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Gut zu Fuß - Für jede Tätigkeit den richtigen Schuh

Ungeeignetes Schuhwerk ist oft die Ursache für Fußverletzungen durch Abrutschen, Umknicken oder Verletzungen durch scharfe oder spitze Gegenstände. So käme z.B. niemand auf die Idee, in Pantoletten zu joggen oder in Hausschuhen ein wichtiges Fußballmatch bestreiten zu wollen.
Im Arbeitsalltag sieht es jedoch oft anders aus, die einfachsten Regeln des Fußschutzes werden missachtet, der notwendige Schutz für die Füße wird sträflich vernachlässigt. Dabei sind die Zeiten des schweren, klobigen Schuhwerkes längst vorbei, und es gibt keinen vernünftigen Grund, bei der Arbeit auf das richtige Schuhwerk zu verzichten. Heute gibt es für alle (Schutz-) Zwecke modern aussehende und chic gestylte Arbeitsschuhe, die sich äußerlich kaum noch von eleganten Straßenschuhen unterscheiden.



Der "richtige" Schuh

Aus zahlreichen Unfallerfahrungen haben sich folgende allgemeingültigen Anforderungen an ein geeignetes Schuhwerk herauskristallisiert:
  • ausreichend fester Sitz am Fuß
  • biegsame Sohle, die sich den natürlichen Fußbewegungen beim Gehen anpasst
  • rutschsichere bzw. rutschhemmende Sohle
  • niedrige, stoßgedämpfte Absätze mit großer, profilierter Auftrittsfläche.

Bei Vorhandensein besonderer Verletzungsrisiken werden zusätzliche Schutzanforderungen an einen wirksamen Arbeitsschutzschuh gestellt.
Das kann z.B. sein:

  • Schutz des Fußes vor Stößen
  • Schutz vor Einklemmen
  • Schutz vor umfallenden, herabfallenden oder abrollenden Gegenständen
  • Schutz vor heißen oder ätzenden Flüssigkeiten.

Zur Ergänzung des Schutzes der Füße steht im Bedarfsfall Bein- und Knieschutz zur Verfügung.
Ausgehend von Grund- und je nach Tätigkeit unterschiedlichen Zusatzanforderungen werden in der Praxis drei Gruppen von Arbeitsschuhen unterschieden:

  • Berufsschuhe ( O - Occupation)
  • Schutzschuhe (P - Protection)
  • Sicherheitsschuhe (S - Safety)

Sicherheits- und Schutzschuhe verfügen durch eine Stahlkappe über einen verstärkten Zehenschutz. Diese Stahlkappe ist bei Sicherheitsschuhen für hohe, bei Schutzschuhen für mittlere Druckbelastung ausgelegt. Sicherheitsschuhe für den Baubereich verfügen außerdem über eine eingelegte Stahlsohle, die zwar vor dem Eintreten von Nägeln schützen, gleichzeitig aber der vielfachen Biegebeanspruchung gewachsen sein müssen. Berufsschuhe haben mindestens einen schützenden Bestandteil, von z. B. Knöchelschutz.
Die Tabelle zeigt die meist benutzten Kombinationen von Grund- und Zusatzanforderungen der drei Gruppen von sicherheitsrelevanten Arbeitsschuhen.


Aufbau eines Sicherheitsschuhs
Aufbau eines Sicherheitsschuhs


Eigenschaft

Kurzzeichen für die Kennzeichnung von

(Merkmal)

Sicherheitsschuh (S)

Schutzsschuh (P)

Berufsschuh (O)

SB

PB

-

S1

P1

O1

S2

P2

O2

S3

P3

O3

S4

P4

O4

S5

P5

O5

Grundanforderungen

I/II

I

I

I

II

II

Geschlossener Fersenbereich

I

I

I

**

**

 

Kraftstoffbeständige Laufsohle

 

*

*

*

*

*

Antistatische Eigenschaften

I

I

I

II

II

 

Energieaufnahme im Fersenbereich

 

I

I

I

II

II

Wasserdurchtritt/-aufnahme

 

I

I

     

Durchtrittsicherheit

   

I

 

II

 

Profilierte Laufsohle

   

I

 

II

 
* nur bei Berufsschuhen, die Sicherheits- und Schutzschuhen in den Grundanforderungen enthalten
** Forderung bauartbedingt erfüllt
I Schuhe aus Leder und anderen Materialien
II im Ganzen vulkanisierte oder geformte Schuhe

Kurzzeichen für die Kennzeichnung der
meistbenutzten Kombinationen von
sicherheitsrelevanten Grund- und
Zusatzanforderungen




Die richtige Wahl

Einsatz und Auswahl des Fußschutzes richtet sich nach der Art der Gefährdung. Der Unternehmer hat, um Fußverletzungen vorzubeugen, durch Gefährdungsbeurteilung zu prüfen, welche Art von Schutzschuhen bereitzustellen sind. Hilfe zur Gefährdungsermittlung und zur Auswahl des geeigneten Schuhwerkes vermittelt die BGR 191 (Benutzung von Fuß- und Beinschutz, bisherige ZH 1/702) in ihrer aktualisierten Fassung vom Oktober 2001. Anhand einer Checkliste kann der Umfang der Gefährdung konkretisiert werden und der entsprechende Schuh ausgewählt und bereitgestellt werden. Da nicht vorhersehbar ist, wann eine Gefährdung eintritt, also z.B. ein Nagel im Brett aufrecht steht, muss der Schutzschuh selbstverständlich während der gesamten Arbeitsdauer getragen werden. Die Bereitschaft, Sicherheits- oder Schutzschuhe zu tragen, wird erhöht, wenn der Mitarbeiter über die Beschaffenheit der Schuhe mit entscheiden kann. Probeexemplare von verschiedenen Herstellern erleichtern bezüglich der Trageeigenschaft die Auswahl. Wenn möglich sollte durch moderne Fußvermessungssysteme Länge und Breite vor der Beschaffung gemessen werden.



Sicherheitsschuhe für Damen

Die Anatomie eines Damenfußes unterscheidet sich deutlich von der eines Herrenfußes. Es reicht deshalb nicht aus, bei der Produktion von Sicherheitsschuhen für Damen die Herrenmodelle in kleinen Schuhgrößen herzustellen. Diverse Hersteller bieten heute Sicherheitsschuhmodelle an, die über einen speziellen Damenleisten gefertigt wurden, der im Ballenbereich proportional schmaler gestaltet ist und sich so der Charakteristik von Damenfüßen besser anpasst. Hochwertige Lederqualität mit modischen Farbkombinationen sorgen für bessere Trageakzeptanz der weiblichen Mitarbeiter.



Dem Bewegungsablauf des Fußes perfekt angepasst

Bei mehr als der Hälfte aller Fußverletzungen handelt es sich um Verstauchungen, Verrenkungen oder Verletzungen des Bänderapparates. Der hohe Schaft von herkömmlichen Sicherheitsschuhen sorgte bisher für die notwendige Stabilität im Bereich der Knöchel. Eine neue Schutzschuhgeneration stabilisiert das Fußgelenk in seinem natürlichen Bewegungsablauf. Kernstück ist eine asymmetrische Schaftmanschette aus strapazierfähigem Kunststoff, die den Drehpunkt an der Außenseite des Schuhes nach vorne verschiebt. Dadurch wird einerseits der Hebel vom Vorfuß auf die fragilen Außenbänder verkleinert, und andererseits liegt die Kunststoffmanschette schützend vor den gefährdeten Bändern. So kann erfolgreich das Umknick-Risiko verringert werden.


natürlicher Bewegungsablauf des Fußes
Der natürliche Bewegungsablauf
des Fußes ist in Wirklichkeit schräg


Dr. Sigrid Schmidt, StBG




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