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[Die Industrie der Steine + Erden]






Transportbeton-Tag 2005: "Schwierige Zeiten - Einfache Lösungen?"

Am 8. September fand in Potsdam der diesjährige Branchen-Treff der deutschen Transportbetonindustrie - der Transportbeton-Tag 2005 - statt. Über 260 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren der Einladung des Bundesverbandes Transportbeton gefolgt, um sich vor dem Hintergrund des Veranstaltungs-Mottos "Schwierige Zeiten - Einfache Lösungen?" über die Situation der Branche zu informieren und auszutauschen.

In seiner Eröffnungsrede verdeutlichte der am Vortag der Veranstaltung in seinem Amt bestätigte BTB-Präsident Dr. Erwin Kern noch einmal, "wie schwierig" die Zeiten für die Branche tatsächlich sind. Die Produktion der Branche ging in den vergangenen zehn Jahren um 40 Prozent, der Umsatz sogar um über 50 Prozent zurück.

Dr. Kern führte vor Augen, dass unter Berücksichtigung der Inflationsrate die preisbereinigten Erlöse von 1972 bis zum Jahre 2000 zwischen 60 und 69 € je m³ lagen. Ab dem Jahre 2001 unterschritten sie die 60 €-Marke und im Jahre 2004 sogar die 50 €-Marke. Einfache Lösungen könne es angesichts dieser Entwicklungen natürlich kaum geben. Dr. Kern bat die Unternehmen der Branche jedoch eindringlich, Kapazitäten abzubauen und nach Kooperationsmöglichkeiten zu suchen. Vor dem Hintergrund des ruinösen Wettbewerbs der Branche und seiner Befürchtung, dass die Heterogenität auf der Angebotsseite in der Konsequenz auf Dauer verloren gehe, appellierte er an den als Referenten geladenen Vertreter des Bundeskartellamtes Eberhard Temme: "Legen Sie bitte das Kartellrecht praxisorientiert und unter Berücksichtigung der Marktspezifika der Transportbetonindustrie aus. Damit können Sie der Branche bei den strukturellen Anpassungsnotwendigkeiten helfen."



Baukonjunktur am Boden - Baubedarf jedoch hoch

Als paradox kennzeichnete Dr. Kern das Missverhältnis zwischen der praktisch zum Erliegen gekommenen Baukonjunktur in Deutschland und dem gleichzeitig existierenden Investitionsbedarf. Er veranschaulichte dies in Bezug auf infrastrukturelle Maßnahmen an einer Untersuchung des ADAC, in der aufgezeigt werde, dass jeder Autofahrer pro Jahr 65 Stunden im Stau steht. Täglich würden 30 Mio. Liter Kraftstoff unnütz verbraucht. "Unter Umweltgesichtspunkten ein Frevel", so Dr. Kern, "denn rund 18 Prozent der CO2-Emissionen ließen sich verhindern, gäbe es keine Staus. Der volkswirtschaftliche Gesamtschaden beläuft sich auf rund 100 Mrd. € je Jahr. Auf rund 2,5 Mrd. € je Jahr beziffert der ADAC den Erhalt- und Ausbaubedarf des Fernstraßennetzes." In Bezug auf den Wohnungsbau widersprach Dr. Kern der These, dass der Wohnungsbestand und die laufende Bautätigkeit ausreichten, den Bedarf an Wohnungen zu decken. Die statistischen Angaben bestätigten diese Behauptungen nicht. "Geht man davon aus, dass die generelle Nutzungsdauer von Wohngebäuden 100 Jahre beträgt, dann entsteht jährlich ein Bedarf von 1 % des Wohnungsbestandes. Der Wohnungsbestand liegt bei gut 39 Mio. Wohnungen, das heißt, jährlich werden rund 390.000 neue Wohnungen benötigt. Tatsächlich werden in diesem Jahr voraussichtlich aber nur 240.000 Wohnungen fertig gestellt. Es entsteht also eine Lücke von rund 150.000 Wohnungen. Die Knappheit ist also vorprogrammiert. Würden diese 150.000 Wohnungen gebaut werden, entstünden im Übrigen 600.000 neue Arbeitsplätze, denn nach vorliegenden Studien generiert jede Wohnungseinheit vier Arbeitsplätze."

Im nächsten Jahr wird sich die Transportbetonindustrie anlässlich von "Praxis Transportbeton 2006" vom 6. bis 7. September in Köln zu ihrer Jahresveranstaltung treffen.



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