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Allergierisiken bei Berufseinsteigern untersucht

Beruflich bedingte Allergien stehen an der Spitze der angezeigten Berufskrankheiten. Voraussetzung für eine wirksame Prävention sind fundierte Kenntnisse über individuelle und berufliche Risikofaktoren. Eine im Auftrag der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin durchgeführte Langzeitstudie zielte daher darauf, Jugendliche über den Verlauf der Pubertät bis zum Eintritt ins Berufsleben zu beobachten. Die Ergebnisse beschreiben den Einfluss von allergischen Krankheiten auf die Berufswahl, den Einfluss des Berufs auf die Erkrankung und die Dauer zwischen Berufseintritt und Auftreten der Erkrankung.

In einer großen Kohortenstudie wurden etwa 4.000 junge Menschen, die 1995/96 im Alter von 9-11 Jahren bereits auf Asthma und andere allergische Krankheiten untersucht wurden, im Alter von 16-18 Jahren erneut per Fragebogen kontaktiert. Schwerpunkte der Untersuchung waren neben Fragen zu Erkrankungen solche über Berufswünsche und -tätigkeiten, Rauchverhalten, Stress und Umweltfaktoren. Die große Zahl der Probanden und die hohe Rate von bereits einmal untersuchten Teilnehmern eröffnete die weltweit einmalige Möglichkeit, Langzeitprognosen zu erstellen und spezifische Risikofaktoren für berufsbedingte Atemwegserkrankungen und Allergien zu erforschen. Der Zeitpunkt der zweiten Befragung war ganz bewusst an den Anfang des Berufslebens gestellt. So konnte auch der Einfluss von Ferienjobs und anderen Tätigkeiten auf die Entwicklung von allergischen Erkrankungen einbezogen werden, auch ein "Healthy-Worker-Survivor"-Effekt vor Beginn des Berufslebens wurde erfassbar.

Einige Zusammenhänge zwischen Allergieerkrankung und beginnender beruflicher Tätigkeit sind aus Präventionsgesichtspunkten besonders relevant: So gibt es offenbar keinen Zusammenhang zwischen Erkrankung und Berufswahl. Nur 10 Prozent der Befragten berichteten, dass ihre Berufswahl durch Atemwegsbeschwerden oder -erkrankungen beeinflusst wurde. Probanden mit einer atopischen Dermatitis waren sogar eher geneigt, einen Beruf mit potenzieller Latex-Exposition zu wählen, als Teilnehmer ohne diese Beschwerden.

Auch wenn aufgrund der Befragung nicht entschieden werden kann, ob die fehlende Beeinflussung der Berufswahl durch bereits bestehende Erkrankungen aus Unwissen oder aus inadäquater Beratung resultiert, regt dieser Befund zu einer Diskussion über die Qualität der Berufsberatung an. Weiterhin tragen bereits kurze Expositionszeiten maßgeblich zum Entstehen und Fortdauern der untersuchten allergischen Erkrankungen bei.



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