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Evaluation der BAUZ-Kampagne: Sicherheitsfachkräfte finden BAUZ-Medien gut

Etwa 90% aller Arbeitsunfälle haben ihre Ursache im Verhalten der Mitarbeiter. Weitere Erfolge in der Unfallprävention lassen sich daher insbesondere dann erzielen, wenn die Mitarbeiter selbst erreicht werden. Dieses ist das Ziel der 2001 von der StBG gestarteten BAUZ-Kampagne.
Die Wirksamkeit der Medien wurde im Sommer 2003 durch ein unabhängiges Institut untersucht; dabei wurden die Sicherheitsfachkräfte aus den Mitgliedsbetrieben der StBG als besonders wichtige Multiplikatoren befragt. Im Vordergrund stand die Frage, wie die Medien in den Betrieben eingesetzt werden und welche Optimierungspotentiale noch genutzt werden können.
Der Auswertung liegen 308 Fragebögen zugrunde. Das entspricht einem Rücklauf von 33,6%. Die Ergebnisse sind qualitativ hoch valide, da den Rückmeldungen eigene Erfahrungen mit den BAUZ-Elementen zugrunde liegen.
Im folgenden werden die Ergebnisse besonders wichtiger Fragen widergegeben.




Beschäftigung mit dem BAUZ-Material

60,3 % der Befragten hatten sich mit dem BAUZ - Material befasst. Weitere 37,3 % hatten es zumindest überflogen: insgesamt haben damit fast 98 % der befragten Sicherheitsfachkräfte das BAUZ - Material gelesen. Nur 2,4 % haben sich nicht mit ihm befasst (Abb. 1).
Die Befragten, die sich nicht mit den Medien befasst oder sie nur überflogen haben, gaben als meist genannten Grund hierfür "Überlastung/keine Zeit" an.

Beschäftigung mit dem BAUZ-Metrial
Beschäftigung mit dem BAUZ-Material





Welche BAUZ-Elemente wurden am intensivsten genutzt?

Mit den BAUZ - Zeitungen Nr. 1 und Nr. 3 haben sich die meisten Sicherheitsfachkräfte intensiv befasst: über 80 % haben diese Elemente intensiv gelesen. An dritter Stelle steht die Beschäftigung mit der BAUZ - Zeitung Nr. 2. Hiermit haben sich 71,5 % der Befragten intensiv befasst.
Hierzu ist zu bemerken, dass die 1. und 3. Ausgabe der BAUZ-Zeitung zusammen mit begleitenden Medien wie einem Moderationsleitfaden, einer Broschüre und anderen Elementen versandt wurde; die 2. Ausgabe wurde ohne diese Ergänzungen verschickt. Erhöhte Aufmerksamkeit erzielten also die zusammen mit weiteren Materialien versandten Ausgaben.

Die Broschüre "Augen und Augenschutz" und der dazugehörende Moderationsleitfaden war für 68,3 % bzw. 62,1 % der Befragten von intensivem Interesse. Fast 60 % der Befragten haben sich mit der Fallstudie "Sicher Stehen und Gehen", dem Kalender mit Sehtest und dem Leitfaden "Stolpern" intensiv befasst (Abb. 2).

Mit diesen BAUZ-Elementen habe ich mich intensiv befasst
Mit diesen BAUZ-Elementen habe ich mich intensiv befasst




Nutzung der BAUZ-Medien für die betriebliche Tätigkeit

Fast 100 % aller Befragten Sicherheitsfachkräfte haben die BAUZ- Zeitungen für Ihre Tätigkeit verwendet. Mehr als 80 % haben die Aufkleber und die Unfallplakate in ihrem Betrieb eingesetzt. Die Broschüre "Augen und Augenschutz" und das Gewinnspielplakat wurden von immerhin ca. 75 % genutzt (Abb. 3).

Nutzung der BAUZ-Elemente
Nutzung der BAUZ-Elemente




Verhaltensänderung der Mitarbeiter durch BAUZ-Elemente

Die Sicherheitsfachkräfte wurden befragt, inwieweit die Aussage "Ich kann keine Veränderung im Verhalten der Kollegen nach dem Einsatz der BAUZ - Elemente erkennen" auf sie zutrifft.
43,8 % der Befragten sind in der Beantwortung unentschieden. Insgesamt 34,0 % meinen, diese Aussage trifft nicht oder eher nicht zu. Nur 18,9 % bzw. 3,4% können keine Veränderung im Verhalten der Kollegen nach dem Einsatz der BAUZ - Elemente feststellen. Das Antwortverhalten entspricht einer Normalverteilung und spiegelt die subjektiven Einschätzungen der Befragten wider (Abb. 4).

Ich kann keine Veränderung im Verhalten der Kollegen nach dem Einsatz der BAUZ-Elemente erkennen
Ich kann keine Veränderung im Verhalten der Kollegen
nach dem Einsatz der BAUZ-Elemente erkennen




Perspektive des eigenen Einsatzes für die Sicherheit

Die Frage lautete, inwieweit die Aussage "Ich möchte in Zukunft noch viel mehr zur Verbesserung der Arbeitssicherheit/Unfallverhütung in unserem Betrieb tun" für den einzelnen zutrifft. Für die meisten der Sicherheitsfachkräfte trifft diese Aussage voll zu. Insgesamt wollen sich 83,2 % zukünftig noch mehr für die Verbesserung der Arbeitssicherheit/Unfallverhütung in ihrem Betrieb einsetzen. 10,8 % sind in der Beurteilung dieser Frage unentschieden. Nur die wenigsten, insgesamt 6,1 %, wollen ausdrücklich nicht noch mehr zur Verbesserung der Arbeitssicherheit in ihrem Betrieb tun - entweder weil sie ihr Engagement für bereits sehr hoch halten oder als Ausdruck der Resignation. Die überwiegende Mehrheit zeigt in diesem und in anderen abgefragten Punkten eine sehr hohe Motivation.



Deckung der eigenen Anliegen mit den Ideen der BAUZ - Kampagne

Für fast die Hälfte der Befragten (insgesamt 49,6%) decken sich ihre eigenen Ideen mit den Ideen der BAUZ - Kampagne. Fast die andere Hälfte (46,6%) der Befragten ist in dieser Frage unentschieden.
Eine sehr kleine Gruppe meint, dass sich ihre Anliegen sich nicht mit den Ideen der BAUZ -Kampagne übereinstimmt (insgesamt 6,9%).



Umsetzung des Moderationsleitfadens "Stolpern und Stürzen"

Wer sich mit dem pers. Moderationsleitfaden Stolpern/Stürzen beschäftigt, beurteilt ihn statistisch signifikant als wichtig (Abb. 5).

Beurteilung von persönlichem Moderationsleitfaden Stolpern/Stürzen versus Beschäftigung mit persönlichem Moderationsleitfaden Stolpern/Stürzen
Beurteilung von persönlichem Moderationsleitfaden
Stolpern/Stürzen versus Beschäftigung mit persönlichem
Moderationsleitfaden Stolpern/Stürzen


Wer sich mit dem persönlichen Moderationsleitfaden Stolpern/Stürzen intensiv beschäftigt hat, beurteilt zudem statistisch signifikant den Umsetzungserfolg als positiver.

Diese Zusammenhänge zwischen der Intensität der Beschäftigung mit den BAUZ-Elementen einerseits und der Beurteilung der Relevanz und des Umsetzungserfolgs andererseits zeigte sich durchgehend.
Die Mehrzahl der in den Mitgliedsbetrieben der StBG tätigen Sicherheitsfachkräfte übt diese Tätigkeit neben anderen betrieblichen Aufgaben aus. Ein kleinerer Teil ist hauptamtlich als Sicherheitsfachkraft tätig.
Ein hoher Umsetzungserfolg der BAUZ - Elemente ist am häufigsten bei den Mitarbeitern mit einem geringen und mittleren Beschäftigungsumfang als SiFa (zwischen 1% - 70% der Arbeitszeit) zu verzeichnen. Der Umsetzungserfolg ist signifikant niedrig bei den Mitarbeitern, deren Beschäftigungsumfang zwischen 80% - 100% liegt. Offensichtlich ist die Akzeptanz der BAUZ-Elemente bei dieser Zielgruppe geringer ausgeprägt.
Diese Tatsache spiegelt sich auch in der Betriebsgröße wider. In den großen Betrieben waren die Umsetzungsschwierigkeiten für die Sicherheitsfachkräfte statistisch signifikant höher als in kleinen oder mittleren Betrieben (Abb. 6).

Umsetzungsschwierigkeiten vs. Betriebsgröße
Umsetzungsschwierigkeiten vs. Betriebsgröße


Da in Großbetrieben die meisten hauptamtlichen SiFas zu finden sind - und hier häufiger Ingenieure - hat diese Zielgruppe offensichtlich spezifische Schwierigkeiten im Einsatz der BAUZ-Elemente. Mit den Ursachen dieses Phänomens hat sich die durchgeführte Untersuchung nicht befasst.



Zusammenfassung und Folgerungen

Aufgrund des Rücklaufs ist davon auszugehen, dass sich überproportional viele engagierte Sifas beteiligt haben.
Die Gründe für die Nicht-Befassung von Sicherheitsfachkräften mit BAUZ dürften dagegen verallgemeinerbar sein.
Hier spielen der Faktor Zeit (die meisten Sicherheitsfachkräfte sind nicht hauptamtlich tätig) sowie die Unterstützung im Betrieb die wichtigste Rolle. Insgesamt ist die positive Bewertung der BAUZ-Materialien hoch. Sie fällt von über 90% Zustimmung zu den BAUZ-Zeitungen auf 45% Zustimmung zum Plakat mit Namen. Die Eigenmotivation und Einsicht in die Bedeutung der in BAUZ angesprochenen Themen ist bei den Sifas außerordentlich hoch. Personen, die hier geantwortet haben, zeigen ein hohes Engagement und Problembewusstsein. In Großbetrieben bzw. bei hauptamtl. Sifas scheinen die Umsetzungsprobleme der BAUZ-Elemente größer zu sein.

Folgende Optimierungsmöglichkeiten wurden identifiziert und werden sukzessive umgesetzt:
  • Die Sicherheitsanliegen der Sicherheitsfachkräfte solltn mit denen der BAUZ-Aktion noch besser verknüpft werden.
  • Die Kommunikation mit den Sicherheitsfachkräften über BAUZ soll weiterentwickelt werden
  • Bei begleitenden Medien wird, wo möglich, die Einsatzbreite erhöht werden, nicht die Einsatztiefe
  • Die Materialien werden kompakter und zeitsparender konzipiert
  • Audiovisuelle Medien wie Video, DVD, CD-ROM zum Einsatz bei Unterweisungen werden vermehrt entwickelt werden
  • Personalisierte Medien (wie Plakate mit Namen) werden weitestgehend entfallen
  • Durch eine höhere Zahl von unterschiedlichen Verpackungseinheiten (insbesondere im Bereich kleiner Mengen) wird der Versand bedarfsgerechter gestaltet.




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