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Tödlicher Unfall: Abbruchanweisung nicht beachtet

Im Rahmen einer Rückbaumaßnahme sollten Hallendächer entfernt werden. Dazu reiste ein Betriebsleiter mit drei Mitarbeitern morgens zur Baustelle. Die betreffenden Dächer mit einer Neigung kleiner als 20° waren mit 30 Jahre alten Wellzementplatten aus Asbest belegt. Diese Platten waren auf einer weitmaschigen Unterlattung befestigt, die nur der Fixierung der Platten diente.
Der Betriebsleiter entschloss sich, zusammen mit einem Mitarbeiter ein zu demontierendes Hallendach zu betreten und die Befestigungsschrauben der Platten zu lösen. Die gelösten Platten wurden mit Hilfe einer Hubarbeitsbühne aus etwa 7 m zu Boden gebracht. Mehrere Stunden wurden die Arbeiten in dieser Weise durchgeführt. Etwa gegen Mittag kam es zum Unfall: Eine Platte im Firstbereich gab unter dem Gewicht des Betriebsleiters nach, als er sie betrat. Er stürzte zuerst auf eine 1,5 m darunter liegende Decke aus Mineralwolle und Gipsplatten, die er durchschlug. Nach weiterem Fall von etwa 5 m schlug er auf den Beton-Hallenboden auf. Da er mit dem Kopf auftraf, erlitt er so schwere Verletzungen, dass er unmittelbar an der Unfallstelle verstarb.



Unfallursachen

Im vorliegenden Fall hat man sich nicht an die selbst erarbeitete schriftliche Abbruchanweisung gehalten, die vorsah, die Demontagearbeiten ausschließlich von einer Hubarbeitsbühne aus durchzuführen. Dazu muss allerdings angemerkt werden, dass die Voraussetzungen zum Einsatz der Hubarbeitsbühne hier wegen der mangelnden Erreichbarkeit des Daches gar nicht gegeben waren. Man hätte also die Abbruchanweisung vor Aufnahme der Arbeiten an die Umstände vor Ort anpassen müssen.
Allgemein gilt: Bei Abbrucharbeiten an Dächern müssen Maßnahmen gegen das Hindurchstürzen und Abstürzen getroffen werden:
  • Dem Sturz durch einen nicht tragfähigen Untergrund kann durch Auslegen von lastverteilenden Belägen vorgebeugt werden.
  • Lassen sich keine Absturzsicherungen verwenden, müssen Auffangvorrichtungen vorhanden sein. Das könnte an der Dachkante durch Verwendung eines Fanggerüstes geschehen und innen im Raum durch Einsatz von Auffangnetzen.
  • Sind Auffangeinrichtungen unzweckmäßig und sind Anschlagpunkte vorhanden, darf Anseilschutz verwendet werden.



Resümee

Abzubrechende Bauteile müssen sorgfältig auf ihren baulichen Zustand untersucht werden, insbesondere auf
  1. konstruktive Gegebenheiten
  2. statische Verhältnisse
  3. Art und Zustand der Bauteile und Baustoffe
  4. Art und Lage von Leitungen.
Die für die Abbrucharbeiten zuständige, leitende Person hat den Ablauf der Arbeiten entsprechend den genannten Vorgaben festzulegen. Für Abbrucharbeiten muss eine schriftliche Abbruchanweisung an der Baustelle vorliegen, die alle sicherheitstechnischen Angaben enthält.

Dipl.-Ing. Horst König, StBG


  Der Unfallort: Der Betriebsleiter stürzte aus 6,5 m auf den Betonfußboden   Außenansicht der rückzubauenden Hallen  
  Der Unfallort: Der Betriebsleiter stürzte aus 6,5 m auf den Betonfußboden
  Außenansicht der rückzubauenden Hallen
 




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