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[Die Industrie der Steine + Erden]






Risiko Stäube: Jetzt gemeinsam handeln!

Das neue Lungen-Modell der StBG zeigt den Weg des Staubes in der Lunge
Das neue Lungen-Modell der StBG zeigt den Weg des Staubes in der Lunge
  Im Mittelpunkt der Aktionen der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft auf der diesjährigen Stone+tec 2003 in Nürnberg stand das Thema "Stäube in der Naturstein-Industrie". Nicht nur im Rahmen des Gemeinschaftsstandes - vertreten waren dort neben der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft auch die Österreichische Unfallversicherungsanstalt (AUVA), die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA) und die Bau-Berufsgenossenschaft Bayern und Sachsen - sondern auch im Rahmen des Forums "Stäube in der Naturstein-Industrie" wurde die Thematik intensiv diskutiert.

Obwohl die Forschung zur Wirkung von Steinstäuben in den vergangenen Jahren weiter voran getrieben wurde und neue wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen, muss man doch feststellen, dass die Gefahren, die von Steinstäuben ausgehen, noch immer - oder vielleicht auch wieder - unterschätzt werden. Wenn man einen Blick in die betriebliche Realität wirft, so kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass zwar einerseits neueste Technologien angewandt werden, andererseits die einfachsten Regeln der Staubbekämpfung aber manchmal in Vergessenheit geraten sind. Hat bei der Leistungsfähigkeit der Maschinen und bei den Steuerungssystemen die Technologie des 21. Jahrhunderts bereits unübersehbar Einzug gehalten, so bewegt sich die Entstaubungstechnik zum Teil noch immer auf der Ebene der Mitte des letzten Jahrhunderts.


Diskussion   Das Forum "Stäube in der Naturstein-Industrie" - eine Gemeinschaftsaktion von StBG, AUVA, SUVA und Bau-BG während der stone+tec 2003 in Nürnberg   Dr. med. Vasic (AUVA) erläutert die Wirkung von Staub in der Lunge
Heftige Diskussion mit Betreibern und Herstellern während des "Naturstein"-Forums   Das Forum "Stäube in der Naturstein-Industrie" - eine Gemeinschaftsaktion von StBG, AUVA, SUVA und Bau-BG während der stone+tec 2003 in Nürnberg   Dr. med. Vasic (AUVA) erläutert die Wirkung von Staub in der Lunge



Staub zerstört die Lunge

Dabei ist die Wirkung von Stäuben in der Lunge, insbesondere von quarzhaltigen Stäuben, seit langem bekannt. Bereits im Altertum wusste man, dass es im Gesteins- und Kohlebergbau durch das Einatmen von Stäuben Lungenerkrankungen gibt. Paracelsus hat im 16. Jahrhundert schon die "Bergsucht und andere Bergkrankheiten" in einem Lehrbuch beschrieben. Seit 1929 ist die Silikose (Quarzstaub-Lungenerkrankung) in die Liste der Berufskrankheiten, die durch die gesetzliche Unfallversicherung entschädigt werden, aufgenommen. Bei der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft hat dies dazu geführt, dass die Silikose sehr schnell an die erste Stelle aller entschädigungspflichtigen Berufskrankheiten gerückt ist und zu dramatischen Kostenbelastungen geführt hat. Erst nachdem intensive technische und organisatorische Staubbekämpfungsmaßnahmen wirksam geworden sind, konnte die Anzahl der Krankheitsfälle drastisch reduziert werden. Waren im Jahr 1970 noch 3.000 Silikosekranke von der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft zu betreuen, so waren es 2001 noch insgesamt 1.319 Krankheits- und Rentenfälle.
Dennoch gibt es keinerlei Grund zur Entwarnung: Noch immer werden jedes Jahr 30 bis 40 neue Silikosefälle entschädigt, ohne dass diese Erkrankungszahlen weiterhin sichtbar rückläufig sind. Es stellen sich also die Fragen: Woran liegt das? Sind die ergriffenen Schutzmaßnahmen ausreichend?


Grafik: Neue Berufskrankheiten im Bereich der StBG (in absoluten Zahlen); untere Kurve: der darin enthaltene Anteil der Silikosefälle
Neue Berufskrankheiten im Bereich der StBG (in absoluten Zahlen);
untere Kurve: der darin enthaltene Anteil der Silikosefälle


Grafik: Staub exponierte Versicherte und durchgeführte Vorsorgeuntersuchungen
Staub exponierte Versicherte und
durchgeführte Vorsorgeuntersuchungen





Neue Erkenntnisse

Seit mehreren Jahren bestand darüber hinaus bereits der Verdacht, dass lungengängiger Quarzfeinstaub auch Lungenkrebs erzeugen könnte. So hat im Jahr 1997 die Internationale Agentur für Krebsforschung kristallines Siliziumdioxid in lungengängiger Form als krebserregend für den Menschen eingestuft. Im Jahr 1999 hat sich die deutsche MAK-Kommission dieser Auffassung angeschlossen. Seit dem Jahr 2002 gibt es nun eine neue Berufskrankheit: Die BK 4112 - "Lungenkrebs durch die Einwirkung von kristallinem Siliziumdioxid bei nachgewiesener Quarzstaublungenerkrankung (Silikose oder Siliko-Tuberkulose). Diese neue veränderte Sachlage hat inzwischen dazu geführt, dass bis Ende 2002 bereits etwa 25 Verdachtsanzeigen für diese neue Berufskrankheit bei der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft gemeldet wurden. Inzwischen sind bereits die ersten neuen Berufskrankheiten anerkannt und werden finanziell entschädigt. Zwar wird im Zusammenhang mit der krebserzeugenden Wirkung von Quarzfeinstäuben auch immer wieder die Frage der Wirkung des Zigarettenrauchens diskutiert - viele der erkrankten Quarzstaubexponierten sind nämlich starke Raucher - die wissenschaftlichen Experten haben sich jedoch darauf verständigt, dass das beobachtete Ausmaß des erhöhten Lungenkrebsrisikos für Personen, die an Silikose erkrankt sind, allein durch den Faktor Rauchen nicht erklärbar ist. Dies bedeutet, dass hier neue Belastungen auf die Solidargemeinschaft zukommen. Ein weiteres Argument, um alles nur Denkbare zu tun, damit neue Silikosefälle und damit auch neu zu entschädigende Lungenkrebsfälle bei Quarzstaubexposition verhindert werden.



Es geht nicht nur um quarzhaltige Stäube

Auch quarzfreie oder quarzarme Stäube sind keineswegs unbedenklich. Wenn die Grenzwerte überschritten werden, sind Atemwegserkrankungen die Folge. Deshalb wurden auch für die sog. alveolengängigen (lungengängigen) Stäube, unabhängig von der Frage, ob sie Quarz enthalten, neue Grenzwerte festgelegt. Seit September 2001 ist für diesen Staub ein Grenzwert von 3 mg/m³ einzuhalten. Auch Stäube, die nicht in die Lunge gelangen können, die sog. einatembaren Stäube, schädigen die Gesundheit. Im Bereich der oberen Atemwege sind auch sie Auslöser für Atemwegserkrankungen. Deshalb wurde auch für diese gröberen Stäube ein Grenzwert von 10 mg/m³ festgelegt, der ab dem 1. April 2004 gelten soll. Eine weitere Verschärfung der Grenzwerte für quarzhaltige und für quarzfreie Stäube ist bereits angekündigt.
Soweit die eine Seite der Medaille: Wir haben eindeutige Erkenntnisse über die Wirkung von Stäuben beim Menschen. Wir wissen seit Hunderten von Jahren, wie sich zuviel Steinstaub in der Lunge bemerkbar macht. Wir haben neue Erkenntnisse zum Thema "Lungenkrebs durch quarzhaltigen Steinstaub". Wir kennen genügend menschliche Schicksale. Aber wie haben wir das in der Gestaltung der Arbeitsbedingungen und der Arbeitsplätze berücksichtigt?

Winkelschleifer   Winkelschleifer   Bearbeitung von Gneis im Tessin mit Absaugung
Winkelschleifer und Diamantwerkzeuge - leistungsfähig, aber staubreich       Bearbeitung von Gneis im Tessin mit Absaugung



Eine Bestandsaufnahme der heutigen Situation

Vor dem Hintergrund vieler menschlicher Schicksale, die mit Staubbelastungen bei der Arbeit in Verbindung stehen, sowie der immensen wirtschaftlichen Auswirkungen solcher Erkrankungen diskutieren Arbeitgeber und Arbeitnehmer in der Selbstverwaltung der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft seit langem über die derzeitige Situation. Dabei handelt es sich keineswegs um ein rein deutsches Problem. Auch in den südlichen Nachbarländern, in Österreich bzw. in der Schweiz, ergeben sich aus der Defizitanalyse ähnliche Ergebnisse. Dies wurde durch das Forum "Stäube in der Naturstein-Industrie" eindeutig belegt. Aus allen Situationsberichten ging hervor, dass die zurzeit existierenden Grenzwerte nur mit Schwierigkeiten einzuhalten sind.
Beim Einsatz von Druckluftwerkzeugen beispielsweise können die Grenzwerte nur unter günstigen Voraussetzungen mit der verfügbaren Entstaubungstechnik eingehalten werden. Dies setzt aber voraus, dass die Komponenten aus Maschinentechnik und Entstaubungstechnik ideal aufeinander abgestimmt sind - was häufig nicht zutrifft -, gut gewartet werden und von den Beschäftigten akzeptiert werden. Da die Entstaubungstechnik im Regelfall nicht als integraler Bestandteil bei der Maschinenkonzeption berücksichtigt, sondern nachträglich angebaut wurde, ist dieses ideale Zusammenspiel zumeist nicht vorzufinden. Dies führt dazu, dass die eingesetzte Entstaubungstechnik bei den Arbeitern oft den Eindruck erweckt, für die Arbeit sei sie eher hinderlich. Weil Energiezufuhr und Staubabfuhr getrennt erfolgen, sind die Systeme auch nicht flexibel genug einsetzbar und für die Handhabung ungünstig. In der Folge neigen Arbeitnehmer, besonders wenn leistungsbezogen bezahlt wird, dazu, Entstaubungseinrichtungen erst gar nicht zu benutzen. Betroffen von dieser Situation sind z. B. Drucklufthämmer, Druckluftmeißel und Druckluftwerkzeuge. Hinzu kommt, dass diese Maschinen auch ohne Entstaubung verwendet werden können, da eine Zwangsverriegelung nicht vorhanden ist.
Im industriellen Be- und Verarbeitungsprozess wird im Gegensatz zur Gewinnung und zur steinmetzmäßigen Bearbeitung häufig nass gearbeitet. Messungen haben gezeigt, dass hierbei zwar eine "gewisse" Staubbindung erreichbar ist, es aber durch die im Wasser gebundenen Stäube dennoch zu Staubanreicherungen in den Arbeitsbereichen kommt, wenn das bindende Wasser weggetrocknet ist.
Vor diesem Hintergrund kommt der zugeführten Wassermenge, der Art der Wasserzuführung, vor allem aber der Wasseraufbereitung sowie der regelmäßigen Reinigung der Arbeitsstätten eine große Bedeutung zu.
Der schwerwiegendste Problembereich aus staubtechnischer Sicht sind ohne Zweifel die schnell laufenden, hochleistungsfähigen Diamantwerkzeuge. Diese mit Winkelschleifern angetriebenen Trenn- und Oberflächen-Bearbeitungswerkzeuge sind aufgrund der eingesetzten Diamanttechnologie der Schleifsegmente derart leistungsfähig, dass extrem hohe Staubmengen freigesetzt werden. Die verfügbaren Stauberfassungseinrichtungen sind meist nicht in der Lage, die entstehenden lungengängigen Staubmengen tatsächlich zu erfassen und aus dem Arbeitsbereich abzutransportieren. Die Problematik tritt nicht nur bei der steinmetzmäßigen Bearbeitung von Naturwerkstein in stationären Fertigungsstätten, sondern besonders auf Baustellen auf. Entstaubungsanlagen fehlen in aller Regel auf den Baustellen vollständig. Ein Gang mit offenen Augen durch Neubaugebiete macht dieses Defizit offenkundig.
Fazit: Aus staubtechnischer Sicht ist die zur Verfügung stehende Technik für die Bearbeitungsprozesse - bis auf wenige innovative Entwicklungen - als nicht zufriedenstellend zu bewerten.

Arbeit im Staubmilieu   Arbeit im Staubmilieu   Arbeit im Staubmilieu
Drei Bildbeispiele, in denen eine wirksame Absaugung fehlt



Gibt es zu wenig Vorschriften?

Stellt man die Frage, weshalb es zu dieser unbefriedigenden Situation gekommen ist, so liegt dies sicher nicht an einem Mangel an Vorschriften. Jeder Unternehmer muss vielmehr einer Vielzahl von gesetzlichen Verpflichtungen gerecht werden. Sie reichen von der systematischen Gefährdungsanalyse nach Arbeitsschutzgesetz über die Vorgaben der Gefahrstoffverordnung samt der dazugehörigen technischen Regeln bis hin zu berufsgenossenschaftlichen Regeln für Sicherheit und Gesundheitsschutz. Aus dem zuletzt genannten Bereich ist vor allem die BG-Regel BGR 217 "Umgang mit mineralischem Staub" zu nennen, welche den umfassendsten Überblick über die zu ergreifenden Schutzkonzepte enthält. Ein Mangel an Paragraphen kann also keinesfalls diagnostiziert werden - dies wäre für deutsche Verhältnisse auch ein erstaunliches Fazit. Doch woran liegt es dann?



Drei Thesen - drei Antworten

Bei der Suche nach den Ursachen stößt man auf eine Vielzahl von Antworten, die alle im Zusammenspiel ihre Berechtigung haben. Sie lassen sich jedoch zu drei Kernaussagen zusammenfassen:

These 1: Die wirtschaftlichen Zwänge verhindern Innovationen
Antwort: Es stimmt, die deutsche Naturwerkstein-Industrie durchlebt schwierige Zeiten. Die Globalisierung hat auch auf diesem traditionellen Marktsegment vollständig Einzug gehalten. Naturstein wird heute rund um die Welt transportiert - zu minimalen Kosten. Wir wissen auch, dass die Produktions- und Arbeitsschutzbedingungen in vielen Ländern völlig unzureichend sind.
All dies ist richtig! Aber: Kann man hieraus das Fazit ziehen, auch in Deutschland das Arbeitsschutzniveau zu vernachlässigen? Ist nicht Innovation die beste Antwort auf Herausforderungen des Marktes? Gibt es nicht einen Zusammenhang zwischen der Qualität der Produkte, der Standzeit von Werkzeugen, der Lebensdauer von Maschinen und der Sauberkeit sowie Staubablagerungen? Muss die Antwort statt Wehjammern nicht eher heißen, europäische Arbeitsschutzstandards weltweit verbindlich zu machen?

These 2: Der Informationsstand und das Bewusstsein von Unternehmern und Beschäftigten sind unzureichend
Antwort: Hier muss mehr getan werden! Die Aufklärungsarbeit beginnt in den Ausbildungsstätten. Aber auch in den Betrieben müssen die Beschäftigten von den Unternehmern immer wieder über die gesundheitlichen Risiken aufgeklärt und motiviert werden, die vorhandenen Schutzeinrichtungen im eigenen Interesse zu benutzen. Es versteht sich von selbst, dass die Rangfolge der Schutzmaßnahmen einzuhalten ist. Am besten ist es, man produziert ohne Staubentwicklung. Wenn dies nicht möglich ist, müssen Stauberfassungseinrichtungen und Absauganlagen eingesetzt werden. Wo auch dieses (noch) nicht hinreichend gut funktioniert, kommt als letztes Mittel die persönliche Schutzausrüstung in Betracht. Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen der exponierten Arbeitnehmer ergänzen diese Vorsorgepalette.



StaubFrei - die Anti-Staub-Kampagne

Die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft entwickelt zurzeit eine umfassende Informations- und Motivationskampagne zur Staubproblematik. Im Rahmen dieser mehrjährig angelegten Kampagne werden verschiedene Medien für unterschiedliche Zielgruppen entwickelt. Nicht nur Unternehmer und Führungskräfte, sondern auch Sicherheitsfachkräfte, Betriebsärzte und die Beschäftigten selbst stehen im Focus. Eine BAUZ-Versichertenzeitung soll die Beschäftigten direkt erreichen. Bereits fertiggestellt ist ein Motivationsvideo mit dem Titel "Staubfrei". Dort werden mit viel Emotion zwei Einzelschicksale gezeigt, die betroffen machen. Das Video "Staubfrei" kann bereits jetzt bei der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft angefordert werden. Eine umfassende Informationsbroschüre zum Thema "Staub" befindet sich im Druck und steht in Kürze zur Verfügung.
Für die regelmäßige Unterweisung und die notwendigen Sicherheitsgespräche werden Unterweisungsmedien entwickelt. Daneben gibt es verschiedene Checklisten für Beschäftigte, Unternehmer und Sicherheitsfachkräfte. Schließlich wird eine CD-ROM erscheinen, die das Thema "Staub in der Baustoff-Industrie" umfassend behandelt. Neu wird vor allem die umfangreiche Produktdatenbank über am Markt verfügbare Technik zur Staubbekämpfung sein.
Das Ziel lautet: Durch eine umfassende Informations- und Motivationskampagne das Thema "Staubbekämpfung" in alle Betriebe, an alle Arbeitsplätze zu tragen, um das Bewusstsein nicht nur bei Arbeitgebern, sondern auch bei den Beschäftigten für die Gesundheitsgefahren zu schärfen. Dazu soll verdeutlicht werden, dass es immer Mittel und Wege gibt, um die Risiken zu beherrschen. Schließlich geht es um die eigene Gesundheit, auch wenn die gesundheitlichen Auswirkungen erst allmählich und schleichend eintreten!

These 3: Die verfügbare Technik ist unzureichend
Antwort: Eines ist richtig: lungengängigen Gesteinsstaub in großen Mengen, bei unterschiedlichsten Arbeitsbedingungen und Arbeitsverfahren, unter unterschiedlichsten klimatischen Randbedingungen zu erfassen und abzusaugen, ist eine schwierige Aufgabe für die Ingenieure. Die Gewinnung und Bearbeitung von Naturwerkstein erfolgt eben häufig nicht unter industriellen Randbedingungen einer Serienproduktion. Vielmehr geht es darum, mit natürlichen Gegebenheiten und handwerklichen Arbeitsweisen zu recht zu kommen.
Dennoch zeigt sich als großer Mangel, dass bisher offensichtlich zu wenig gemeinsame Entwicklungsarbeit zwischen den Akteuren auf Seiten der Hersteller stattfand. Der vernetzte Bearbeitungsprozess beginnt schon bei den Produzenten der Industriediamanten unterschiedlicher Körnung und Mischung. Eine wichtige Funktion haben auch die Schleif-Segmenthersteller. Im weiteren folgen die Diamantwerkzeuge. Diese Werkzeuge werden auf Maschinen eingesetzt, die wiederum durch unabhängige Maschinenhersteller entwickelt werden und zu guter Letzt bekommt das ganze System noch eine Entstaubungstechnik eines weiteren Herstellers. Werden also nicht zu sehr Einzelkomponenten zusammengesetzt, ohne über ihr Zusammenspiel nachzudenken? Wird das Problem wirklich an der Wurzel angepackt?
Gespräche am Rande der Stone+tec haben bestätigt, dass seitens der Hersteller schnell laufender Trennschleifscheiben die Frage der Staubentstehung und -beherrschung bisher kaum diskutiert worden ist.


Stauberfassung und Absauganlage
Stauberfassung und Absauganlage


Wir benötigen also gemeinsame Anstrengungen, um folgende Fragen zu beantworten:
  • Kann man die Art und Menge des entstehenden Feinstaubes durch die eingesetzten Diamantkörnungen beeinflussen?
  • Welchen Einfluss hat die Schneidsegmentgeometrie auf Art und Menge des entstehenden Feinstaubes?
  • Kann mit Hilfe der Werkzeugkonstruktion auf die Entstehung von Feinstaub und den Abtransport Einfluss genommen werden?
  • Gibt es bessere Möglichkeiten bei der Maschinenkonzeption, Art und Menge des entstehenden Feinstaubes zu beeinflussen?
  • Welche Möglichkeiten gibt es, den entstandenen Feinstaub optimal abzufördern?
  • Ist ein optimiertes Maschine-Werkzeug-System (voll integrierte Absaugung, nur ein Schlauchsystem für Energiezufuhr und Staubabfuhr, Verwendung nur mit laufender Entstaubung) denkbar, welches auch unter ergonomischen Gesichtspunkten optimiert ist?

Derartige Fragestellungen sind für das System Winkelschleifer-Diamantwerkzeug unbedingt für die Zukunft zu beantworten. Wir brauchen gemeinsame Anstrengungen, um hier neue Wege zu finden!



Der nächste Schritt: Alle an einen Tisch!

Die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung haben jetzt vereinbart, die in Nürnberg begonnene Kooperation fortzusetzen. Es soll ein Aktionsprogramm entwickelt werden, um Antworten auf offene Fragen zu finden. Neben der Aufklärungs- und Informationskampagne steht vor allem der Dialog und die Kooperation im Vordergrund. Hierzu ist eine weitere gemeinsame Veranstaltung für das Frühjahr 2004 in Planung, die voraussichtlich im Dreiländereck Deutschland, Österreich, Schweiz stattfinden wird. Eingeladen werden nicht nur Werkzeughersteller, Maschinenhersteller und Hersteller von Entstaubungsanlagen, sondern auch Betreiber, Verbandsvertreter und die Sozialpartner.
Das Ziel lautet: Nur gemeinsam können wir die großen Herausforderungen in der Naturwerkstein-Industrie meistern - alle müssen an einen Tisch!
Im Rahmen der geplanten zweiten Veranstaltung soll der in Nürnberg begonnene Dialog fortgesetzt werden, um Ansatzpunkte für Sofortmaßnahmen und gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsarbeit zu identifizieren.



Aber auch jeder Einzelne ist gefragt!

Bereits im sechsten Jahr lobt die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft den Förderpreis Arbeit - Sicherheit - Gesundheit aus. Dieser Arbeitsschutzpreis honoriert Innovationen im Bereich Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz mit Preisgeldern in Höhe von insgesamt 100.000 Euro. Teilnehmen kann jeder, der innovative Wege zur Verbesserung der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes erfolgreich beschritten hat. Das Ziel lautet, die besten Lösungen mit der Verleihung des Förderpreises zu honorieren und als Best-Practice-Lösungen der gesamten Branche zur Nachahmung zur Verfügung zu stellen. Insofern richtet sich die Ausschreibung sowohl an Natursteinfirmen als auch an Hersteller von Maschinen.
Informationen zur Teilnahme erhalten Sie unter der Tel.-Nr.: (05 11) 72 57-751 und im Internet unter www.stbg.de.

Dipl.-Ing. Helmut Ehnes, StBG





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