www.steine-und-erden.net > 2004 > Ausgabe 6/04 > nnnnn

[Die Industrie der Steine + Erden]






Naturstein-Forum, Ulm

Diskussion: Private Unfallversicherung wäre nicht billiger

In der Zeit vom 7. bis 9. September 2004 veranstaltete der Deutsche Gesteinsverband (DGV) in Ulm das Naturstein-Forum. Das Rahmenprogramm und die Workshops standen unter dem Motto "Bereit für morgen und übermorgen". Schwerpunkte waren neben genehmigungsrechtlichen Fragestellungen zur Ressourcensicherung das Thema Kostensenkung durch Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz. Im Verlauf der Veranstaltung wurde der Arbeitssicherheits-Preis der Naturstein-Industrie verliehen. Den ersten Preis errang wie auch im Vorjahr das Werk Dietrichsberg unseres Mitgliedsunternehmens Rhönbasalt Vacha GmbH.
Im Forum des Kongresszentrums bestand die Möglichkeit, die begleitende Ausstellung zu besuchen. Auch die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft war mit einem Stand vertreten. Hier konnten sich die Teilnehmer über das Gütesiegel "Sicher mit System" und das Thema Staubschutz informieren.
In Workshops wurden Podiumsdiskussionen zu aktuellen Problemen geführt. Unter der Leitung von R.G. Hagemeier von der Mitteldeutschen Hartstein-Industrie AG behandelte eine Arbeitsgruppe das Thema "Berufsgenossenschaften weg - Gestaltungsspielraum oder Verantwortungsfalle". Mit auf dem Podium saßen
  • Prof. Dr. B. Bräunig, Justus-Liebig-Universität, Gießen
  • Dipl.-Ing. H. Ehnes, Leiter der Prävention von Steinbruchs- und Bergbau-Berufsgenossenschaft, Langenhagen,
  • Prof. Dr. E. Hamer, Mittelstandsinstitut Niedersachsen, Hannover und
  • Dr. A. Bastiani, Münchener Rückversicherungsgesellschaft, München.
Zunächst wurde die deutliche Kritik am deutschen Arbeitsschutzsystem angesprochen, die sich über die Deregulierungsdebatte bis hin zur Auflösung der Berufsgenossenschaften und zur Privatisierung der gesetzlichen Unfallversicherung erstreckte.
Als Vertreter der gewerblichen Unfallversicherung hob Ehnes die Leistungen der Berufsgenossenschaften hervor. Als Erfolg der Präventionskampagnen der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft führte er den 60prozentigen Rückgang der meldepflichtigen Unfälle in den letzten acht Jahren an. Im gleichen Zeitraum sei die Anzahl der neuen Arbeitsunfallrenten um 52 Prozent zurückgegangen. Das Vorschriftenwerk der StBG sei auf ein Mindestmaß von 15 Unfallverhütungsvorschriften reduziert worden. Durch Zusammenschluss von Berufsgenossenschaften bzw. durch die Bildung von Verwaltungsgemeinschaften zeige sich die Reformfähigkeit des Systems der gesetzlichen Unfallversicherung.
Der Vertreter der Versicherungswirtschaft Dr. Bastiani, Münchener Rückversicherungsgesellschaft, berichtete über die gesetzlichen Regelungen der Arbeitssicherheit im Ausland. Auch in Deutschland sei der Aufbau einer privatwirtschaftlich geregelten Arbeitsunfallversicherung unter geänderten gesetzlichen Rahmenbedingungen denkbar. Bei der Umstellung von dem jetzigen umlagefinanzierten System auf ein kapitalgedecktes System sei eine Kostenreduzierung jedoch nicht zu erwarten. Nach Ansicht von Bräunig werde es bei gleicher Leistung sogar teurer, denn private Versicherungen müssen Gewinne erwirtschaften.
Im Verlauf des Gespräches wurde klar, dass die Kosten der Unfallversicherung entscheidend durch den gesetzlich vorgegebenen Leistungsrahmen bestimmt werden. Auch durch eine Straffung des Verwaltungsapparates könne eine Kostenreduzierung erzielt werden. Der wesentliche Kostenblock aber sei in den gesetzlich vorgegebenen Leistungspaketen (Heilbehandlung, Rehabilitation, Rentenzahlungen) begründet. Größere Einsparungen könnten daher nur im Einklang mit dem Gesetzgeber durch Änderung des Leis-tungskataloges erreicht werden.
Insgesamt unterstrich Hagemeier das gute Verhältnis der Branche zur Steinbruchs-Berufsgenossenschaft. Es sei jedoch wichtig, den eingeleiteten Reformprozess konsequent weiter zu verfolgen, um das System der gesetzlichen Unfallversicherung zukunftsfähig zu gestalten.
Dipl.-Ing. Martin Böttcher, StBG



Podiumsdiskussion Stand
Podiumsdiskussion auf dem Naturstein-Forum zum Thema: "Berufsgenossenschaften weg - Gestaltungsspielraum oder Verantwortungsfalle" Die StBG informierte an ihrem Stand zum GŁtesiegel 'Sicher mit System'


.




Inhaltsverzeichnis Ausgabe 6/04 | Zurück zu unserer Homepage