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[Die Industrie der Steine + Erden]






Innovationen von der Steinexpo - Eine Messenachlese

Zufriedene Gesichter bestimmten das Bild auf der Steinexpo 2002 in Nieder-Ofleiden. Nach sechs Jahren war die bisweilen im Spannungsfeld wirtschaftlicher und politischer Interessen gebeutelte Demonstrationsmesse wieder zu den Ursprüngen zurückgekehrt. Eine gute Entscheidung - da waren sich Aussteller und Besucher einig.
Wenn auch diesmal einige der namhaften Hersteller von Erdbaumaschinen und Aufbereitungstechnik noch fehlten, so zeigten dennoch 180 Aussteller mit rund 300 Marken auf 30.000 m2 Ausstellungsfläche ein interessantes Spektrum ihrer Produkte. In Gesprächen mit Unternehmern und Entscheidern aus Betrieben der Steine und Erden-Industrie konnte man häufig Missmut darüber hören, dass es die "Großen" wohl nicht nötig hätten, ihre Kunden bei dieser Branchenveranstaltung zu informieren und zu betreuen. Wirtschaft ist nicht nur eine Frage von Daten, sie ist auch eine Frage der Stimmung. Und die war in Nieder-Ofleiden überraschend gut! So bleibt für die Zukunft zu hoffen, dass bei der nächsten Steinexpo in drei Jahren wieder das komplette Marktspektrum der Maschinen- und Anlagentechnik für die Baustoff- Industrie zu sehen sein wird. Die Branche braucht einen solchen familiären Treffpunkt!
Im Folgenden präsentieren wir Ihnen einige der interessantesten Highlights, die auf der diesjährigen Steinexpo zu sehen waren.




ROC D7C: Raupenbohrgerät mit Gefühl

Auch für Übertagebohrgeräte beginnt jetzt das IT-Zeitalter. Auf der Steinexpo stellt Atlas Copco das erste vollautomatische Raupenbohrgerät "mit Gefühl" vor. Einmal eingerichtet, kann dieses ROC D7 C Sprengbohrlöcher mit Durchmessern zwischen 64 und 115 mm selbsttätig bohren - gerade, schnell und sehr präzise. Möglich macht das ein von den Tunnelbohrwagen der Rocket-Boomer-Baureihe übernommenes computergestütztes Steuersystem, das geologische Unterschiede im anstehenden Gestein sozusagen "erfühlt". Dieses "Rig Control System" (RCS) füttert den Bordcomputer des ROC D7 C ständig mit den beim Bohren von diversen Sensoren gemessenen Schlüsseldaten, wie beispielsweise Bohrfortschritt, Schlagwerks- und Dämpferdruck, Rotationsdruck und Spülluftdruck. Das "C" in der Typbezeichung steht für das ursprünglich von Bosch für Automobile entwickelte Datenbus- Netzwerk CAN (Controller Area Network) und verhilft hier zum ersten total vernetzten Übertagebohrgerät.


Als erstes vollautomatisches Raupenbohrgerät stellt sich das ROC D7 von selbst auf wechselnde Gesteinsverhältnisse beim Bohren ein
Als erstes vollautomatisches Raupenbohrgerät
stellt sich das ROC D7 von selbst auf wechselnde
Gesteinsverhältnisse beim Bohren ein


Anhand dieser Informationen regelt das System simultan Schlagleistung und Vorschub des 18 kW starken Hydaulik-Bohrhammers COP 1838, der mit einem doppelten Dämpfungssystem ausgestattet ist. Dessen feinfühlige Steuerung und die doppelte Dämpfung bilden durch die Datenbus-Vernetzung ein blitzschnell reagierend System, das die Hydraulikdrücke automatisch den Gegebenheiten anpasst. Viel schneller als alle bisher üblichen Steuersysteme. Dadurch werden die Stangenverbindungen unter Vorspannung gehalten, bevor der Kolben den nächsten Schlag ausführt und bleibt die Bohrkrone stets gegen die Bohrlochsohle gedrückt. Das Ergebnis ist ein maximaler Bohrfortschritt bei möglichst langer Standzeit des Bohrstahls. Da das Raupenbohrgerät mit Hilfe seines Gestänge-Wechselmagazins auch während der Arbeitspausen und Schichtwechsel automatisch weiterbohren kann, steigt die Produktivität um bis zu 15 Prozent.
Das RSC-Steuersystem macht den Bohrprozess insgesamt sanfter, reduziert den Verschleiß an Gerät und Bohrstrang und verhindert weitestgehend jedes Festbohren. Gegenüber einem hydraulischen System hat die elektrohydraulische RCS-Steuerung einen höheren Wirkungsgrad und benötigt 25 Prozent weniger Hydraulikkomponenten. Das wiederum senkt die Leckagegefahr und reduziert die Anzahl der Hydraulikschläuche und Elektrokabel. Zudem bekam das ROC D7 C ein Selbstdiagnosesystem, das die Fehlersuche vereinfacht. Außerdem gibt es zur Qualitätskontrolle, Planung und Optimierung des Bohrvorgangs noch das "ROC Manager"-Programm. Eine Software, die während des Bohrens alle bohrspezifischen Daten protokolliert. Diese lassen sich dann auf einem Computer mehrdimensional darstellen, und man kann den Bohrprozess im Büro analysieren. So gewinnt man Erkenntnisse für künftige Sprengpläne und kann die Bohr- und Sprengarbeit ständig optimieren. Bei der gemäß FOPS/ROPS zertifizierten Sicherheitskabine des neuen ROC D7 C legten die Konstrukteure besonderen Wert auf Ergonomie, Komfort und gute Übersichtlichkeit. In der Kabine gibt es keine Hydrauliken mehr, ein Farbmonitor ersetzt Manometer und Anzeigeinstrumente.

Ein "ROC Manager"-Programm ergänzt das neue automatische ROC D7 C Raupenbohrgerät. Es kann zur Qualitätskontrolle, Planung und Optimierung des Bohrvorgangs auch mit einer Bohrlochsonde verknüpft werden, die den Bohrverlauf für die Auswertung aufzeichnet   Bei der zertifizierten Sicherheitsheitskabine des neuen ROC D7 C legten die Konstrukteure besonderen Wert auf Ergonomie, Komfort und gute Übersichtlichkeit. Dort gibt es keine Hydrauliken mehr, ein Farbmonitor ersetzt Manometer und Anzeigeinstrumente
Ein "ROC Manager"-Programm ergänzt
das neue automatische ROC D7 C Raupenbohrgerät.
Es kann zur Qualitätskontrolle, Planung und
Optimierung des Bohrvorgangs auch mit einer Bohrlochsonde
verknüpft werden, die den Bohrverlauf für
die Auswertung aufzeichnet
  Bei der zertifizierten Sicherheitsheitskabine des
neuen ROC D7 C legten die Konstrukteure besonderen Wert
auf Ergonomie, Komfort und gute Übersichtlichkeit.
Dort gibt es keine Hydrauliken mehr, ein Farbmonitor ersetzt
Manometer und Anzeigeinstrumente




Terex Steinexpo-Gespann im Praxistest bei der MHI

Terex Germany zusammen mit Terex Equipment Limited war der einzige Hersteller von Großhydraulikbaggern und Starrrahmen-Muldenkippern, der auf der diesjährigen Demonstrationsmesse vertreten war. Die Attraktion am Terex-Stand war zweifellos der Ladeschaufelbagger RH 30-F sowie der SLKVV TR 70. Beide Geräte wurden den vielen Fachbesuchern mehrmals täglich im praktischen Lade- und Transporteinsatz präsentiert.
Während der Vorführungen konnte die Leistungsfähigkeit von Bagger und Muldenkipper jedoch nur angedeutet werden. Daher entschloss man sich, die beiden neuen Maschinen einem ausführlichen Leistungstest unter Realbedingungen zu unterziehen. Im Anschluss an die 4-tägige Messe wurden der RH 30-F und der TR 70 zwei Tage lang in den Abbaubetrieb des Basaltsteinbruchs Nieder-Ofleiden der MHI integriert und die Produktion ausführlich protokolliert. Im Rahmen dieser Dokumentation konnten exakte Werte bezüglich Ladezeit, Fahrtzeit, Anzahl der benötigten Spiele und natürlich Produktionsleistung ermittelt werden. Am zweiten Tag wurden zusätzlich computerunterstützt die individuellen Spielzeiten gemessen, bis hin zu den einzelnen Teilvorgängen, wie Schaufel füllen oder Schwenken.
Der RH 30-F hat bei einem Einsatzgewicht von 84 t einen Schaufelinhalt von 5,5 m3 nach SAE 2-1. Die eingestellte Motorleistung beträgt 380 kW. Die Mulde des TR 70 fasst eine Nutzlast von 65 t. Angetrieben wird der SLKW von einem 12-Zylinder Detroit-Motor, der 567 kW leistet. Geladen wurde gesprengter Säulenbasalt, der einen auffällig niedrigen Feinanteil aufwies. Um den Bagger möglichst auszulasten, wurde für jeden Testlauf ein zusätzlicher SLKW mit 38 bzw. 60 t Nutzlast abgestellt. Außerdem wurde zeitweise neben dem Vorbrecher abgekippt, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten.
Die Testresultate von 673, 601 und 667 Tonnen pro Stunde können sich sehen lassen, doch das Potenzial des RH 30-F war noch nicht vollständig ausgeschöpft. Eine genaue Analyse der Taktzeiten ergab, dass in allen Testläufen die Wartezeit des Baggers auf den nächsten SLKW über 50 Prozent der gesamten Arbeitszeit ausmachte. Diese Pausen wurden zwar zur Vorbereitung des Haufwerks bzw. für die Säuberung der Sohle und andere Nebenarbeiten verwandt, aber bei entsprechend höheren Transportkapazitäten hätte die Ladeleistung von fast 3.500 Tonnen in ca. 5,2 Stunden durchaus noch erheblich gesteigert werden können.
Für ein Arbeitsspiel benötigte der RH 30-F im Mittel zwischen 27 und 28 Sekunden.


Der TR 70 war nach durchschnittlich sieben Spielen und 2,5 Minuten beladen
Der TR 70 war nach durchschnittlich
sieben Spielen und 2,5 Minuten beladen





Neues von Hartl: Der Powercrusher 2002

Der Powercrusher PC 1275 I ist die neueste Entwicklung aus dem Hause Hartl. Diese Anlage zeichnet sich aus durch innovative Technik und modernes Design. Durch die Entwicklung einer neuen Prallmühle, optimiert auf maximale Leistung bei größtmöglicher Aufgabegröße, ist eine vollkommen neue Anlage mit besonderer Leistungsqualität entstanden.
Optimale Abmessungen und einfacher Aufbau der Anlage verringern die Transportkosten wie auch die Rüstzeiten und ermöglichen dem Betreiber des Powercrusher PC 1275 I einen flexiblen und wirtschaftlichen Einsatz bei größtmöglicher Leistung. Die Anlage ist in wenigen Minuten einsatzbereit, da bei Ankunft lediglich das Hauptaustrageband und das Seitenband hydraulisch ausgeklappt werden müssen. Die Spalteinstellung der Prallmühle erfolgt ebenfalls hydraulisch. Durch die niedrige Aufgabehöhe und die lange Beschickungsrinne eignet sich die Anlage zur Beschickung mit dem Bagger oder auch dem Radlader.
Ein großer Vorteil - gegenüber herkömmlichen Klappschurren-Konstruktionen - ist das neu entwickelte Reversierband unterhalb der 2 m langen Vorabsiebung, das durch einfaches Umschalten der Laufrichtung das vorabgesiebte Material vollkommen verstopfungsfrei entweder direkt auf das Hauptaustrageband oder auf das seitliche Austrageband befördern kann.
Durch die optimierte Geometrie für größtmögliche Aufgabegröße wird ein konstantes Endkorn bei fortgeschrittenem Verschleiß der Werkzeugen garantiert. Der Prallbrecher eignet sich als Primärbrecher im Recycling wie für den Einsatz bei mittelhartem Naturstein.


Der neue Powercrusher PC 1275 I
Der neue Powercrusher PC 1275 I





Innovative Haubentechnik für Förderbänder

Seit vielen Jahren ist die Firma Achenbach in der Verarbeitung von Stahlblechen tätig. Neben der Produktion von Dach- und Wandelementen zählt vor allem die Herstellung von Abdeckhauben für Förderbänder aus oberflächenveredeltem und bombiertem Wellblech zum Produktionsprogramm. Die soliden Abdeckhauben von Achenbach sind selbsttragend und bedürfen keiner Unterkonstruktion. Sie werden aus feuerverzinktem Qualitätsmaterial hergestellt und können auf Wunsch zusätzlich im RAL-Farbton kunststoffbeschichtet werden. Daneben sind auch Ausführungen aus Aluminium oder Edelstahl verfügbar.
Auf der Steinexpo 2002 präsentierte der Hersteller sein umfangreiches Produktspektrum. Neben allen gängigen Bandbreiten ist Achenbach auch in der Lage, komplizierten Sonderwünschen nachzukommen. Verschiedene Arten der Haubenbefestigung komplettieren das Programm. Immer wieder problematisch war in der Vergangenheit die Durchführung von Inspektions- und Wartungsarbeiten an eingehausten Förderbandanlagen. Hier bietet das Unternehmen jetzt eine breite Palette von Lösungsmöglichkeiten, die auch unter sicherheitstechnischen Aspekten zu begrüßen sind.
Mit der Achenbach-Schnellschiebehaube (ASS), für die auch ein europäisches Patent vorliegt, ist es jederzeit möglich, Einsicht auf Förderanlage und Fördergut zu nehmen. Die jeweils mittels einem Handgriff nach oben über den Scheitelpunkt des Tunnels verschiebbaren Haubenhälften liegen auf den benachbarten Hauben auf und werden durch die Profilierung des Bleches gegeneinander wie auf Schienen geführt.
Die ASS-Haube wird mit zwei Spannbändern mit Klemmstück befestigt. Dabei werden diese Spannbänder über die Haube herübergeführt und an den Tragkonstruktionen verankert. Durch den Druck der Spannbänder werden die Haubenhälften in jeder beliebigen Position gehalten. So kann die Größe der Haubenöffnung bei gegebener Breite individuell gewählt werden. Bei einer kompletten Tunnelverkleidung ist es möglich, jede zweite Haube in dieser neuen Version auszuführen. Außerdem bietet Achenbach auch Sichthauben mit permanenter Inspektionsöffnung, mit bombierter Inspektionsklappe sowie komplett klappbare Hauben mit Gegenanschlag an.

Öffnen mit System: Herr Achenbach präsentiert persönlich seine flexible Haubentechnologie
Öffnen mit System: Herr Achenbach präsentiert
persönlich seine flexible Haubentechnologie






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