eines der größten Tunnelbauprojekte Deutschlands begonnen: Für den Bau des 9,4 Kilometer langen Katzenbergtunnels sind zwei gigantische Bohrmaschinen im Einsatz. Mit 4.300 PS rammt sich die 220 Meter lange und 2.500 Tonnen schwere Tunnelbohrmaschine im Schildvortrieb von Süden her in den Berg.

Knapp 2,5 Milliarden Euro hat das Baukonsortium Züblin AG, w&f Ingenieurbau, Marti AG und Jäger Bau dafür veranschlagt, zwei eingleisige Röhren durchs Markgräfler Land zu bohren. Knapp 300 Leute sind im Einsatz, viele arbeiten zehn Tage im Berg und haben dann fünf Tage frei. Zweieinhalb Jahre lang sollen sich die Bohrer ohne Unterbrechung durch kalkigen Fels und knüppelharte Tonschichten arbeiten. 15 Meter am Tag wären ideal, aber die Realität sieht oft anders aus: "Der Untergrund, der sich in 200 bis 250 Millionen Jahren aufgebaut hat, hält so manche Überraschung bereit", erzählt Baukoordinator Wolfgang Hartmann. Er weiß, wovon er spricht. Seit 1982 hat der Bauingenieur 26 Tunnel gebaut.

Die Untergrundverhältnisse halten die Mineure aber auch ohne unvorhergesehene Überraschungen auf Trab, denn eine 90 Meter mächtige Wassersäule drückt auf den Stollen. "Da müssen die 60 Zentimeter dicken Betonfertigteile für die Tunnelwand, die so genannten Tübbinge, wirklich dicht sein", so Hartmann. Die mehr als 16,5 Tonnen schweren Betonringe werden von einem eigens entwickelten Spezialfahrzeug in die frisch gebohrte Röhre gezogen und dort miteinander verankert. So stabilisieren sie den Schacht und bilden gleichzeitig die Tunnelwand. Ein kompletter Ring besteht aus sieben Segmenten. Damit der Nachschub für die insgesamt rund 63.000 Tübbinge nicht abreißt, wurde im nahe gelegenen Ort Efringen-Kirchen extra ein Fertigteilwerk errichtet, in dem sieben Tage die Woche, rund um die Uhr der von der Firma Mobil Beton gelieferte Spezialbeton in Stahlformen gegossen wird. Insgesamt werden für die Tübbinge etwa 350.000 Kubikmetern Beton benötigt, eine Menge, mit der man über 30 Mal den 200 Meter hohen Fernsehturm in Hamburg bauen könnte. Das Werk Schelklingen der HeidelbergCement AG liefert hierfür mehr als 70.000 Tonnen Zement. Weitere 30.000 Tonnen werden für Spritzbeton und Spezialmörtel benötigt.

Auch sonst kommen bei diesem Projekt gigantische Zahlen zustande: Für die 1,8 Millionen Kubikmeter Abraum aus den Tunnelröhren müssten zehn Lkw 22.500 Mal fahren. Um den Transportaufwand und den Lärm für die Anwohner gering zu halten, wird das Material deshalb von einem Förderband direkt in den nahe gelegenen Steinbruch Kapf des HeidelbergCement-Kalkwerks Istein transportiert.

Betonringe
Die mehr als 16,5 Tonnen schweren Betonringe werden von
einem eigens entwickelten Spezialfahrzeug in die Röhre gezogen
und dort miteinander verankert


Tunnelbohrmaschine
Vorbereitungen für den Bau der ersten Röhre: Mit 4300 PS rammt
sich die 200 m lange Tunnelbohrmaschine von Süden her in den Berg





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