www.steine-und-erden.net > 2004 > Ausgabe 6/04 > Nachgefragt: Rückblick Thema S. - Sicherheit bei Peene Kies

[Die Industrie der Steine + Erden]






Nachgefragt: Rückblick Thema S. - Sicherheit bei Peene Kies

Gütesiegel "Sicher mit System" Die Peene Kies GmbH führte im Januar 2001 das Sicherheitskonzept "Thema S. - Sicherheit" ein. Aufgabe war die Entwicklung einer umfassenden Strategie zur Motivation von Mitarbeitern für mehr Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz mit dem Ziel, das Thema "Sicherheit" allen Beteiligten bewusst zu machen. Im April 2001 wurde dem Unternehmen für dieses Projekt der Förderpreis "Arbeit - Sicherheit - Gesundheit" der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft in der Kategorie "Organisation und Motivation" zuerkannt. 2002 gehörte die Peene Kies GmbH dann zu den ersten Firmen, die mit dem Gütesiegel "Sicher mit System" der Steinbruchs-BG ausgezeichnet wurden.
Genug Gründe für "Die Industrie der Steine + Erden" nachzufragen, wie der "gelebte" Arbeits- und Gesundheitschutz in dem mecklenburgischen Unternehmen heute aussieht und welche Erfahrung mit dem StBG-Gütesiegel gemacht wurden. Wir sprachen in Müssentin mit Geschäftsführer Michael Kross und Franka Hardt, Assistentin der Geschäftsleitung.

Kieswerk



Steine + Erden: Frau Hardt, angefangen hat alles mit "Thema S." Können Sie kurz beschreiben, worum es dabei geht?
Hardt: Das Arbeitssicherheitskonzept Thema S. besteht aus einer Vielzahl von Einzelmaßnahmen und wird bei uns aktiv gelebt. Jeden Monat bereiten wir ein anderes Schwerpunktthema vor; das reicht vom sicheren Umgang mit den bei uns eingesetzten Maschinen über Aufklärungsveranstaltungen zu Alkoholmissbrauch oder Haltungsschäden bis zu Erste-Hilfe-Weiterbildungen. Beispielsweise hat Peene Kies inzwischen sogar ein AED-Gerät, einen "Automatisierten Externen Defibrillator", um bei einem plözlichen Herzversagen nach einem Betriebsunfall Leben retten zu können.
Jeder Mitarbeiter verfügt über ein persönliches Arbeitsschutzhandbuch, das "grüne Buch", in dem alle Monatsthemen von Thema S. zum Nachlesen abgelegt sind. In der Zwischenzeit wurden bereits rund 30 Themen unterschiedlichster Bereiche vorgestellt, diskutiert und ausgewertet. Darüber hinaus praktiziert Peene Kies einen innerbetrieblichen Sicherheitswettbewerb. Falls Peene Kies ein Jahr lang unfallfrei bleibt, findet unter den Mitarbeitern eine Verlosung statt, bei der ein Hotel-Wochenende für zwei Personen gewonnen werden kann.
Steine + Erden: Herr Kross, die Maßnahmen für die Gesundheit der Mitarbeiter bei Peene Kies sind ja außergewöhnlich. Das fordert doch sicher ein ständiges enormes Engagement der Unternehmensleitung.
Kross: Das stimmt. Im Bereich Gesundheits- und Arbeitsschutz werden bei der Peene Kies GmbH keine Mühen und Kosten gescheut, wenn es darum geht, Arbeitsplätze noch sicherer zu gestalten. Weitere Beispiele dafür sind der Einbau einer Rückfahrkamera in einem Radlader, der Kauf der durch die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft entworfenen Arbeitsschutzkleidung für die Mitarbeiter sowie der Kauf von persönlich angepasstem Sonus Langzeit-Gehörschutz der Firma Aweco.


Geschäftsführer Michael Kross   Geschäftsführer Michael Kross und Franka Hardt, Assistentin der Geschäftsleitung
" Unser Ansatz war, dass das Nachdenken über Sicherheit und Gesundheitsschutz 'von unten' kommen muss, also aus der Motivation der Mitarbeiter..."   " ...und überzeugen können Sie nur mit einer Vielzahl von Maßnahmen; Vorleben ist ganz wichtig - immer wieder ein gutes Beispiel geben. Daraus hat sich Thema S. ergeben."


Unsere Sicherheitsphilosophie heißt: Jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin sollen jeden Tag wieder gesund zur Familie nach Hause zurückkehren. Die Verantwortung hierfür liegt jedoch größtenteils bei jedem selbst.
Steine + Erden: Seit zwei Jahren ist Peene Kies dafür mit dem Gütesiegel "Sicher mit System" zertifiziert. Hat das Audit-Verfahren einen positiven Effekt auf die (Weiter-)Entwicklung Ihrer Arbeitssicherheitsmaßnahmen bewirkt?
Kross: Ja, unbedingt. Wir konnten dadurch weitere Anregungen, wie die
Einführung eines betrieblichen Vorschlagswesens, die Nutzung verschiedener Präventionsangebote der Steinbruchs-BG, wie das Förderbandmodell, das Augenmobil oder den Stolperparcours, in unser bereits bestehendes Thema S.-System aufnehmen und dieses somit weiter entwickeln.
Steine + Erden: War durch die Selbstverpflichtung, den Arbeits- und Gesundheitsschutz in die Unternehmensorganisation zu integrieren, auch eine Auswirkung auf die Motivation Ihrer Mitarbeiter festzustellen?
Kross: Ja, beispielgebend hierfür ist wieder das betriebliche Vorschlagswesen zu nennen, das wir im Mai 2003 eingeführt haben. Um den Mitarbeitern einen kleinen Anreiz zu bieten, sich selbst um weitere Verbesserungen ihres Arbeitsplatzes Gedanken zu machen,wird jeder eingereichte Verbesserungsvorschlag unabhängig von einer Realisierung mit einer Barprämie belohnt. Die eingereichten Vorschläge werden dann auf Realisierbarkeit geprüft. Sind die Vorschläge umsetzbar, erhält derjenige, der diesen Vorschlag eingereicht hat, eine weitere Prämie, die sich an der Höhe der Ein-sparung oder Verbesserung bemisst. Bis zum jetzigen Zeitpunkt wurden insgesamt 32 Verbesserungsvorschläge eingereicht, von denen 22 realisiert werden konnten.
Steine + Erden: Wie nutzen Sie das Gütesiegel "nach außen", z. B. in Ihren Kundenbeziehungen?
Kross: Einerseits zeigen wir das Gütesiegel als Symbol auf unseren Briefbögen und andererseits präsentieren wir unseren Besuchern in unserem Verwaltungsgebäude gern stolz die verschiedensten Urkunden, also auch das Gütesiegel der StBG.
Steine + Erden: Haben Sie dabei auf das Gütesiegel eine positive Resonanz erhalten?
Kross: Ja, Lob und Anerkennung, aber keine finanziellen Vorteile.
Steine + Erden: Werden Sie sich auf Grund Ihrer bisherigen Erfahrungen mit dem Gütesiegel zu gegebener Zeit um eine Verlängerung der "Zertifizierung" durch ein erneutes Audit bemühen?
Kross: Wer sich als mittelständisches Unternehmen so intensiv und umfangreich mit der Thematik Arbeitssicherheit beschäftigt, wird selbstverständlich auch daran interessiert sein, das einmal verliehene Gütesiegel als Anerkennung für die bisher geleistete Arbeit im Bereich des Arbeits- und Gesundheitsschutzes zu behalten. Deshalb werden wir natürlich rechtzeitig eine Verlängerung der "Zertifizierung" durch ein erneutes Audit beantragen.
Steine + Erden: Was könnte/sollte die StBG Ihrer Meinung nach am Vergabeverfahren des Gütesiegels sowie an der Unterstützung der sich bewerbenden Unternehmen verbessern?
Kross: Die Koordination zu aufsichtsführenden Ämtern und Behörden. Das Bergamt, mit dem wir ja viel zu tun haben, wusste beispielsweise gar nicht, was das Gütesiegel alles beinhaltet. Weiter würde ich mir mehr externe PR wünschen und ein Prämien-Bonus/-malus-System als Honorierung der Aktivitäten für die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz.
Steine + Erden: Frau Hardt, Herr Kross, herzlichen Dank für das offene Gespräch.

Sicherheitsmaximen der Peene Kies GmbH
  1. Alle Verletzungen sind vermeidbar.
  2. Sicherheit auf allen Wegen ist oberstes Gebot.
  3. Nur sichere Arbeit ist gute Arbeit.
  4. Ständiges Sicherheitstraining ist unerlässlich.
  5. Erfolg und Arbeitsicherheit sind gleichrangige Ziele.
  6. Im Zweifel geht Sicherheit vor.
  7. Jeder ist für sich und seine Kollegen verantwortlich.




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